Review

kurz angerissen*

Dies ist kein Film für Allergiker: Was da an Blütenpollen durch die Luft wirbelt und die Akteure umschmeichelt, da bekommt man schon vom reinen Zusehen Niesanfälle. Manchmal betten sich auch dicke Schneeflocken auf den Königshof nieder oder Nebelschwaden bepelzen den Boden bei einem heimlichen Treffen im Mondschein. Muskeln werden von vorteilhaftem Licht liebkost, Satin und dünne Stoffe streicheln weibliche Haut und verbergen immer gerade genug für eine niedrige Freigabe, ebenso, wie manch potenzielle Gewaltsequenz durch einen peinlich berührten Kameraschnitt umgangen wird.

Hübsche Deko ist also alles in Renny Harlins "300"- und "Spartacus"-Imitation. Mit offenbar mehr Budget als zuletzt gewohnt, gelingt es ihm tatsächlich, Zeitlupen, Beleuchtung und Ausstattung noch selbstzweckhafter in Szene zu setzen als die Vorlagen es bereits pflegten. Ein blütenweißes Gewand und Kellan Lutz' Gebiß ergeben eine unzertrennliche Einheit auf dem Weg an die Macht, den Harlin episodenweise mit Stolpersteinen zupflastert, die mit allerhand trashigen Effekten realisiert werden - begonnen bei einem Nemëischen Löwen, so bizarr computeranimiert, als sei ein verknautschtes Steiff-Tier zum Leben erweckt worden. Fortgeführt mit Arenakämpfen, an denen natürlich auch Serien-Spartacus Liam McIntyre als Verbündeter Hercules' teilnehmen darf, bis hin zur endgültigen Herausforderung des Königs, den Scott Adkins als Einziger mit so etwas wie physischer Präsenz beschenkt, eine Disziplin, die ausgerechnet Lutz' Hercules verwehrt bleibt.

Reichlich doof ist das Ergebnis dann auch insbesondere in den Dialogsequenzen, wenn Zwischenmenschliches unbeholfen ergründet wird, unterhaltsam aber ohne Frage auch, wenn Hercules plötzlich Ketten mit Steinbrocken oder elektrisch aufgeladene Schwerter schwingt. Harlin inszeniert extrem temporeich, wobei Flüchtigkeitsfehler in Massen auftreten und er sich regelmäßig der Lächerlichkeit preisgibt in so ziemlich allen Disziplinen, die das Filmemachen so mit sich führt. Das Konkurrenzprodukt mit Dwayne Johnson in der Hauptrolle wird wohl fraglos in jeglicher Hinsicht professioneller umgesetzt sein, doch in bisheriger Unkenntnis des Films fragt man sich: Wird er auch nur annähernd so unterhaltsam sein?

*weitere Informationen: siehe Profil

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