Das Fazit vorweg: filmhandwerklich auf jeden Fall wertvoll und absolut sehenswert, inhaltlich allerdings wirklich für die Tonne. Diesbezüglich zwar im Grunde ein typischer von Trier: Gott ist tot, Liebe nur Schein, der Mensch ist schlecht, usw. blablaa. Aber mit nicht akzeptablen Grund- und wahrscheinlich auch End-Tenor.
Aber eins nach dem anderen. Dieser Mindfuck ist wie immer "gewürzt" mit Provokation, speziell schockierenden Bildern, im Falle von Nymhomaniac vor allem die kurzen Hardcore-Porno-Szenen, auch schon in der vorerst nur gekürzt dargebotenen Version. Ja, "Schock" mit Anführungszeichen. Ich bin weder auf der Buttermilch daher geschwommen, noch will nicht prüde daher kommen, aber es handelt sich trotz aller Arthousenähe schließlich immer noch um einen kommerziellen Kinostreifen. Kunst ist wesentlich eine die Realität treffende, oder in den meisten Fällen sogar noch übertreffende Beschreibung, dieses Draufhalten letztendlich nur Brechstangen-Tabubrecherei. Und Mittel zum Zweck, (weggeheucheltes) Advertising.
Aufgewühlt hat mich das Ganze trotzdem nicht, eher ab- als aufgeschreckt und letztendlich sogar wütend gemacht, oder einfach nur angekotzt. Und irgendwie immer dieser Hauch einer verkappten Komödie. Unpassend! Unpassend? Vielleicht bin ich auch dumm und habe nichts begriffen. Die dargestellten Zustände bedürfen meiner Meinung nach ausschließlich Kritik, jene bliebe jedoch nur erkennbar wenn die Gegenseite definiert wäre. So bleibt es bei einer (scheinbaren !) Zustandsbeschreibung. Es gibt gestörte Sexualität, ohne Frage, und Nymphomanie gehört sicher dazu. Aber mit dieser Geisteskrankheit so offensichtlich die eigentlich schöne Welt der Zweisamkeit (!) zwischen Mann und Frau (!) zu überrollen, diesem dogmatischen Beigeschmack von "das ist so". Nein danke. Es gibt (genug) Schlechtes auf der Welt, das hat mittlerweile auch der Letzte begriffen. Aufgabe des aufgeklärten Menschen sollte aber sein, sich am positiven Formen des Seins zu versuchen, jeden Strohhalm eines Besser-Machens zu ergreifen, nicht sich hemmungslos vom "Bösen", welcher Sünde auch immer, einnehmen zu lassen
Nach "Antichrist" und "Melancholia" der Abschluss der "Trilogie der Depressionen". Ja schön, aber wer brauch jene. Sie sind nicht zu vertuschen, gebieten es auch sich ihnen zu stellen, richtig, aber wäre ein Lichtblick nicht das wonach sich der vom Leben verdunkelte Mensch sehnt, beziehungsweise er braucht?! Sicher es fehlt noch Part 2/2, aber man muss nicht besonders schlau sein um zu erkennen das in dieser Richtung nichts mehr kommen wird.