Die wirklich guten Mafiafilme, die bei Kritikern und Publikum gleichermaßen gut ankamen, sind bereits Jahrzehnte alt. Auf den Spuren von „Der Pate“ und „Es war einmal in Amerika“ versucht Regisseur James Mottern zu wandeln, doch über eine Ansammlung von Klischees kommt er lange Zeit kaum hinaus.
Nick (Ben Barnes) will endlich ein anerkanntes Mitglied im Mafia-Clan von Salvatore (Harvey Keitel) werden und soll dafür einen Mord begehen. Im entscheidenden Moment zögert Nick, sein Kumpel George (Slaine) kommt ihm zuvor. Als Nick eine geheime Affäre mit Ali (Leighton Meester), der Tochter eines unbeliebten Gangsters eingeht und George ebenfalls eine folgenschwere Tat begeht, sitzen beide tief in der Tinte…
Es dauert sage und schreibe über 70 Minuten, bis erstmals Spannung zu verzeichnen ist, was nicht unbedingt für einen ereignisreichen Verlauf mit Unterhaltungswert spricht.
In Ruhe werden Nick und sein Umfeld vorgestellt, es wird verdammt viel geredet und philosophiert, doch inhaltlich kommt lange Zeit wenig dabei herum. Die Begegnungen zwischen Ali und Nick sind durchaus charmant, doch demgegenüber wirken die Gangster wie Abziehbilder bekannter Genrevertreter.
Überhaupt bleiben viele Nebenfiguren zu oberflächlich gezeichnet, während Nick nur bedingt als Sympathieträger taugt. Zu viele negative Eigenschaften durchziehen seine Handlungsweisen, da er im Grunde nur ein rücksichtsloser Opportunist ist. Ein Typ, der nach Halt und Anerkennung sucht, jedoch den grundlegend falschen Weg wählt, um dieses zu erreichen. Sein Gefährte George kommt da schon wesentlich besser weg, zumal seine direkte Art in Sachen Ehrlichkeit zu überzeugen weiß.
So dauert es bis zum letzten Drittel, bis sich die Geschichte endlich in eine entscheidende Richtung entwickelt und tatsächlich ein wenig Bewegung ins Spiel kommt, von Action kann allerdings keine Rede sein. Die Entwicklungen sind zumindest konsequent und werden zu einem stimmigen Abschluss gebracht, was jedoch nur schwerlich den lahmen und zu ausufernden Vorlauf kaschiert.
Darstellerisch ist nichts anzukreiden, - im Gegenteil: Barnes performt recht nuanciert und verleiht seiner Figur glaubwürdige Facetten und auch Meester ist als Love Interest überzeugend. Keitel spult indes nur ein austauschbares Mafia-Programm ab, während Slaine positiv überrascht. Toby Jones ist gut wie immer, er erhält jedoch wenig Screentime.
Mit etwas mehr Drive und weniger Oberflächlichkeiten hätte daraus ein passabler Genrebeitrag werden können, denn das in triste Farben getauchte Boston bietet die ideale Umgebung für ein Gangster-Drama dieser Form. So bleiben 109 Minuten mit einer schwerfälligen ersten Hälfte und eine Geschichte, der es insgesamt an Inspiration und Spannung mangelt.
5,5 von 10