Review

Gelegentlich glücken noch einige Beiträge im Bereich des gefundenen Filmmaterials, doch nachdem "Paranormal Activity" bereits einige Teile nach sich zog und vorliegendes Werk kaum mehr als eine Variante derer liefert, kommt die Erzählung nicht sonderlich innovativ daher. Immerhin werden dabei die Sehnerven des geneigten Betrachters geschont.

Die Familie Sawyer ist mit ihrem Teen-Nachwuchs nach Robertson County umgezogen, einem ruhig gelegenen Fleckchen in Tennessee. Sohn Brandon hantiert unentwegt mit seiner neuen Handkamera herum und erfährt am Rande von der Legende der Bell Hexe, welche vor rund 200 Jahren genau hier ihr Unwesen getrieben haben soll. Nachdem sich im Haus die ersten unerklärlichen Phänomene ereignen, versucht er den Dingen mit zusätzlich montierten Überwachungskameras auf den Grund zu gehen...

Das erste Drittel ist geprägt von Alltagsgegebenheiten innerhalb der Familie, was leider völlig oberflächlich dargeboten wird: Es wird auf Partys mitgefilmt, Tochter Dana und Freundinnen präsentieren ihre Mode und blättern in einschlägigen Jugendmagazinen, während die Eltern zwar locker drauf sind und minimale Sympathiepunkte einfahren, doch die eigentliche Bedrohung bleibt viel zu lange außen vor.

Erst als es zu unerklärlichen Geräuschen im Keller kommt, Dana zusehends unter Alpträumen leidet und ein Tierkadaver im angrenzenden Wald gefunden wird, nimmt die Geschichte allmählich Fahrt auf. Das Erzähltempo ist bei alledem nicht das Problem, das Ausbleiben kreativer Spukeinlagen schon. Denn sich von selbst schließende Türen oder ein wie von Geisterhand bewegtes Bettlaken gab es bereits effektiver in Schwarzweißfilmen der Vierziger. Und obgleich die rund acht Überwachungskameras im Haus neben kurzen Auftritten eines herbeigerufenen Cops ein wenig Abwechslung verschaffen, zündet das geisterhafte Treiben bis zuletzt nicht so recht.

Den okayen Mimen ist dies nicht anzulasten, dem soliden Schnitt und der tauglichen Kamera auch nicht. Doch wenn beim Finale noch ein Priester zwecks müden Exorzismus auftritt, Protagonisten in einer Passage völlig weggetreten sind, um in der nächsten Szene wieder kuriert zu erscheinen und ein kleiner Soundtrack benötigt wird, um paranormale Einlagen in ihrer Wirkung zu verstärken, zeugt der Gesamteindruck von inspirationslosem Stückwerk ohne Seele.

Der Streifen hat zwar seine vagen Momente, doch der Blutgehalt tendiert gegen Null und nicht zuletzt wirkt er wie ein fader Zusammenschnitt paranormaler Ereignisse der letzten fünf Jahre via Found Footage. Kein dilettantisch anmutender Film, jedoch auch keiner, der Gänsehaut hervorruft.
Knapp
4 von 10

Details
Ähnliche Filme