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"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...Alle Ängste, alle Sorgen...sagt man...blieben darunter verborgen..."

sang einst Liedermacher Reinhard Mey - doch umgemünzt auf Jaume Collet-Serras Paranoia-Thriller "Non-Stop" bedeutet das für Air Marshal Bill Marks leider, dass in 12 000 Metern Höhe niemand sicher ist und der Phantasie der Drehbuchautoren keinerlei Grenzen gesetzt sind, wenn es darum geht, aus den traumatischen Ereignissen um die 9/11-Attentate einen Thriller zu inszenieren, der sein Potential aus der brisanten Möglichkeit schöpft, ein Flugzeug erneut als Waffe für einen terroristischen Anschlag zu missbrauchen.

Mit "Non-Stop" meldet sich ein alter Hase im Actionfilm-Genre zurück: Produzent Joel Silver ("Lethal Weapon 1 - 4") liefert nach dem 1996er "Einsame Entscheidung", dem fiktiven Pre-9/11-Actioner, der vier Jahre später traurige Realität werden sollte, erneut einen dramatischen Hijacking-Thriller ab, der exakt vor diesem Hintergrund mit den Ängsten des Zuschauers spielt - vor allem weil das dargestellte Szenario, trotz aller Unwahrscheinlichkeiten und Unglaubwürdigkeiten, gar nicht so abwegig erscheint und die Bedrohung für jedermann nachvollziehbar ist.
Charakterdarsteller Liam Neeson beweist nach "96 Hours" und dem Verschwörungs-Thriller "Unknown Identity" erneut seine Wandlungsfähigkeit und liefert als gebrochener Held erneut eine solide Leistung ab. Marks, nach dem Krebstod seiner Tochter ein alkoholkranker, selbstzerstörerischer und lebensmüder Mann, wird zum Spielball innerhalb eines perfiden Erpressungsplans während eines Transkontinentalflugs. Ist der sichtlich angeschlagene, labile Marks nur Opfer seiner Sinne, spielt ihm jemand einen Streich oder ist die Bedrohung durch einen anonymen Erpresser, der mit ihm über einen Messenger kommuniziert, eine geschickt eingefädelte Geiselnahme oder ein terroristischer Akt? Als nach einem ersten Ultimatum der Pilot der Maschine mit Vergiftungserscheinungen tot zusammen bricht ist zumindest eins klar: Die Bedrohung ist real - aber: ist Marks Täter oder doch nur Opfer eines genialen Gegenspielers?
Für seine Vorgesetzten, den Co-Piloten und die Passagiere wirkt sein Verhalten immer suspekter und paranoider, und während Marks zu alter Form wiederfindet und versucht, das Flugzeug vor einer Katastrophe zu bewahren, nehmen Panik und Spannungen unter den Passagieren bedrohliche Ausmaße an...

Mit Collet-Serra im Gepäck, dem Regisseur von "Unknown Identity", bleibt Neeson seiner Linie treu und liefert erneut einen nervenaufreibenden Thriller ab, bei dem auf dem ersten Blick nichts so ist, wie es scheint. Dabei werden nicht nur geschickt Zweifel bezüglich Marks Rolle in das Geschehen eingebaut, sondern auch jede Menge der üblichen Verdächtigen - nur um im hochdramatischen und actionreichen Finale den unwahrscheinlichsten als Mastermind des Verbrechens auszumachen. Das ist durchaus den Gesetzen des Thrillers geschuldet, genauso wie seit "Airport" niemals ein vollbesetztes Flugzeug nach den Regeln des Piloten-Handbuchs zu landen ist.

Für den Zuschauer bedeutet das, dass sich die Investition in "Non-Stop" durchaus lohnt - er bekommt ein 1.Klasse-Ticket für 102 Minuten nonstop Thrill, nonstop Nervenkitzel und nonstop Neeson, der wieder einmal unter Beweis stellt, dass Old School noch immer der beste Weg zu purer Unterhaltung ist.

8/10

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