Review
von Leimbacher-Mario
Meta macht Metzeln meist mega miese Morgendämmerungen
Ist es Remake oder Sequel? Die Wahrheit liegt hier irgendwo dazwischen, obwohl ich eindeutig eher zu einer cleveren Fortsetzung mit doppelten Böden tendiere. "The Town That Dreaded Sundown" (2014) bezieht sich auf sein gleichnamiges "Original", ebenso auf die wahren Morde, spielt in der heutigen Zeit und sieht (z.B. in Sachen Mode) dabei aus wie von damals. Und wer das noch nicht verwirrend (oder reizend) genug findet, für den findet das "American Horror Story"-Produktionsteam hier sicher auch noch genug... Z.B. ein Augenzwinkern in Richtung des Zodiac-Killers aus San Francisco Ende der 60er, der nach Meinung einiger Verschwörungstheoretiker und Real Crime-Spezis dieselbe Person wie unser Trompetenschlitzer sein könnte... Ein Slasher oder Remake von der Stange sieht jedenfalls definitiv anders aus! Der Phantomkiller bzw. ein Nachahmer schlägt 40 Jahre nach der Verfilmung und 70 Jahre nach den realen Morden wieder zu. Wieder in Texarkana, wieder nach sehr ähnlichen Mustern und wieder reagiert das Städtchen sehr verängstigt und manchmal ebenso seltsam...
Die Stadt fürchtet immer noch den Sonnenuntergang und der Killer kann dieses Mal sogar spärlich reden, das Tempo und der Härtegrad werden an heutige Sehgewohnheiten angepasst und es hagelt Insider und Hommagen... Ansonsten ist alles beim Alten. Bis auf einen streitbaren Schlusstwist, der viel Feines und viel Blödes verschmilzt. Die meisten Figuren bleiben zwar blass und auch die saftigen Kills geben streng genommen jetzt nichts her, was man noch nie gesehen hätte. Doch das war beim Original, das vor allem über seine miefige Atmosphäre kam, ebenso. Viel mehr sind es nun die gelungenen Metaebenen und Anspielungen auf die Grenze, die Zerteiltheit der Gemeinde, die Verbindung der Stadt mit den Morden und dessen quasi ins Grundwasser bzw. die Ort-DNA gesickerte Erbe, die einen hellhörig machen. Das ist eine willkommene Abwechslung im abgewetzten Remake-Zirkus und in Verbindung mit seinem Vorgänger und der Realität, deren Grausamkeit kein Film je einfangen können wird, werden die zwei "The Town That Dreaded Sundown" 's zu lohnenswerten Abstechern für jeden Slasher-Enthusiasten. Selbst wenn Wes Craven das schon viel früher noch besser gemacht hat. Nur basierte "Scream" eben nie auf wahren Morden...
Fazit: in Kombi und als Triumvirat mit dem Original aus den 70ern und den realen Morden aus den 40ern, ein überraschender, vielschichtiger Winner. Intelligent, Fan der Materie, anders und für Slasher-Fans mit erweitertem Horizont ein Must-See. Trotz einiger "Scream"-Deja Vus. Besser als man erwartet oder auch wesentlich stärker als die nicht unähnliche erste Staffel von "Slasher". Erst recht als Gesamtpaket mit dem rätselhaften "Mythos Texarkana".