Texarkana! Heute!
Die bizarre Mordserie, die sich hier 1946 zugetragen hatte, wurde von den Bewohnern irgendwann verarbeitet und auch verdrängt. Bis der 1976 entstandene Film „The town that dreaded sundown“ wieder alte Wunden aufriss. Weder die Behörden waren mit dem Film glücklich noch die Anwohner, die Schreckliches durchlebt hatten oder eben auch Angehörige verloren. Dennoch avancierte der Film bei jeder jüngeren Generation zu einem Kultfilm, bis er schließlich traditionell jedes Jahr an Halloween im Ort gezeigt wurde. Auch die junge Jami befindet sich mit ihrem angehenden Lover im hiesigen Autokino, aber sie hat keinen großen Spaß am Film. Sie beschließen, es sich woanders gemütlich zu machen und fahren weg. Am Platz ihrer Wahl angekommen stellen sie schnell fest, dass sie nicht allein sind. Ein Mann mit einem Sack über dem Kopf taucht auf und hat nichts Gutes vor. Er tötet ihren Freund und gibt Jami die Nachricht mit auf den Weg, dass man sich an Mary erinnern soll. Die Mordserie beginnt erneut.
Das Sequel, welches 2014 erschien, ist kein richtiges Sequel. Regisseur Alfonso Gomez-Rejon glänzt hier mit wirklich innovativen Ideen, die man meines Wissens in dieser Form noch nicht gesehen hat. Er mischt die Realität von 1946 mit dem Film von 1976 und verfolgt dabei einen wirklich großartigen Ansatz. Unsere Hauptprotagonistin Jami ermittelt nämlich in dem uralten Fall und verfolgt eine Spur, die es in der Realität gab, aber im Film von 1976 keine Erwähnung fand und baute sie aus. Dennoch ist es ein Slasher, der mit den typischen Genre-Mechanismen arbeitet, aber eben mit vernünftigen Charakteren ausgestattet wurde. Rein inhaltlich betrachtet gehört er für mich sogar zu den intelligentesten Vertretern seit „Scream“. Apropos Scream: Auch Wes Craven zollte in der originalen Tonspur dem Werk von 1976 Tribut, in dem er den Filmtitel „The town that dreaded sundown“ fast unmerklich in einem Dialog untergebracht hatte. Wie so viele Dinge in „Scream“, die nur dem Kenner des Genres auffallen. Fehlende Kenntnis beim Zuschauer ist auch einer der Gründe, warum „Warte, bis es dunkel wird“ nicht überall gut ankam. Die meisten Leute haben ihn einfach nur als einen weiteren Slasher angesehen, der in der Flut unterging und sich gar nicht erst mit der Geschichte selbst beschäftigt. Trotz einiger Härten war das Gore Publikum unbefriedigt, weil die Einsätze eher spärlich waren, und mancherorts las ich sogar, dass die Maske des Killers entweder blöd war bzw. aus Freitag der 13.te geklaut wäre. Das Publikum wusste einfach nicht, dass sie es mit einem realen Fall zu tun haben, obwohl der Film genügend Erklärungen dafür abgibt. Dabei gab sich Alfonso Gomez-Rejon doch tatsächlich sehr viel Mühe und präsentiert tolle Ideen. Beispielsweise stößt Jami bei ihren Ermittlungen auch auf den (unechten) Sohn von Charles B. Pierce, da dieser viele Dinge zu berichten hat, da sie bei den Dreharbeiten von Damals selbst viel ermittelt hätten. Im Film spricht er dann davon, dass sein Vater verstorben sei, während dieser wiederum tatsächlich eine Gastrolle im Film hat. Wenn man sich also mit den beiden Filmen beschäftigt, kann man eine Menge entdecken und wird wahrscheinlich zu einer positiven Bewertung kommen. Ich zumindest bin absolut begeistert und ein Double Feature mit beiden Filmen, macht einfach eine Menge Sinn und kann sehr viel Spaß bereiten. Noch mehr, wenn man sich zusätzlich ein wenig mit dem Fall selbst beschäftigt.