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Am 17. Januar 2014 feierte das Kriminaldrama von Regiedebütant John Slattery Premiere auf dem Sundance Film Festival, knapp zwei Wochen später wurde Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman tot aufgefunden. Unter solchen Umständen entsteht natürlich ein gewisser Zwiespalt, denn ohne Hoffman hätte der Streifen, trotz großartig aufspielenden Ensembles, wahrscheinlich keine allzu große Aufmerksamkeit erlangt.

Philadelphia, im titelgebenden Arbeiterviertel Ende der Siebziger: Gauner Mickey (Hoffman) hält sich mit Mühe über Wasser, als sein Stiefsohn Leon auf dem Bau ums Leben kommt. Während die Polizei von einem Unfall ausgeht, will Leons Mutter (Christina Hendricks) die genauen Umstände aufgeklärt wissen und wendet sich an einen Kolumnisten (Richard Jenkins), welcher wiederum ganz andere Ziele verfolgt...

Es riecht alles ein wenig nach Scorsese, was Slattery mit seinem Regieeinstand auf die Bühne gestellt hat, doch leider wirkt seine Erzählweise mit stets wechselndem Fokus ein wenig unausgegoren. Als reiner Krimi ist der Stoff völlig unterentwickelt, da dem Zuschauer die Todesumstände Leons sogleich klar werden und sämtliche Nachforschungen im Sande verlaufen. Wesentlich interessanter ist Mickeys Figur. Er ist ein Pechvogel auf absteigendem Ast, er trinkt, setzt auf Pferdewetten und verliert somit das Geld, welches eigentlich für die Beisetzung gedacht war, - folgerichtig gerät er von einen Schlamassel in den nächsten, was zuweilen bitterböse Situationskomik und viel Zynismus mit sich bringt.

Ansonsten herrscht kollektive Hoffnungslosigkeit in dem Viertel, in dem sich gescheiterte Existenzen regelmäßig in der Eckkneipe versammeln, krumme Geschäfte abwickeln und ohne sonderliche Perspektive in die Zukunft blicken, wie Kolumnist Richard es gleich zu Beginn treffend auf den Punkt bringt. Innerhalb dieser trist anmutenden Lethargie wirkt ein plötzlicher Gewaltausbruch umso überraschender, zumal er teils von Figuren ausgeübt wird, von denen man es am wenigsten erwartet.

Dennoch geht es weitaus weniger spannend zur Sache, als die Prämisse zunächst vermuten lassen mag, da einige Figuren viel zu wenig Background erfahren, wie etwa Leon, mit dessen Tod die Kette eigentlich erst in Gang gesetzt wird. Auch werden einige Nebenhandlungsstränge zu oberflächlich gestreift, so dass im Verlauf der Eindruck entsteht, es handele sich um Fragmente einer Milieustudie, jedoch nicht um eine Geschichte mit Pointe.

Die großartige Besetzung kaschiert jedoch so manche Schwachstelle der Story. Hoffmans stets präsentes Spiel steht zwar im Mittelpunkt des Geschehens und ist für einige schwarzhumorige Einlagen verantwortlich, doch nuancierter performt Richard Jenkins als versoffener Journalist, der seinen ausbleibenden Schaffensdrang anderweitig zu kompensieren versucht. Hendricks agiert zwar okay, doch gegenüber weiteren Größen wie John Turturro oder Eddie Marsan bleibt sie eher blass.

Am Ende unterhält der Stoff aufgrund einiger interessanter Charaktere, makaberer Einlagen und skurriler Momentaufnahmen ganz ordentlich, doch etwas mehr Zeit hätte sich Slattery mit seinem Debüt an einigen Stellen durchaus lassen können. Krimifreunde werden mehr schlecht als recht bedient, wer jedoch ein Faible für düstere Sozialstudien in Gaunerkreisen übrig hat, könnte einen Blick riskieren.
6,5 von 10

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