Stelvio Massi liefert wie immer solide Arbeit ab. Er hat zwar nie Spitzenprodukte abgeliefert, dennoch bieten meines Erachtens alle seine Filme überdurschnittliche Unterhaltung. Aber man kann zu diesem Punkt auch anderer Meinung sein. Dieser Film gehört zu den letzten echten "poliziottesco". Anfang Achtziger Jahre vermischte sich das Genre mehr und mehr mit der Mafiathematik. Um dann vollends Mitte Achtiger Jahre in Versenkung zu gehen und von TV-Produktionen verdrängt zu werden. Hier muss ich unbedingt an Claudio Fragasso's (überraschend) hervorragenden Comeback mit "Milano Palermo" (1995) hinweisen, der nach meiner Meinung an die Glanzzeiten des Italo-Polizeifilms anknüpft.
Aber zurück zu diesen Film. Ex-Polizist Maurizio Merli bekommt von einem Industriellen, der gleichzeitig auch ein guter Freund ist, den Auftrag ihn zu beschützen. Doch die Sache geht schief. Merli schwört Rache. Er findet heraus, wo sich die Drahtzieher befindet, nistet sich in die Organisation ein, macht doppeltes Spiel und vollendet trickreich seine Rache ohne dass er schliesslich sein Gesicht verlieren muss, als er sich nach der ganzen Aktion vor der Polizei rechtfertigen muss.
Merli ist wie immer mutig und brutal und steht stets im Mittelpunkt des Films. Die Actionszenen sind gut gemacht und der Film bietet ein flüssiges Tempo, nur kurz unterbrochen von der Liebesgeschichte, die sich zwischen Merli und Speidel ergibt. Der Soundtrack ist recht düster und würde in einem Fulci-Horror gut passen. Ueberhaupt wirkt der Film im herbstlich/winterlichen Venedig bzw. Berlin mit kargen Schauplätzen leicht Endzeitmässig. Nicht der beste Massi, aber unterhaltsam (7/10).
P.S: Die ZDF-Fassung von 2004 ist definitif geschnitten! Die Fassung, die ich gesehen habe, dauert ca. 95 Min.