Review

Ich habe mir die Freiheit genommen, „Equinox“ bereits für Badmovies.de zu rezensieren, aber weil es ja zu einfach ist, den Kohl einfach zu kopieren (und zu lang...und nicht erlaubt), werde ich den Film auch an dieser Stelle noch einmal würdigen.
Die Studentenproduktion, die später zum Kinofilm aufgeblasen wurde (mitsamt teilweiser Überarbeitung und Nachdrehen gewisser Sequenzen) machte allein schon aufgrund ihrer Inhaltsangabe im seligen „Lexikon des Horrorfilms“ (Hahn- und Janssen-Kenner wissen, wovon ich rede) einen dermaßenen Zwischen-den-Stühlen-Eindruck, daß ich mir zwei Tüten Schokoladenkekse gefreut habe, als tatsächlich jemand so lebensmüde war, diesen hier total unbekannten Film tatsächlich in Deutschland herauszubringen.

Die Geschichte wurde in einer gewissen Zwischenzeit produziert, als der alte Horrorfilm darnieder lag, die Briten von Hammer zuungunsten von Amicus nachließen und in Amerika die Hippieszene mehr oder minder abstruse Stücke an Filmgrusel hervor brachte, kurz bevor die neue große Welle an Grausamkeiten losgetreten wurde.
Thematisch rockt der Film dermaßen viele Genreversatzstücke zusammen, daß es, in gelesener Form eine wahre Freude ist: vier Freunde (also zwei Studipärchen) setzen sich zum güldenen Wochenend in die verlasseneren Hügel Hollywoods ab, um den Dozenten Dr.Waterman (wer jetzt „Age of Aquarius“ singen möchte, darfs tun) aufzusuchen, der da einen ganz tollen Knüller aufgetan hat.
Wie die Chose endet, wissen wir zu dem Zeitpunkt schon, denn zum Auftakt überlebt nur einer von vier einen Angriff, dessen Angreifer im Dunkeln bleiben, was ihn jedoch nach einem Zweikampf mit einem fahrerlosen Wagen alsbald in die Klappse bringt, wo ein nicht sonderlich engagierter Reporter die folgende Story aus ihm herausfiltert.

Wie sich bald heraus stellt, liegt die Hütte in Trümmern, der Doc ist verschwunden und ein immer wieder auftauchender Rangersmann mit grimmigem Blick und dem ganz unverdächtigen Namen Asmodeus gibt Tipps, die nun wirklich nicht von dieser Welt sind.
Von da an fliegen nun nur noch die Socken durchs Gehölz: erst entdeckt man eine Burg, die wieder verschwindet, dann marschiert man in eine Höhle, wo ein alter Zausel den Studenten ein geheimnisvolles Buch mit bösartigen Zeichen überreicht. Das wird dann baldigst von Waterman gestohlen, der aber nach gepflegter Hetzjagd den Löffel abgibt. Gleichzeitig läßt Assi die Maske fallen und entpuppt sich als der Leibhaftige und macht sich an die Holden ran und als das nicht funktioniert, beamt er einen gehörnten Dämon herbei, der in bester Stop-Motion-Manier die Umgebung rodet. Im folgenden Getümmel dreht sich dann alles noch um eine unsichtbare Grenze, eine fremde Dimension, einen riesenhaften Urmenschen und schlußendlich macht Assi dann noch auf Red Bull bzw. Red Devil...denn er verleiht sich Flügel...

Wie aus dieser Kurzzusammenfassung (die lange gibt’s bei...na, ihr wißt schon...) schon zu ersehen ist, bietet „Equinox“ einen Plot, der der reine Wahnsinn auf Stelzen ist. Da mischt der Teufel höchstpersönlich in einem Thema mit, das man sich ursprünglich wohl eher bei H.P.Lovecraft entliehen hat (und tatsächlich wurde die Hütte auch von einem riesenhaften Tintenfischdämon vernascht). Perspektivtricks, Knetfiguren und die solide Stop-Motion-Arbeit von Jim Danforth und anderen, damals noch jungen Kollegen, die uns die 80er versüßt haben, wechseln sich ab.
Und wie sie das tun, denn die Tricks sind bei weitem das Beste an diesem Film, wenn auch uneinheitlich. Der Taurus-Dämon z.B. ist für Amateurfans eine Wucht, der Höhlenmensch solide und Assis Schlußangriff reizt zwar zum Lachen, hat aber irgendwie auch was. Dazu kommen ein paar interessante Matte Paintings und einige einfache, aber wirkungsvolle Effekte, wie die unsichtbare Grenze.

Dazu kommt, daß der Film eine wirklich bedrohliche und düstere Stimmung ausstrahlt, das Andersweltliche kommt gut rüber, auch wenn das alles in Canyons mit reichlich Grünbewuchs und noch mehr Sonne spielt.
Der Rest ist aber bei weitem nicht dazu angetan, in Frohlocken auszubrechen. Die Darsteller sind meistens mit mäßig noch freundlich beschrieben und die Dialoge holzen im hohen Gras herum. Dazu verlieren die Macher öfters den Faden, um die Trickaufnahmen überhaupt dramaturgisch integrieren zu können, denn so oft wie hier für einen Plan ein Hügel rauf- und wieder runtergelaufen wird, um sich gesprächstechnisch im Kreis zu drehen und wie oft die Figuren hier etwas vergessen, was rasend wichtig ist, um dann allein die betreffende Sache zu holen (man kennt das ja...uhaha...), ist schon recht schmerzhaft.

„Equinox“ war erst eine etwas über einstündige Studentenproduktion, die übrigens noch zu begutachten ist, ehe der Produzent und Regisseur (und Darsteller) Jack Woods drei Jahre später darin so viel Potential sah, daß er die Crew neu versammelte und einige Szenen nachdrehte, in denen er dann höchstpersönlich auftrat (nämlich samt und sonders alle mit Asmodeus, dem finstren Förster). Schauspielern kann er zwar nicht, aber er hat den Film tatsächlich etwas aufpoliert, ohne daß er nun flüssiger oder logischer würde, aber es gibt sicher gruselige Verschlimmbesserungen. Er schmiß dann noch einige mangelbehaftete Stop-Motion-Tricks raus und setzte auf mehr Atmosphäre und machte so einen 80-Minüter daraus und das reicht dann auch bei weitem, vor allem weil sich die Darsteller in den drei Jahren stark verändert haben (inclusive Frisuren und Klamotten, die ähnlich, aber nicht identisch sind).

Dennoch: „Equinox“ hat so seine Momente. Bei den Tricks, bei den grundsätzlichen Ideen, beim Look, bei der Stimmung -–wenn da nicht die erzählerischen Löcher wären und einiges an dialoglastiger Dämlichkeit, die übrigens von der deutschen Synchro noch zusätzlich gefördert wird.
Insofern kann man sich nicht nur mit Lachabsicht an einen vermeintlichen Trasher setzen, man entdeckt auch viele Ideen, die so reizvoll sind, daß man sich ein größeres Budget gewünscht hätte. Hier und da darf man zum Kühlschrank gehen und Bier nachholen, aber dann ist der Film immer wieder ganz plötzlich da und schmeißt einen irgendwie um, wenn man die Umstände seiner Produktion bedenkt.
Ich mag ihn jedenfalls trotz seiner Löcher, seiner Mängel und seiner zeitweiligen Unbeholfenheit, er trägt seinen Charme auf der Zunge und wäre mein erster Kandidat für endlich mal ein originelles und potentiell substanzhaltiges Remake. (6/10)

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