„Schrift des Todes“ verbindet Jet Lis Martial Arts Künste mit einer Rahmenhandlung der Marke Indiana Jones – und das ganz nett.
Held Dr. Wai (Jet Li) ist ein Schatzsucher, Abenteurer und Archäologe wie sein Vorbild Indy Jones und der Film spielt auch einige Jahrzehnte vor unserer Zeit. In der Eröffnungsszene setzt ein Forscherkollege von Dr. Wai versehentlich eine antike Kampfmaschine in Gang, die erst mal eine gestandene Anzahl von Statisten platt macht, ehe der Held das Biest anhalten kann. Auch wenn Martial Arts Fans etwas enttäuscht sein werden, dass es nix von Jet Lis Kampfsportkünsten zu sehen gibt, so ist dieser Part dennoch nett geraten.
Ähnlich wie Indy Jones braucht auch Dr. Wai ein Artefakt, nach dem er suchen kann und das ist die titelgebende Schrift des Todes, besser gesagt die Schrift ohne Worte, welche dem Träger grenzenlose Macht geben soll (kennen wir das nicht von einer gewissen Bundeslade?). Der waschechte Abenteurer bricht samt Gehilfe auf, um das Artefakt zu suchen, wobei erst mal Spionage in Frauenkleidern auf dem Plan steht. Man sieht bereits, dass „Schrift des Todes“ ähnlich wie das westliche Vorbild (ich weiß, hatten wir schon mehrmals) den Plot mit Humor auflockern will. Dies gelingt recht gut, auch wenn einige Zuschauer bei dem arg klamaukigen HK-Humor wohl Reißaus nehmen werden.
Die Spur führt zu einer Zeitung, deren Chef angeblich einen wichtigen Hinweis auf den Verbleib der Schrift hat. Dr. Wai und sein Gehilfe wollen sich einschleichen und den Hinweis mitnehmen, was aber nicht ganz ohne Gefahren geht. Zum einen sind mehrere andere Parteien ebenfalls hinter dem Artefakt her und zum anderen macht sich der Zeitungsherausgeber mit seinem Blatt nicht gerade beliebt. So kann das Martial Arts Abenteuer dann auch richtig losgehen...
Die Story von „Schrift des Todes“ kann ich nur anhand der deutschen Fassung beurteilen, die nach meinen Angaben um einige Handlungsstränge erleichtert wurde. Das Drehbuch versucht möglichst viele Ideen in die knapp 90 Minuten zu stecken, kann aber die Szenen nicht immer geschickt verbinden, worunter die Spannung etwas leidet. Geschmackssache ist es sicher auch, ob man die vielen Subplots um Liebe, Politik usw. als sinnvolle Erweiterung oder unnötig erachtet.
Für HK-Verhältnisse war das Budget sicherlich hoch, aber neben einem Hollywoodfilm sieht „Schrift des Todes“ etwas billig aus. Dennoch kann man die teilweise etwas durchsichtigen Effekte verzeihen, da das Drehbuch doch mit sehr viel Phantasie gestaltet wurde und recht gut die Waage zwischen Abenteuer, Action, History und Mystery hält. So kommt oft richtiges Indiana Jones Feeling auf, auch wenn sich „Schrift des Todes“ mit seinem (meiner Ansicht nach) zu hoch gewählten Tempo teilweise durch den Film hetzt.
Auch wenn Jet Li hier seine Fähigkeiten zeigen darf, so sollte man keinen Martial Arts Kracher der Marke „Black Mask“ erwarten, denn dafür kämpft Jet nicht genug. Trotzdem sind die Fights schön choreographiert und auch über die gelegentliche Verwendung von Drahtseilen kann man hinwegsehen. Insgesamt sind die Kämpfe auch mehr im unrealistischen Eastern-Stil gehalten und bieten einige exotische Fights (z.B. gegen Sumo-Ringer) anstatt auf wirklichkeitsnahe Martial Arts zu setzen.
Jet Li macht eine gute Figur, auch wenn er (ebenso wie der Rest der Besetzung) nicht gerade eine Oscarreife Leistung erbringt. Allgemein arbeiten die meisten Darsteller in „Schrift des Todes“ mit eher grober Mimik, was natürlich den klamaukigen Humor verstärkt. Aber da dies ein Stigma des fernöstlichen Films ist, kann man auch hier wieder drüber hinwegsehen.
Netter Indy-Klon aus Fernost, der ganz nett unterhält. Für einen Fernsehabend durchaus geeignet, auch wenn Produktion und Drehbuch nicht ohne Schwächen sind.