Review

Mit „The Sixth Sense“ sollte ein bis dato unbekannter Regisseur aus Indien die Filmwelt verzücken und Lobpreisungen überhäuft werden. M. Night Shyamalan zeigte nicht nur eine völlig andere Art von Mysterythriller, sondern schaffte es auch den Zuschauer, nicht zuletzt dank Bruce Willis beeindruckender Performance, zu fesseln. Nun hatte er sich die Messlatte für seine folgenden Werke natürlich selbst extrem hoch gelegt. Gleiches gilt für den Anspruch der Zuschauer und Kritiker – nicht anders ist zu erklären, warum die Meinungen zu „Unbreakable“ oft negativ ausfallen.

Dabei bemerkt man hier schon ab der ersten Minute, dass hier wieder ein in inszenatorischer und narrativer Hinsicht unkonventioneller Film präsentiert wird, den wohl nur eine Handvoll Regisseure so einzigartig filmen können. Mit einem einführendem Auszug über Comics sind wir mitten im Geschehen, beziehungsweise mitten im Zug, wo wir auf David Dunn (Bruce Willis) treffen, der gerade aus Chicago zurückkehrt und mit einem Passagier flirten will. Die Ehe ist, wie wir später erfahren, in die Brüche gegangen – warum also nicht?

Neben der tristen Optik, die puren und drückenden Pessimismus ausstrahlt, ist es wieder die Kameraarbeit, die Shyamalans Handschrift trägt. Dem scheiternden Flirt folgen wir voyeuristisch durch die Sitze hindurch. Das kleine Mädchen, das an unserer Stelle im Zug sitzt und Dunn beobachtet schon ganz vergessen. Kameraumschnitte werden genauso sparsam vorgenommen, wie Musik außen vor gelassen wird. Die Bilder wirken und wir wissen, dass bald etwas Schlimmes passieren wird. Der Zug entgleist und Dunn wird der einzige Überlebende zwischen über hundert Toten sein.

„Unbreakable“ zerpflückt im Grunde die „heile Welt“ der amerikanischen Superheldencomics. Das allerdings auf eine geschickte und unkonventionelle Weise. Der desillusionierte David Dunn ist hier der vermeintliche, unsterbliche Held. Doch nicht nur, dass er familiäre Probleme hat und nur einem zweitklassigen Job als Schutzmann in einem Stadion nachgeht, ihm fehlen auch alle Charakteristika einer solchen Figur. Sein Cape ist ein grüner Fetzen, der wie ein Stück Haut, wenn er durch den Regen seine Runden dreht, am ihn klebt, gegen Ruhm und Ehre hat er such schon zu Collegezeiten entschieden und selbst als Vaterfigur hat er mit Problemen zu kämpfen.

In einer sich erst am Ende wirklich offenbarenden Beziehung zu ihm steht Elijah Price (Samuel L. Jackson), der sein Leben nicht führen konnte, wie er wollte. Mit einer Genkrankheit, die seine Knochen zerbrechlich wie Glas macht, sich durch sein Leben kämpfend, widmet er sich eben diesen Comics und trifft schließlich auf Dunn, in dem er seinen Gegensatz sieht. Diesem „Helden“ im ursprünglichen Sinn, soll er dann auch den richtigen Weg weisen.

M. Night Shyamalans Erzählweise ist langsam aber beständig. Ohne Hast wird der Plot vorangetrieben und hat ein paar prägende Momente zu bieten. Insbesondere Dunns erwachende Erkenntnis, dass er mit einer besonderen Gabe ausgestattet ist und der Weg, der über das Stemmen von unglaublichen Gewichten im Keller führt, sind dabei von feinfühliger Intensität geprägt. Nicht zuletzt dank Bruce Willis und Jungstar Spencer Treat Clark („Gladiator“) ist diese Vater-Sohn-Beziehung eine der intensivsten Komponenten. Irgendwann beginnt Sohnemann nämlich wirklich an die Unsterblichkeit des Vaters zu glauben und möchte seiner Umwelt dieses anhand einer Schussübung präsentieren.

Wie das nun mal mit Heldenfiguren so ist, müssen sie auch Taten vollbringen, um unter Beweis zu stellen, dass sie sich dem Guten verschrieben haben. Und so macht sich Dunn, in beängstigt düsterer Montur auf, die Schlechtigkeiten von dieser Welt zu spülen. Dabei wird er jedoch von einem unvorhersehbaren Problem gestellt. Er muss sich entscheiden, welche er, auf eine primitive und gar nicht heroische und schillernde Art und Weise bekämpft, muss Schicksale gegeneinander abwägen und sich schließlich für den richtigen Weg entscheiden, der ihn final in die Arme seiner, zumindest in Ansätzen, wieder funktionierenden Familie treibt.

Die Bildsprache bleibt dabei beständig düster. Dunkle Farben, ein grauer Himmel und ständiger Regen dominieren den Film. So erdrückend wie die Atmosphäre ist, so depressiv spielen die Darsteller. Bruce Willis zeigt abseits von Actionfilmen einmal mehr, dass er, trotz beschränkter Möglichkeiten, für solche Rollen wie geschaffen scheint. Samuel L. Jackson, mal nicht in einer coolen Paraderolle, steht ihm dabei in nichts nach, ist eine interpretationswürdige Figur, die einen überraschenden Schlusstwist auslöst und dank seines tragischen Schicksals fasziniert.

Fazit:
M. Night Shyamalan gelang es erneut einen gänzlich unkonventionellen Film zu inszenieren, der mir persönlich besser als „The Sixth Sense“ gefiel, aber nicht an „Signs“ heranreicht. Die langsame Erzählweise, die ausufernden und ruhigen Kamerafahrten und der ständig präsente Pessimismus sorgen für Gänsehaut, obwohl es hier gar nicht viel gibt, vor dem man sich Gruseln kann. „Unbreakable“ fasziniert durch Bildsprache, Schauspiel und die hinter dem cleveren Plot verborgene Idee, das Superheldentum in die Wirklichkeit zu übertragen und einzureißen.

Details
Ähnliche Filme