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"Dr. Blake wouldn't be on TV if he wasn't good!", stellt die besorgte Mutter des verhaltensauffälligen Schülers Jim Majelewski (Tom Bresnahan) - so eine Art Bart Simpson in High School, nur in intelligent - überzeugt fest. Vor ebenjenem Dr. Blake (diabolisch: David Gale, Herbert Wests Widersacher in Re-Animator) muß der uneinsichtige Schlingel nämlich aufsalutieren, ansonsten fliegt er von der Schule. Widerwillig begibt sich der junge Bursche in Behandlung und erkennt rasch, daß sein Besuch einem Stich ins Wespennest gleichkommt. Dr. Blake mag zwar mit dem Slogan "Independent Thinking" werben, sein Handeln erfolgt aber im krassen Gegensatz dazu, versucht er doch mit Hilfe des außerirdischen Riesenhirns im Nebenraum, den Versuchspersonen eine Gehirnwäsche zu verpassen und ihnen seinen Willen aufzuzwingen. Bei Jim schlägt die Prozedur jedoch fehl, er entkommt aus dem Psychological Research Institute und muß sich erst mal mit schrecklichen Halluzinationen herumschlagen. Verstört sucht er Hilfe bei seiner Freundin Janet (Cynthia Preston), doch auch sie kann nicht verhindern, daß man ihn zu Dr. Blake zurückschleppt. Zusammen mit Jims besten Freund Willie (Bret Pearson) sieht Janet im Institut nach dem Rechten...

Mit dem simpel aber treffend betitelten The Brain gelingt Drehbuchautor Barry Pearson und Regisseur Ed Hunt (Bloody Birthday) eine Art zeitgemäßes Update der beliebten Monsterschinken aus den Fünfziger-Jahren. Man denke nur an The Brain from Planet Arous und Fiend Without a Face (eine tolle Szene aus The Brain erinnert frappant an diesen kultigen Streifen), wo ebenfalls bösartige Hirnkreaturen ihr Unwesen trieben. Interessanterweise sind die Creature-F/X kaum besser als anno dazumal, was wohl auf das äußerst knapp bemessene Budget zurückzuführen ist (für die Effekte standen ca. fünfzigtausend Dollar zur Verfügung; für den gesamten Film etwa $ 750.000). Überzeugender sind da schon die handvoll Gore-Effekte, die klarmachen, daß wir uns in den zeigefreudigeren Achtzigern befinden. Das hungrige Hirn kaut an einem Kopf, ein Unglücklicher wird mit einer Axt enthauptet, und etwas Kettensägenaction wird ebenfalls geboten. Alles wenig spektakulär und - aus heutiger Sicht - sehr zahm und zurückhaltend, aber doch recht nett.

Ed Hunt drückt von Beginn weg ordentlich aufs Tempo, läßt kaum Langeweile aufkommen, und etwaige kleine Durchhänger werden schnell und zielstrebig überbrückt. Die den Film eröffnende Halluzinationssequenz, die zu Mord und Selbstmord führt, erinnert etwas an die A Nightmare on Elm Street-Reihe, aber sobald das titelgebende Gehirn auf der Bildfläche erscheint ist klar, daß es sich hier glücklicherweise um keinen billigen Abklatsch der Erfolgsserie handelt. Wie bei seinen Vorbildern aus den 1950ern wird auch hier das hanebüchene Geschehen recht ernst präsentiert (nicht verbissen ernst, aber auch nicht mit allzu offensichtlichem Augenzwinkern), wobei der eine oder andere zynische Spruch das Geschehen zusätzlich auflockert. So meint Dr. Blake z. B., nachdem seine hübsche Assistentin vom Hirn gefressen wurde, trocken: "That's food for thought!"

Das große Ziel des außerirdischen Hirnwesens ist natürlich, wie könnte es auch anders sein, die Unterwerfung der Menschheit. Mittels Dr. Blakes TV-Sendung plant es, Kontrolle über die ahnungslosen Zuschauer zu erlangen, um sie anschließend wie Marionetten zu steuern. Ein perfider Plan, den Jim natürlich mit allen Mitteln zu vereiteln gedenkt. Das monströse Gehirn ist eine coole, hauptsächlich aus Schaumgummi, Polyschaum und jeder Menge Latex hergestellte Puppe, die in verschiedenen Stadien daherkommt. Erst ist es ein "gewöhnliches" Hirn, wenn auch im XXL-Format, doch mit jedem Menschen, den es sich einverleibt, wächst es. Und... es bekommt ein Gesicht! Augen, Mund, Nase, Zähne, tentakelartige Zunge... das Ding sieht verdammt fies aus! Da es am Ende zu schwer war, um es herumzutragen, hievte man es kurzerhand auf einen Dolly und schob es durch die Gegend. Man muß sich nur zu helfen wissen.

The Brain
ist ein schönes, flottes und sehr charmantes B-Movie, das auf schlockige Weise gut unterhält und mit einer der schrägsten Monsterkreationen der 1980er punktet. Die sympathische Besetzung, die ordentliche Musikuntermalung und die hin und wieder sogar mitreißende Regie runden diesen netten, in Kanada gedrehten Streifen perfekt ab. The Brain ist Ed Hunts letzter Film. Schön, daß seine Karriere mit diesem memorablen Monster-Movie zu Ende ging.

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