Man sieht und hört es auf DVD-Börsen immer wieder, das leise Geraune rund um ein paar Filme, die immer mal wieder veröffentlicht und dann dargeboten werden wie Sauerbier, die jeder - oder fast jeder - gesehen hat und bei denen man sich dann irgendwann selbst genötigt sieht, zwei bis vier hart erarbeitete Tacken zu opfern, um auf den den gleichen Informationsstand zu kommen.
Im Falle von "Dark Side of the Moon", da raunt es durchs Gehölz, daß es sich ja praktisch um die Plotblaupause für "Event Horizon" handeln soll, gekrönt von einem Bombenschlußgag und sicher, er ist ein wenig doof und billig, aber unterhaltsam.
Und jetzt sagen wir es mal so, wie es den mitgehangenen nicht-genrekonditionierten Filmbeschauer erleben müssen: "Dark Side" ist nicht ein wenig doof, er ist kreuzblöd; er ist auch nicht ein bißchen billig, es ist ein Cheapo erster Güte, sicherlich nicht mit ach so dollen Pappkulissen, aber nicht weit davon entfernt. Er ist auch nicht die Blaupause für Paule Andersons vermutlich bis zum Ende aller Tage besten Film, sondern behandelt nur ebenfalls ein horrortypisches Sujet, allerdings viel platter und sinnfreier. Und er spottet geradezu jeder Beschreibung, wenn man seine einzelnen Handlungselemente mal bei Tageslicht (von dem es in dem zappenfinstren Alienderivat ja keins gibt) beschaut.
Also: man nehme die Grundkonstellation von "Alien", gelangweilte Raumschiffcrew auf dem Weg around the moon, um irre gefährliche Reperatursachen an irgendwelchen Satelliten durchzuführen (vollkommen unwichtig übrigens). Die Technik geht flöten, die Luft geht aus (sapperlot, das geht irre flott), alle sind deswegen so enorm nervös wie ich Freitags nach meiner dritten Tüte Valium. Mit im Boot sind u.a. die scheinbar emanzipierte Frau, der ältere Skipper, der trotz akuten Luftmangels eine nach der anderen durchzieht, der blasse männliche Held, der sexuell virile Typ mit der Kappe (hier muß Ex-Miami-Vice-Mime John Diehl seinen Rentenscheck verdienen), der dicke Bordarzt und Joe Turkel (ja, der mit den ausgedrückten Augen aus "Blade Runner") als so eine Art Analytiker, der nur dazu da zu sein scheint, um a) wie ein möglicher Android zu wirken und b) sich mit dem Bordcomputer zu unterhalten, der aus nicht näher präzisierten Gründen wie eine rattengeile Schnalle im halboffenen Lederfummel aussieht, die ständig in einem hydraulischen Bordsessel rumhockt. Dann taucht auch noch ein Space Shuttle der NASA auf, dockt selbstständig an, obwohl der Treibstoff aufgebraucht ist und präsentiert drinnen enorm witzige Zustände: nämlich reichlich Luft, einige Labors unter Salzwassser, einen bösartigen Piloten, der vor Urzeiten im Bermuda-Dreieck verschollen ist und natürlich eine gar böse Macht.
Was dann folgt, verbindet die guten alten 10 Negerlein mit einem halbgaren Satansmumpitz, der die karibische Extremzone in Relation zu einer ähnlich gelagerten Region auf der Mondrückseite setzt (obwohl man die ja gar nie von der Erde sieht und deswegen eine meßbare Verbindung nur durch den Himmelskörper möglich wäre) und garniert das mit glühenden Augen, düsterem Bass und - olala - einigen dollen Auftritten der biblischen "666" aka "The Number of the Beast".
Neben der mangelnden Emotionalität aller Beteiligten in der Folge, denn sogar die von Panik Ergriffenen sind noch erstaunlich ruhig, fallen dann noch zahlreiche Logiklöcher und Anschlußfehler auf (Bekleidung verschwindet und taucht wieder auf, Personen werden gefesselt, wandern dann umher und fesseln sich dann offensichtlich wieder), während der Plot allmählich in ein teils hanebüchenes, teils vollkommen sinnfreies Etwas mündet, das natürlich jeden alle anderen verdächtigen läßt.
Daß Satan himself auf der Mondrückseite evil Seelen sammelt (ist er auf Urlaub?) und sonst immer flott in der Karibik tätig ist (bisher enorme 666mal, hihi), ist dann schon das Unterhaltsamste an Absonderlichkeiten, die einem hier mit bierernstem Gesicht präsentiert werden und was denn dollen Schlußgag angeht, der weckt garantiert keinen Komapatienten auf und einen müden Videokonsumenten reißt er auch nicht aus dem Nacho-Dusel.
Das liegt vermutlich auch an der sparsamen Ausstattung (viele bunte Lichter) und dem genießerischem Halbdunkel, in dem sich alles abspielt und ein paar Goreeffekte (dreieckige organfreilegende Brustwunden) reißen es auch nicht wieder heraus.
Wer also nicht komplett vom Genre absorbiert ist, so daß er praktisch alles kommentarlos in sich rein frißt, der fängt spätestens nach einem Drittel gewaltig an zu stöhnen, weil das absolut reiz- und farblos präsentiert wird, so daß selbst der Teufel auf einem Raumschiff zu langweilen beginnt - vor allem weil er ohne Not ziemlich umständlich und zögerlich vorgeht.
Was es um so unerklärlicher macht, daß sogar die Säurespritzer von "Badmovies.de" dem öden Filmchen ein "gerüttelt Maß an Spannung" unterstellten. Natürlich gibt es blöderen Käse und billigeren Schrott, aber das todernste Gesicht, mit dem mir hier absolute Unmöglichkeiten untergeschoben werden, die man zu Plotzwecken einfach trocken runterwürgen soll, das schafft so ziemlich jeden guten Willen. Nehmt es als Fastfood, liebe SF-Freunde, aber der Rest kann sich die geflüsterte Aufregung sparen: es lohnt nicht. (2/10)