Review

Eine Unwetterwarnung, raues Klima und die ersten Vorboten eines heraufziehenden Sturmes bestimmen den Eindruck der Eröffnungsszenerie. Ebenso von vornherein und im Fahrtwasser von Nightfall (2012) und Cold War (2012) als Renaissance zu den Wurzeln des militanten Cops VS Robbers Genre angekündigt, gelingt dem folgenden Firestorm in schierem Ausmaß tatsächlich auch die Wiederauferstehung voll Inbrunst, Zerstörung und Wut; ein zügelloser, überschwänglicher, (pyro)technischer Actionthriller mit längst verschollener geglaubter Energie, der keine Umwege macht und keine Atempausen zulässt. Ist die Besetzung fest in der Gattung verwurzelt und die Produktion ebenso überaus sicher gesetzt, so überrascht von Beginn weg an der Eifer aller Beteiligten und die unmittelbaren Bedürfnisse an Tempo und Annihilation. Ständig in Bewegung, ständig nur wenige Sekunden zu spät wird die Hetzjagd und der Feldzug zwischen Kriminellen und den Gesetzeshütern auf den engen Strassen Hong Kongs und dies entschlossen bis hin zum apokalyptischen Finale erzählt. Einschüsse prallen dicht gedrängt in Schutzwällen, Umwelt und Menschenleiber ein, Autoteile und Ziegelbrocken fliegen herum. Der Katastrophenalarm wird ausgelöst. Eine Stadt in Belagerung und Ausnahmezustand:

Frisch aus dem Gefängnis entlassen, schließt sich To Shing-bong [ Gordon Lam ] trotz guten Zuredens seiner Freundin Law Yin-bing [ Yao Chen ] der Bande von Cao Nan [ Hu Jun ] und somit den Mitgenossen Jackal [ Michael Tong ], Gao Fei [ Terence Yin ] und Dik-wia [ Sammy Hung ] und ihren schwerbewaffneten Raubzügen an. Schnell gerät der Ex-Sträfling damit auch in das Visier von Inspector Lui Ming-chit [ Andy Lau ], der ihn auch seit frühester Schulzeit kennt, vergebens die Tätigkeit als Spitzel anbietet und stattdessen den Kleinkriminellen Tong Keung [ Patrick Keung ] in die trotz mehrerer bleihaltiger Scharmützel wie unverwundbar scheinenden Diebesbande einzuschleusen versucht. Da Chief Superintendant Choi [ Michael Wong ] endlich erfolgversprechende Ergebnisse einfordert, und die anderen Kollegen wie Sergeant Chiu [ Kenny Wong ] und Sergeant Szeto [ Vincent Sze ] bereits am Rande ihrer Kräfte sind, greift der gleichsam verzweifelte Insp. Lui zu nunmehr illegalen Methoden. Allerdings bekommt auch Cao Nan durch den noch brutaler vorgehenden Paco [ Ray Lui ] seine Konkurrenz auf dem bisher ertragreichen Geschäft.

"You know i often visit the morgue to see the bodies. They speak to me. They are not supposed to die."

Wo die 'Vorgänger' sich in Theorie und Gespräch, in Überlegungen und Katz-und-Mausduellen als bessere Trockenübung inszenierten, wird hier sofort und unablässig der direkte Kampf um Leben und Tod gewählt. Ein full-time job, der ruhige Minute, keine Freundschaften, keine Beziehungen, keine Zukunft, sondern nur die unmittelbare Gegenwart und den Feind um die nächste Ecke, mit der Waffe schon im Anschlag erlaubt. Charakterisierungen ergeben sich aus verzweifelten, in knappen Worten ausgedrückten Emotionen und ansonsten nur aus den Momenten der Bewegungen, dem Retten des eigenen Lebens vor dem nächsten Treffer und dem präsenten Kugelhagel heraus. Figuren scheinen erst nur aus den Konventionen da, erfüllen auch zumeist nur ihre jeweilige Funktion, machen aber die entscheidenden Wandlungen aus der Not des sich immer enger Zuspitzens heraus. Die geschlossene Anspannung im konfliktgetriebenen und waffengangartigen Straßenschauplatz übernimmt jede Ahnung und Alles an Ideen; eine wie blind(wütig) scheinende, springteufelartige, hochgezüchtete Zerstörungswut, die nahe und zuweilen auch über der Linie der Übertreibung, auch samt SFX Bombardement, aber immer aus tiefen Herzen, fast wie als eine Art Best of in schwerer Montur gewollt ist. Eine großangelegte Vernichtungs- und Tötungsmaschinerie in heftiger Artillerie; gerade gen Ende auch ein wenig absurd, da immer fatalistisch wie im Vorhof der Hölle formuliert.

Verantwortlich für das dramaturgisch gefesselte, mit mehrerlei Standard- und Pattsituationen aufgezogene Drehbuch und seine Verfilmung unter erschwerten Drehbedingungen ist gleichermaßen Alan Yuen. Kein kompletter Neuling hinter der Kamera, aber ein weitgehend unbeschriebenes, oft als Zulieferer und Mitarbeiter von Benny Chan nur bekanntes Blatt.
Yuen, der sich durch diese Ideenanreichung von Heroic Duo (2003) über New Police Story (2004) bis zu Connected (2008) mit den Vorgaben des Genres bestens auskennt, erwält hierbei das High-End-Angebot, indem der Findungsprozess der Charaktere weitgehend ausbleibt und sich nur noch um die jeweils sofortige, dadurch oft auch übersteigerte Wirkung gekümmert wird. Analog zu den Kürzungen um das 'Überflüssige' wie die Familien- und Hintergrundgeschichte des leitenden Polizisten der Task Force wird auch die Regie gehandhabt, was mangels eines vorbereitendes Aufbaus auf der Dauer von etwas über 100min auch fast ein wenig zuviel an Hektik, Druck und Atemlosigkeit, immer eine Schippe mehr drauf an Observation, Verfolgung, Kampfszenarien in explodierenden Wohnblöcken, herabstürzenden Balustraden, zwischen detonierenden Autos und Bussen und die Mauern und Treppen zerspaltenden Schusswechsel legt. Trotz dessen die Tonlage zumeist kakophonisch ist, wird dabei allerdings immer der Überblick, die kaltblütige Übersicht gehalten und nicht die Gründlichkeit der Aufnahmen selber durch die Schnelligkeit des Geschehens aufgelöst. Das terroristische Getöse der Aufräumarbeiten mit Raketenwerfer, Panzerfaust und mörderischen Druckwellen findet in den Bildern und so sicht- und nachvollziehbar bar und nicht durch Schnitt und Kamera künstlich hervorgerufen statt.

Motivationen des long arm of the law - Geschehens sind in einer kleinen Handvoll an beizeiten abgehandelten Einzelheiten formuliert, zählen tun vielmehr die Verlockungen des schnellen Geldes und das berufsbedingte Eingreifen der mit Hass und Frust und Süchten geplagten Truppe der Polizei. Eine (über-)ernste Angelegenheit, in der der einstmals gewählte Beruf längst seine Bewandtnis verloren hat und zu einer zutiefst persönlichen Berufung mit dem Verlust der sonstigen Existenz geworden ist. Minimalismus in der Materie, der maximale Effekt in all seiner Effizienz in den kalten Bildern einer Metropole in der Wandlung hin zum Overkill-Krieg. Zivilisten werden schon eingangs nicht verschont, bald auch Kinder in die Schusslinie genommen oder mutwillig aus dem Hochhausfenster bugsiert. Was die Aggressionen aller Teilnehmer nur noch mehr schürt statt sie katalysiert.

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