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"Der Faktor Mensch wird immer präsent sein."

Im Jahr 2028 hat der OmniCorp Konzern seine vollautomatisierten Roboter und Kampfdrohnen welweit im Einsatz. Doch ausgerechnet der Heimatmarkt USA lässt sich für OmniCorp und den Firmenvorsitzenden Raymond Sellars (Michael Keaton) nicht erschließen, da dort der Einsatz von Robotern gesetzlich untersagt ist. Ihm kommt allerdings die Idee, einen Menschen mit der Technologie zu verbinden und somit der Bevölkerung einen Roboter mit Gesicht zu bieten.
Als der Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) gegen einen Waffenhändler ermittelt, wühlt er ein Komplott im Detroiter Police Department auf und wird so zur Zielscheibe. Vor den Augen seiner Familie erliegt er einem Anschlag durch eine Autobombe. Der stark verbrannte Körper kann jedoch zu einem Teil gerettet werden und eignet sich optimal für die Absichten von Sellars. Er setzt Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) an Murphy mittels einer kybernetischen Umwandlung zu retten und fortan als Prototyp einer neuen Produktreihe als Polizeiersatz zu etablieren. Der daraus resultierende RoboCop kann sich durch seine menschlichen Eigenschaften aber zunächst nicht mit seinen vollständig automatisierten Kollegen messen.

Nach dem stark kritisierten Remake zu "Total Recall", wollte kein Film-Fan ein weiteres hingeschnoddertes Remake eines Kultklassikers des Niederländers Paul Verhoeven ("Starship Troopers", "Black Book"). So wurde bereits zu Produktionszeit von der neuen "RoboCop"-Variante das Konzept und Design des titelgebenden Protagonisten verspottet. Als dann auch noch klar wurde, dass man für eine lukrativere, niedrigere Freigabe auf die einstige brutale Inszenierung verzichten würde, war es endgültig vorbei mit der Toleranz. Ganz so schlimm ist der neue "RoboCop" aber nicht geworden. Zwar scheitert die Action kläglichst, aber die erste Hälfte kann Dank einer sehr eigenständigen Kritik der profitorientierten Gesellschaft und philosophischem Kontext überzeugen.

Die erste Stunde beschäftigt sich mit dem Aufbau einer Ausgangssituation. Der Protagonist wird dabei nur grob umrandet und dessen soziale Verhältnisse oberflächlich erzählt. Daher lässt das Schicksal der Familie des Protagonisten den Zuschauer eher kalt.
Erheblich besser geht "RoboCop" mit seinen Themen um die eigene Existenz, freien Willen und Menschlichkeit um. Hierbei bleiben die Bilder zwar recht nah am Originalfilm, erzählerisch geht das Remake aber ganz andere Wege.

Eine unverkennbare Note bekommt der Science-Fiction Film durch die Beziehung von Mensch und Maschine, in hierigem Fall Dr. Norton und RoboCop. Eine beeindruckende Sequenz eröffnet das Verbliebene an physischem Mensch des Protagonisten und hinterlässt mit der Bitte um Euthanasie Fragen nach dem restlichen Menschsein in einem maschinellen Körper, sowie der Wertigkeit eines Menschen. Denn RoboCop wird nicht aus Gründen humaner Dankbarkeit am Leben erhalten, sondern einzig aus komerziellen Gründen. Hier beschreitet der Film sehr dehnbaren Diskussionsstoff, mit dem sich das Original nicht befasst hat.

Als Antrieb für die Diskussion zu moralischen Fragen wurde die Figur Pat Novak (Samuel L. Jackson) integriert. Ein fiktiver Moderator mit eigener Show, der als übertriebener Fanatiker und Patriot in Szene gesetzt wird. Der Film wird durch das Schalten in das Studio von Novak immer wieder unterbrochen. Das ist zwar so gewollt, nervt aber auch sehr schnell an. Die Szenen mit Novak wurden zu sehr in die Länge gezogen und zu einseitig gestaltet. Das macht den Charakter noch unsympathischer, als er ohnehin schon ist.

Während im Originalfim der Protagonist sein Bewusstsein und seine Erinnerung erst wiedererlangen musste, verkehrt das Remake umgekehrt. Der Mensch in der Maschine wird zum seelenlosen Roboter, wodurch nach einer Stunde Laufzeit auch ein erzählerischer Bruch vollzogen wird.
Die Handlung entfernt sich von den Figuren und zielt mehr auf Spannungsaufbau. Wer dabei auf mehr und vor allem auf souveräne Actionszenen hofft, wird enttäuscht werden. Nicht nur blendet der Film die scheinbar kurze Laufbahn von RoboCop komplett aus, die gebotene Action erweist sich dann auch noch als überaus mäßig. Die moderne, poppige Inszenierung schlägt sich auf die musikalische als auch auf die optische Ebene wieder. Plötzlich wird aus dem klobigen Protagonisten eine agile Kampfmaschine. Dies gibt optisch zwar einiges her, die Logik geht dabei allerdings flöten. Und auch das glatt polierte Finale überzeugt genausowenig wie die erwartete, blutleere Präsentation.

Die Darsteller sind gut, werden allerdings nicht alle zweckgebunden eingesetzt. Joel Kinnaman ("Darkest Hour") kann überwiegend überzeugen. Besser machen es ihm aber die gestandenen Schauspieler Michael Keaton ("Batman"-Reihe) sowie Gary Oldman ("Harry Potter"-Reihe, "Air Force One") vor.
In die Nische fallen Abbie Cornish ("Sucker Punch"), Jay Baruchel ("Duell der Magier"), Jackie Earle Haley ("Watchmen - Die Wächter") und Samuel L. Jackson ("Django Unchained", "Marvel's The Avengers"), die durch undankbare Rollen oder wenig Sichtbarkeit kaum gefordert werden.

Das Remake "RoboCop" zeigt ein paar gute Ansätze, die in Verhoeven's Film keine Rolle spielten. Vor allem in der ersten Hälfte ist der Science-Fiction Film überraschend tiefsinnig. Auch die Effekte sehen spektakulär aus. Dennoch schafft es der Film nicht aus dem Mittelmaß heraus. Die nervige politische Plakativität, Actionszenen in Form eines Computerspiels und der Verlust an Inhalt in der zweiten Hälfte machen den vorherigen Unterhaltungswert zunichte. Manche Dinge sollte man einfach nicht modernisieren.

5 / 10

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