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In einer ländlichen Kleinstadt im Süden der USA gab es ab 1946 einen Serienmörder, der Pärchen an einsamen Orten ermordete und nie gefasst wurde. Seit Jahre später - in den Siebzigern - ein Film darüber gedreht wurde, hat es sich irgendwann eingebürgert, diesen jährlich zur Halloween-Nacht auf einer Großleinwand auf einem Parkplatz zu zeigen. 2013 aber scheint der Mörder von einst wieder auferstanden zu sein, denn ein junges Pärchen, das sich während des Films zu einem romantischen Tête-à-tête auf eine einsame Waldwiese verdrückt, wird von einem ebenso wie in dem Streifen gewandeten Killer angegriffen und niedergemetzelt - das Mädchen Jami (Addison Timlin) allerdings darf entkommen. Offenbar hat der Mörder, ein Nachahmungstäter, etwas Spezielles mit ihr vor...

Für seinen Slasher Warte, bis es dunkel wird hat sich Regisseur Alfonso Gomez-Rejon bei einigen bekannten Vorbildern (wie der Scream-Reihe) bedient und baut auf einem tatsächlich 1976 abgedrehten Horror-Streifen (Der Umleger, von dem einige Ausschnitte zu sehen sind) seine neuzeitliche Version eines Pärchenmörders auf. Dreh- und Angelpunkt bei der Suche nach dem Mörder ist hierbei die junge Jami, die gerne Journalistin werden möchte, als Waise bei ihrer Oma lebt, gerade ihren Freund verloren hat und seitdem unter Polizeischutz steht. Die empfindsam und verletzlich dargestellte Jami hat durch ihre zurückhaltende Art bald die Sympathien der Zuschauer gewonnen und macht sich in Archiven und Bibliotheken auf die Suche nach Spuren und Ermittlungsergebnissen von damals - ein junger Bibliothekar steht ihr bald zur Seite. Als weitere Morde nach demselben Schema verübt werden, bildet die Polizei eine Sonderkommission, kann aber den Mörder weiterhin nicht fassen. Jami dagegen stößt auf immer mehr Hinweise, besonders als sie den Sohn des seinerzeitigen Regisseurs besucht, der vorgibt, zu wissen wer der Mörder ist...

Zu den positiven Attributen des Films gehören neben einigen interessanten Kamera-Perspektiven (oftmals von oben gezeigte Locations) auch einige nette Details, wie der manieristische Regisseurs-Sohn (Denis O'Hare), der in einem auf dem Trockenen liegenden Hausboot lebt, dessen Inneres u.a. mit Filmplakaten des 1976er Streifens dekoriert ist (deren deutsche und französische Versionen allerdings falsch übersetzt sind) und der in einem Schaukelstuhl am Oberdeck bei einer Flasche Jägermeister seiner Überzeugung, daß sein Regisseursvater ein verkanntes Genie war, nachhängt. Auch die Gesetzeshüter sind teils skurrile Typen, der leitende Beamte Morales (Anthony Anderson) ist sehr von sich überzeugt und läßt sich mit Lone Wolf anreden, während sich einer der ortsansässigen Deputies (Gary Cole als Deputy Tillman), nachdem er den übereifrigen Kirchenmann verhaftet hat (auch so ein ständig vom Teufel faselnder Prediger gehört natürlich zum kleinstädtischen Ambiente) nach Feierabend einen Blowjob gönnt - es soll sein letzter werden, denn der neuzeitliche Killer hat es mit Ausnahme von Jami auf grundsätzlich alle Liebespaare abgesehen. Auch zwei schwule Mitglieder eines Schulorchesters müssen dran glauben, wobei der eine mit seiner eigenen Posaune erstochen wird.

All dies ist unterhaltsam und mit einigen groben Slashereinlagen auch gut gewürzt, lenkt aber vom eigentlich fehlenden roten Faden ab, denn statt daß die Polizei ermittelt, erledigt dies nahezu ganz allein das überlebende Opfer Jami, indem sie diverse Fäden aufgreift und nachverfolgt. Trotz Sonderkommission finden keine Massenuntersuchungen, Rasterfahndungen, DNA-Spurensuche und dergleichen statt, dafür gefallen sich die Herren Gesetzeshüter in diversen coolen Posen. Das dramaturgisch sauber aufgezogene Finale, als Jami zwecks Studium die Stadt verlassen will (was der Mörder natürlich nicht zulassen kann), liefert dann eine weiß Gott nie zu erratende Auflösung über die Identität des 2013er Killers mitsamt einer ebenso hanebüchenen Erklärung für dessen Motivation.

Aufgrund einiger Skurrilitäten kann man sich den im Original treffender The Town That Dreaded Sundown betitelten Slasher durchaus gönnen, für eine Zweitsichtung reicht das überraschungsarme Drehbuch dann aber eher nicht. 6,49 Punkte.

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