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Jamie Marks ist tot und der geneigte Horrorfilmfreund hätte natürlich gerne herausgefunden, warum dies so ist und wie es dazu kommen konnte. Regisseur und Autor Carter Smith ist daran jedoch weniger interessiert und schildert stattdessen eine Coming-of-Age-Geschichte mit homoerotischen Andeutungen, bei denen sich Harry-Potter-Fans die Hände oder sonst was reiben dürften.

Die fünfzehnjährige Gracie (Morgan Saylor) findet anstatt einen schönen Steins für ihre Sammlung die halbnackte Leiche ihres Mitschülers und Außenseiters Jamie (Noah Silver) am Fluss. Während Gracie eine kleine Liaison mit dem gleichaltrigen Adam (Cameron Monaghan) beginnt, erscheint beiden der Geist von Jamie, bis sich ein weiterer, nicht so netter Geist hinzu gesellt...

Mal ernsthaft: Da befindet sich der vor sich hin pubertierende Adam in Gracies Gemach, welche soeben Mund anlegen wollte, nachdem sie die Beschaffenheit seines Eumels lobte und der hat nichts anderes zu tun, als sich mutwillig vom bleichen Geist des Titelgebenden unterbrechen zu lassen. Jener sieht ein wenig aus wie Radcliffe in seiner Paraderolle, nur in bleich und ohne erwähnenswerten Gesichtsausdruck. Der schwule Geist mischt letztlich zwei Teens in deren Mikrokosmos auf, doch mehr ereignet sich eigentlich nicht.

Die Nebenhandlung mit Adams Mutter (Liv Tyler), welche nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselt ist und sich ausgerechnet von der Unfallverursacherin pflegen lässt, wirkt demgegenüber arg konstruiert und dient lediglich dazu, die isolierte Lebenssituation Adams zu untermauern, während Gracie zwar ihre Eltern mal erwähnt, selbige jedoch zu keiner Zeit auftauchen. Auch Jamie ist stets ein Außenseiter gewesen, wurde an der Schule gemobbt und fand nie Gelegenheit, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Allerdings auch nicht als Geist, weshalb sich die geschwätzige Chose langweilig hinzieht.

Denn in Sachen unheimlich und übersinnlich werden kaum nennenswerte Aspekte eingeflochten, mal abgesehen von einer Art Teleporter in Form eines Kleiderschrankes und der Tatsache, dass später ein zweiter Geist in Gestalt der rachsüchtigen Francis mitmischt, woraufhin etwa fünf Minuten Spannung auszumachen sind. Der Rest ist halbgare Gefühlsduselei ohne sonderlichen Tiefgang.

Optisch wird eine in sich stimmige Einheit geliefert, mit tristen, ausgeblichenen Farben und einsamen Lokalitäten, was vom Piano-Score recht treffend untermalt wird. Auch die Mimen performen innerhalb ihrer Zurückhaltung ordentlich, nur die wenigen Dialoge fallen zuweilen ein wenig plump aus.
Immerhin zündet die melancholische bis deprimierende Grundstimmung zuweilen, doch das tröstet kaum über die vorherrschende Einfältigkeit hinweg.

Subtiler Grusel kann ja ganz nett sein, doch der ist leider fast gar nicht auszumachen, während die steten sexuellen Andeutungen auf Dauer eher nerven, als Suspense zu erzeugen.
Am Ende ist man froh, wenn alle Geister irgendwie verschwunden sind, - da hat die liebe Seele Ruh und der Zuschauer darf vom Halbschlaf in die Tiefschlafphase übergehen...
3,5 von 10

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