Beim Blick auf das eigentlich eindeutige Cover assoziiert man einen handfesten Tierhorrorstreifen, der in Richtung "Piranha" gehen dürfte: Teens auf einem Boot, es wird gefeiert, gesoffen, gebadet und blank gezogen, dann kommt ein Seeungeheuer, wie es der Titel bereits vermuten lässt und am Ende kämpft ein junges Paar mit letzter Kraft ums Überleben, während die Kreatur in irgendeiner Form zunichte gemacht wird.
Doch nichts davon geschieht in "Dead Sea".
Alle dreißig Jahre taucht ein Ungeheuer in einem kleinen Nest in Kalifornien auf und verlangt Opfer. Als Junge musste Kier erleben, wie sich sein Vater hingab. Jahre später, nach
einem traumatischen Einsatz in Afghanistan, lebt er als Drogendealer wieder im Ort seiner Kindheit. Derweil versucht Meeresbiologin Victoria etwas über das plötzliche Fischsterben in jener Gemeinde herauszufinden und gerät alsbald ins Visier der Einheimischen...
Natürlich muss Tierhorror nicht grundlegend konventionell aufgezogen sein, doch hier haben wir es mit einer reichlich dreisten Mogelpackung zu tun, welche in nicht einer Szene ein Monster zeigt.
Zwar deuten Laute unter Wasser etwas Übernatürliches an, doch offenbar ist das Budget von rund 100.000 Dollar für Stock Footage und gerade mal taugliche Mimen drauf gegangen.
Aufgezogen ist die Geschichte ohnedies recht unvorteilhaft, da es aufgrund der fragmentartig eingeführten Handlungsstränge kaum möglich ist, einen Sympathieträger herauszufiltern.
Kein Charakter ist vernünftig ausgearbeitet und selbst zur Biologin ist nur schwer ein Draht herzustellen, während die merkwürdigen Einheimischen zwar halbwegs treffend besetzt sind, doch deren eigentlichen Beweggründe erschließen sich bis zum Ende nicht so recht.
Folgerichtig kommt bei alledem keine Spannung auf, Aktionen einiger Drogendealer verlaufen im Sande und erst als tatsächlich eine Handvoll junger Leute eine Bootstour unternimmt, färbt sich das Wasser kurzfristig rot, obgleich beim Gewimmel unterhalb des Bootes aufgrund der unruhigen Kamera nicht viel zu erkennen ist. In Sachen Gewalt sind anbei noch zwei Kopfschüsse zu vernehmen, doch das macht den Kohl in Hinblick auf eine ausbleibende Bedrohung auch nicht mehr fett.
Die Grundidee mag ausbaufähig gewesen sein, doch was Autor und Regisseur Brandon Slagle daraus fabriziert hat, gleicht dem niedrigen Niveau seiner darstellerischen Leistung als Drogendealer Kier. Kein Tierhorror, sondern Mystery ohne Nährwert, welche man getrost im titelgebenden See belassen kann.
2,5 von 10