Ganz ehrlich: Ich mag die ersten beiden Teile der "Paranormal Activity"-Reihe, doch beim dritten machten sich erste ranzlige Abnutzungserscheinungen breit. Mit irgendwelchen Versuchen probierte man, an die Stories der Vorgänger anzuknüpfen aber meine Fresse: "P.A." ist nicht "Saw". Zumindest kann ich für mich labern, dass es für mich jedes Jahr ein Fest war, einen weiteren "Saw"-Teil im Kino zu sichten. Doch kurz davor kamen noch einmal ein, zwei Gedächtnistage, in denen ich mir die anderen Teile wieder reinzog. Jedes Jahr auf´s Neue, damit die immer komplexer werdende Story komplett nachvollzogen werden kann.
Dies kann ich bei den paranormalen Aktivitäten nicht behaupten. Das sind Filme, die schaut man sich einmal an und sie sind es einfach nicht wert zur Auffrischung wieder angeschaut zu werden.
Darin besteht mein Hauptproblem beim neusten Latino-Spin-off "Die Gezeichneten". Man probiert tatsächlich nach vier Teilen und einem japanischen Spin-off Handlungsfäden zusammenzuspinnen, was ja die Definition ad absurdum führt, da ein Spin-off ein aus dem Film ausgelagertes Werk ist, das nicht wirklich etwas mit den anderen Teilen der Filmreihe zu tun haben sollte. Aber was soll es. Scheiß drauf. Es merkt sowieso keiner. Kurz: Ich hab es auch nicht gemerkt, dass hier Darsteller Gastauftritte aus den vorangegangenen Teilen haben, bzw. zumindest angerissen werden.
Was alle Teile bis jetzt gemeinsam hatten, waren die fest justierten Kameras, die zumindest bei den ersten langweiligen 7/8 des jeweiligen Films für die Augen zumutbar waren. Im dritten Teil gab es in diesem Bereich noch eine Steigerung, die "Ventilator-Cam", eigentlich der Punkt, der diesen Film als einziges bereicherte. Doch all dies schmeißt man nun über Bord. Denn "Die Gezeichneten" verzichtet komplett auf feste Kameras. Man darf sich also auf 95 Minuten Gewackele freuen - nicht, dass es der erste Film wäre, der dieses Verbrechen begeht. Aber im Gegensatz zu anderen Filmen wie beispielsweise "The Bay" oder "Atrocious" (bei denen eine gewisse Gänsehaut-Atmosphäre in der Luft lag) kommt hier der typische PA-Verlauf zum Tragen: Es passiert noch weniger als in den Vorgängern, die meisten Schocks kommen durch "menschliche Hand", bis die letzten zehn Minuten die Uschi wieder am rennen ist, dass ich zweifle, ob ich da gerade einen Film schaue oder doch aus zehn Zentimeter Entfernung der Waschmaschine bei ihrer Arbeit zuschaue.
Normal gehe ich in meinen Meinungen ja immer noch etwas auf die Story ein, die sich in dem besprochenen Film abspielt, hier spar ich mir das einfach mal, da ich den Bockmist noch nicht ganz verdaut habe.
Hoffnung ist was Gefährliches, das sagte schon Red in "Die Verurteilten", aber auch den offiziellen fünften Teil, der im Herbst erscheinen wird, werde ich mir später aus der Videothek leihen - eben in der Hoffnung, dass es mal wieder richtig derb kracht. Aber ins Kino bekommt mich dafür selbst mein Zivi nicht, wenn er mich waschen und anziehen würde und ich in der geschenkten VIP-Loge von Dirty Tracy den ganzen Film über einen gekaut bekommen würde.
"Paranormal Activity - Die Gezeichneten" dürfte was für Leute sein, die bis zum letzten Hirnwinkel noch alle anderen Teile haben, da wahrscheinlich der für mich nicht erkennbare Twist am Schluss wohl zumindest eine kleine Bereicherung darstellen könnte. Oder eben für die Leute, die sich auch noch über Teil 3, 4 und Tokyo Night gefreut haben. Oder für Leute mit Adleraugen, die überhaupt noch etwas am Schluss erkennen können. Aber Atmosphäre kam bei mir zu keiner Zeit auf, so laut kann ich meine THX-Anlage nicht aufdrehen und das Zimmer abdunkeln, dass ich auch nur ein einziges mal feucht in der Hose geworden wäre. Von daher
2/10