Nach „The Sixth Sense“ wurden Klagen laut: Shyamalan zitiert sich selbst, wieder Bruce Willis, wieder ein Last-Minute-Twist, der alles über den Haufen wirft, was man geglaubt hat zu wissen, nur eine Nummer fader als im Vorgänger.
Muß ich konstatieren: stimmt alles! Tatsächlich ist die Schlußpointe nicht so gut wie z.B. in besagtem Geisterfilm, aber das liegt auch daran, daß man drauf wartet, weil man weiß, daß sie kommt.
Nur liegen die wahren Qualitäten von „Unbreakable“ nicht in dem Schlußtwist, sondern in seinem sorgfältigem Aufbau und seiner makellosen Bildsprache.
Brachte ein paar Jahre später Ang Lee mit seiner Vision von „Hulk“ das Comicpanel als cineastischen Schnittmittel ins Gespräch, so bewies doch der Inder schon hier, daß man inhaltlich das Wesen des Superhelden der Comics schon im Film einfangen konnte und das nicht zuletzt mit comichaften Stilmitteln.
Dabei wirkt die Handlung primär etwas behäbig. Kongenial gegen den Strich besetzt, wirkt der müde, wegen der drohenden Scheidung stets vorsichtige und schmerzerfüllte Willis alias David Dunn doch stets, als stände er unter Drogen bei einem gleichzeitigen Mega-Hangover.
Damit deutet der Plot schön seine innere Stärke an, die gewaltige Ruhe, die nach und nach an die Oberfläche dringen wird.
Dagegen baut sich der mit gläsernen Knochen geschlagene Elijah Price alias Samuel Jackson als Mentor auf, der den „Fehler der Natur“, den unzerbrechlichen Menschen Dunn, erst sucht, dann findet, aufklärt und nachhaltig formt; nicht zuletzt auch aus persönlichen Gründen...
Dunn muß (wie alle Superhelden) seine Kräfte erst ergründen, doch dazu benötigt er Halt und Antrieb, muß seine Familie wieder einen, seinem Sohn den Glauben an den Vater wiedergeben, im Gegenzug dessen Vertrauen erwerben. Schließlich muß er noch sein persönliches Trauma überwinden und sich seiner Achillesferse stellen, seiner Furcht vor dem Wasser.
Shyamalan inszeniert das ruhig und sorgfältig, die Kamera wird nicht manisch und schnell eingesetzt, sondern überlegt. Jeder Szene merkt man die sorgfältige Auswahl des Winkels an, die Gegensätzlichkeiten vom Kleinen ins Große und wieder zurück.
Gehalten in düsteren, schleppenden Tönen, springt die Farbe stets nur dann ins Auge, wenn etwas Wichtiges geschieht, als Warnung, Bedrohung, Signal. Dabei haben selbst die opponierenden Seiten ihre eigenen ganz persönlichen Farben.
Dabei kann der Zuschauer einerseits der Geschichte der Heldenwerdung (eines widerspenstigen zwar) folgen, gleichzeitig aber auch vergnügt den Zitaten aus dem Regelheft der Superheldencomics folgen, etwa wenn sich David am Ende in ein Kostüm hüllt (auf dem passend zur Mission „Security“ steht, da es sein Arbeitsregencape ist), um einen Mörder zu bezwingen.
Das Übernatürliche, das Übermenschliche forciert natürlich das Interesse, aber es bleibt immer näher am Menschlichen, was es noch interessanter macht, da nie geklärt wird, ob David nur unfallsicher ist oder etwa auch kugelsicher. Oder wie viel er wirklich verträgt. Fest steht nur, es steckt mehr in dem Mann.
Die Pointe am Ende ist comicbuch-lehrhaft, die Umstände, die zur Pointe führten (die herbeigeführten Katastrophen), sind allerdings relativ beliebig und dank ihrer Wahrscheinlichkeit stehen sie als Schwäche im Plot da, einzig wohl wegen ihres Effekts so hinkonstruiert.
Trotzdem ist „Unbreakable“ ein Meisterwerk an Konstruktion, welches gleichzeitig seiner spröden, universellen Geschichte vertraut und diese in stillen, nicht immer attraktiven, aber dafür um so wirkungsvolleren Bildern erzählt. Da natürlich die Erwartungshaltung nach dem Geister-Blockbuster auf noch mehr leichte Popcornunterhaltung gerichtet war, sahen sich viele Zuschauer in ihren Erwartungen brüskiert, was den Film im Vergleich angeblich an der Kasse zum Flop machte, was aber nicht stimmt, da er seine Kosten schon im Heimatland wieder einspielte und weltweit eine Viertelmillion machte.
Dafür bekamen sie den Archetyp des Superheldenfilms zu sehen und vielleicht die beste Comicverfilmung, die auf keinem Comic beruht. Falls sie es bemerkt haben. (9/10)