Review

Kleinere Details im Mittelpunkt, ansonsten Unschärfen, Vorahnungen und Erwartungen auf und an Kommendes bestimmen die ersten Szenen; nach und nach ergibt sich in wenigen Minuten ein grobes Bild aus Einzelteilen, welches anschließend weiterhin erkundet und bis in die kleineren Ecken erforscht wird. Ähnlich wie der Einstieg verhält sich die gesamte Inszenierung und sein materielles Experiment als erweitertes Lege- und Denkspiel, das nach Außen hin als Actionthriller mit verschiedenen Glutnestern mehr oder weniger funktioniert, eher aber noch als Variation einer Biographie und auch Rückblick auf eine Ikonographie zu sehen ist. Geschrieben und gedreht von Ding Sheng, der mit seinem Hauptdarsteller Jackie Chan schon zuvor mit Little Big Soldier (2010) ebenso und damals auch in gelungener Weise ein Alterswerk fabriziert hat, ist der Film entgegen erster Erwartungen eher als Kommentar und Versuchsanordnung zur Gegenwart bzw. der näheren Zukunft des Starschauspieler zu sehen als als eigenständiges Erzeugnis. Problematisierung und Reflexion:

Weihnachten. Beijing. Der altgediente Polizist und Witwer Captain Zhong Wen [ Jackie Chan ] trifft nach langen Monaten der Trennung seine ihm fremd gewordene Tochter Miaomiao [ Jing Tian ] in der "Wu Bar" wieder, wo sie ihn sowohl in der Aufmachung als auch dem Verhalten und letztlich dem Vorstellen ihres jetzigen Freundes, dem Besitzer der Lokalität Wu Jiang [ Liu Ye ] eher brüskiert. Die Geschehnisse des da noch jungen Abends nehmen plötzlich dramatische Züge an, als erst eine erweiterte Selbstmord-/Morddrohung durch einen mit einer Bombe ausgestatteten Gastes als auch plötzlich die Geiselnahme durch Wu und seine Kompagnons [ Fu Hai, Zha Ka und Liu Hailong ], einem Trupp ehemaliger Muay Thai Kämpfer erfolgt. Horrende Lösegeldforderungen sowie das Verlangen nach dem früheren Gefährten, dem mittlerweile inhaftierten Wei Xiaofu [ Zhou Xiaoou ] täuschen nur vor, was das wahre Anliegen des jetzt sein Gesicht zeigenden Wu ist. Rache für einen fünf Jahre zurückliegenden Vorfall in einer Pharmazie, in dem nicht nur die anderen eingeladenen Gäste, sondern auch der verzweifelt um sein Leben kämpfende Cop involviert ist. Von außerhalb drängt die Polizei unter Führung von Lieutenant Wu [ Yu Rong-guang ] währenddessen auf ein schnelles, gewalttätiges Eindringen in die verriegelte Festung.

Another Police Story
. Another Crime Story.
Belegt zwar unter Spannung und am Set dieser Tage und so im Hier und Jetzt, wird eher eine Fantasie, vollständig auch mit dem Aus- und Durchspielen von Imagination, Anordnungen und Lösungsmöglickeiten als ein Update der Police Story Tetralogie (1985/88/92/96) oder seines ebenso inoffiziellen früheren Kollegen New Police Story (2004) generiert. Eine Geschichte über Weiß und Schwarz und Grau, über Schuld und Sühne, als dunkles Kammerspiel, in dem das Entrinnen nur mit finaler Gewalt und vorher in der Phantasie aus unterschiedlichen Perspektiven von Wahrheit und Wirklichkeit, und  Rückblenden und Vorhersehungen möglich ist.

Ein fiebriges, aber auch fahriges Konstrukt im kleinen Kreis, kurzer und zudem streng kontrollierter und so noch zusätzlich befristeter Zeit und an einem einzigen, nach außen und nach innen hin verschlossenen Ort. Wäre nicht der Titel, der auf jeweils bessere Tage verweist und auch der Anspruch, noch kommerziell erfolgreich zu sein, täte das Werk gerade auch ohne die Einblendungen diverser und oft nur durch Erzählungen und Gedanken in sich größeren Sphären ausbreitenden Actionszenen zu bestehen. Ob nun eine Razzia in einer Industrieanlage, die Flucht eines Gangsters und das Stellen durch die Polizei oder auch andererseits eine Autoverfolgungsjagd durch schneebedeckte Weiten samt Karambolagen und Überschlägen als Rückblenden nun unbedingt zu bebildern sind, ist angesichts des sowieso zusammengewürfelt scheinenden Narrationsgebäudes, dass alles Andere als eine Festung der Schreibkunst ist, mehr als fraglich bis bescheiden in der finalen Bilanz.

Zumindest wird dort das Publikum um sein Verlangen nach Mehr und Größer und dem Durst nach Durchsetzungsvermögen und den Lorbeeren des Stuntteams befriedigt, auch die Umsetzungskompetenzen des nunmehr fast Sechzigen Chan in der aktuellen Welt erwiesenermaßen gestillt. Die vorliegende physische Präsenz, die in Ausdauer, Akrobatik und Ideenreichtum den Zenit der Zeit verständlicherweise längst überschritten hat, aber durch schiere Anwesenheit  und seinem gewissen Symbolismus zwischen Faszination und Verzweiflung wieder vollständig wettgemacht wird, erhöht die vorliegende Erzählung zu einer recht speziellen Genremalerei. Abstecher in solide Shootouts, Explosionen und andere dramaturgische, in extreme Zeitlupen eingefangene Höhepunkte werden oft ohne narrativen Unterbau, sondern wie als mythologische Legende, als Begleitbuch mit Erklärungen, als  kaleidoskopartiger Bruch von showstoppern in die Handlungen integriert. Als was wäre wenn. Wie im Zeitreisefilm.

Das anfangs ungewohnte Milieu von Set und Setting macht noch den entscheidenden Stich. Im ehemaligen Heimatland Hong Kong längst unbeliebt und fast wie ignoriert, scheint Chan auch im modernen (Rot)Chinesischen Kino und seiner stetig die Jahre anwachsenden Attraktion, die immer mehr auf Blockbuster, Effekteinsatz, aber auch ein Bestehenkönnen des ähnlich nur an der Oberfläche interessierten Hollywood setzt, wie fehl am Platz und aus der Hauptbedeutung längst hinaus. Der Schwerpunkt der Existenz wird hier im besseren Kellergewölben, einer Düsternis aus in der Luft aufgehängten Käfigen, einer mit Gittern umrandeten Arena und anderen Einengungen aus Lüftungsschächten, Heizungsrohren, zerklüfteten und verwinkelten Treppengängen wieder zurückgekämpft; quasi das Leben an der Prominenz und die Ehrenrettung bisherigen Schaffens, wobei narrativ immer die Erlebnisse und Gefährdungen von Comrade Policeman und die jeweiligen Anfeindungen und späteren Anfeuerungsrufe, instinktiv aber jeweils die Person des deplatzierten Schauspielers selber im Bewusstsein stehen.

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