Review

"Wir sind hier, um unseren Freunden die letzte Ehre zu erweisen. Sie haben mutig gegen die Parasiten der militaristisch-industriellen Welt gekämpft. Wir alle schulden diesen mutigen Kriegern eine Gegenleistung. Wir werden Billy befreien und diese elende Stadt vernichten."

Als Ramrod (Roxanne Rogers), die Anführerin der Punks, obige Ansprache hält, ist bereits viel Wasser den Bach runtergelaufen. Die Fronten sind längst verhärtet, eine friedliche Lösung ist außer Sicht. Und die Hauptschuld am ganzen Schlamassel trägt ein heimtückischer Dr. Pepper-Automat. Der verweigert Billy (Rob Garrison), einem der Punks, nämlich nicht nur das gewählte Erfrischungsgetränk, er besitzt auch noch die Frechheit, die eingeworfenen Münzen nicht zu retournieren. Kein Wunder, daß Billy da komplett ausrastet und sich erst beruhigt, als er in den Lauf einer Schrotflinte starrt, welche ihm der Besitzer der Tankstelle (Raymond Fusci) vor die Fresse hält. Billy zieht den Schwanz ein und haut ab, aber er ist nachtragend. Zusammen mit seinen Gefährten (ein knappes Dutzend Männer bzw. Frauen stark) kehrt er zurück und mischt den Laden auf. Die Bilanz: Ein Toter (der Tankstellenbesitzer), ein traumatisierter Teenager (seine Tochter (Karen Renee)), sowie ein Verletzter (Billy, der bei seiner überstürzten Flucht mit dem Wagen von Deputy Steve Reed (Stephen Fiachi) kollidiert ist). Den Rest kann man sich in etwa denken. Ramrod und ihre Gang wollen Billy befreien, Lisa (Sandra Bogan), die ältere Tochter des Ermordeten, will Rache, und als nichts davon gelingt, stürzen sich auch noch die Vertreter von Recht und Ordnung des kalifornischen Kaffs, in dem sich das Drama abspielt, mit blindem Eifer ins Gefecht.

Was in geschriebener Form recht launig klingen mag, entpuppt sich in der Realität leider als lahmes Ärgernis. Regisseur Stanley Lewis schien keinen blassen Schimmer zu haben, was sein Film eigentlich sein sollte. Thriller? Drama? Exploitation? Komödie? In Punk Vacation finden sich Elemente all dieser Genrerichtungen, und sie stoßen einander ab wie gleichpolige Magnete. Man stelle sich eine vierköpfige Boygroup vor, in der jeder sein eigenes Ding durchzieht, ohne Rücksicht auf die anderen. Das Ergebnis mag im besten Falle unterhaltsam sein, aber gut ist es ganz bestimmt nicht. Hinzu kommt, daß das von Lance Smith und Harvey Richelson verfaßte Skript völlig wirr ist. Der Plot mäandert unfokussiert durch die Botanik und steuert einem antiklimaktischen Ende entgegen, das wirkt, als hätten alle Beteiligte bereits lange vorher die Lust am Projekt verloren. Es hat schon seinen Grund, weshalb Punk Vacation Stanley Lewis' einzige Regiearbeit geblieben ist. Lewis hat nicht nur kein Gespür für Atmosphäre, für Spannung, für Action und für Dramaturgie; er scheint mit diesen Begriffen regelrecht auf Kriegsfuß zu stehen. Punk Vacation fühlt sich an, als hätte jemand unbedingt einen Film machen wollen, dem jegliches Talent dafür fehlt. Und als er diesen Umstand endlich bemerkt hat (oder es ihm von anderer Seite zugeflüstert wurde), hat er das Interesse verloren und den Film lustlos und mehr schlecht als recht beendet.

Einen gewissen Unterhaltungswert will ich diesem zurecht kaum bekannten Streifen nicht absprechen, obwohl er überwiegend eine äußerst zähe und langweilige Angelegenheit ist. Für ein paar Lacher ist der 1987 entstandene aber erst 1990 veröffentlichte Punk Vacation allerdings zweifellos gut, auch wenn diese mitunter von der schadenfrohen Sorte sind. Man nehme nur mal die Antagonisten. Rein äußerlich kann man die bunte Meute mit ihren schrillen Frisuren, ihrer extravaganten Schminke und ihren schicken Klamotten noch als Punks durchgehen lassen, aber innen drin sind sie ganz gewöhnliche, spießbürgerliche Normalos, die jede Menge alberne Dinge tun (Blumen pflücken, Mundharmonika spielen, mit Holzstäben fechten, um eine Gefangene herumtanzen, etc.), um die Zeit totzuschlagen. Die "Helden" stehen dem in Nichts nach, wobei Lisa ein Fall für sich ist. Die hat bestimmt einen unsichtbaren Zwilling neben sich stehen, weil eine alleine kann unmöglich so blöd sein. Ganz graziös ist übrigens ihre Schußtechnik. Wenn sie abdrückt, ruckt sie mit ihrer Hand nach vorne, wahrscheinlich, um die den Pistolenlauf verlassende Kugel noch weiter zu beschleunigen. Das ganze Dilemma des Streifens offenbart sich dann in einer Sequenz, in der drei Männer mit Gewehren einen kleinen Graben auf einem Rohr zu überqueren versuchen. Ein ebenfalls bewaffneter Punk sieht ihnen eine Weile geduldig von der anderen Seite aus zu und stellt sich ihnen dann schließlich in den Weg.

Anstatt jedoch zu schießen, stupst der Punk den ersten der Männer mit dem Gewehrlauf so lange an, bis er das Gleichgewicht verliert. Seine Kumpel machen es ihm nach, rudern wild mit den Armen und stürzen in den Graben. Was für ein Spaß! Aber es wird noch "besser". Die Beine des Anführers gleiten rechts und links vom Rohr, woraufhin seine für die Fortpflanzung relevanten Teile schmerzhafte Bekanntschaft mit dem harten Rohr schließen. Danach kippt er zur Seite und fällt zu Boden. Diese Szene zählt zum "Lustigsten", was der Film zu bieten hat. Tragisch ist nur, daß dieser spontane Humoreinschub überhaupt nicht ins Gesamtbild dieser Sequenz paßt und daß er beide Parteien einmal mehr zu geistig minderbemittelten Witzfiguren degradiert. Diese schizophrene Tonart durchzieht einen großen Teil des Filmes. Immer wenn man denkt, jetzt könnte es spannend werden oder jetzt kommt der Flick endlich in die Gänge, wird man im Nu auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Daß die Schauspieler allesamt nicht die hellsten Sterne am Firmament sind, daß es den wenigen Actionmomenten komplett an Druck und Dynamik fehlt, und daß es auch im technischen Bereich einiges zu bemängeln gibt (der unmotivierte Schnitt wurde offenbar von einem Amateur oder einem Betrunkenen gesetzt), spielt da schon kaum eine Rolle mehr. Nein, Punk Vacation ist leider Murks. Langweiliger, uninteressanter Murks.

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