Review

Season 1 + 2

Season 1

Schöne neue Welt...
Ironisch bis zur Schädeldecke trällert das paradiesisch-tropische Thema von "Helix" in den wenigen Sekunden des Vorspanns vor sich hin, um etwas gar nicht so Schönes zu konterkarieren, das jeder der dreizehn Prologe der ersten Staffel den nachfolgenden Geschehnissen voransetzt. Die SyFy-Produktion liefert ein für TV-Serien eher ungewöhnliches Szenario, das in erster Linie auf schnellen, harten Thrill aus ist: Ein mit Kusshand von John Carpenters "The Thing" ausgeliehenes Forschungsstation-im-Eis-Szenario mit Infektionsrisiko, sprich: Zehn kleine Jägermeister mit einem ziemlich gefährlichen Trunkenbold auf einen engen Raum ohne Ausweg gesperrt.

Auch sonst erweist sich "Helix" als äußerst zitierfreudig, wenn es virale Ansteckung mit durchdrehenden Zombieartigen auf Speed verknüpft. Bedenkt man die verschlungene Architektur der Station mit all ihren langen Gängen, anonymen Schlafkajüten und Hi-Tech-Labors voller klinischer und doch so ansteckend aussehender Einrichtungsgegenstände, darf man zu Recht auf packende Momente hoffen, selbst wenn den meisten von ihnen von "Alien" bis "28 Days Later" stets der Mief des Kopierten anhaftet.

Die 13 Folgen werden trotzdem streckenweise langatmig, weil der Plot auf dem Weg zu einer recht abgehobenen Auflösung immer wieder Leerlauf offenbart, der mit oftmals banalen Dialogen nur behelfsmäßig geflickt wird. Das starke Setting (gerade bei den Außenaufnahmen gelingt den Effektkünstlern ein tolles Licht- und Farbenspiel, im Umkehrschluss wird allerdings bei der unnatürlichen Darstellung der wuchernden Viren versagt) und die Adrenalinmomente stehen damit Füllpassagen entgegen, die im besten Fall willkommene Verschnaufpausen sein könnten, hier aber eher Vorspulmaterial darstellen.

Einige Subplots möchte man auch am liebsten gar nicht weiter erkunden, sondern lieber weiter gemeinsam mit Hauptdarsteller Billy Campbell der Hauptthematik frönen. Gerade die Verstrickungen rund um Dr. Hiroshi Hatake (Hiroyuki Sanada) und seinen Protegé Daniel (Meegwun Fairbrother) verwechseln hin und wieder Kitsch mit Melodram. Stark dafür Neil Napier, der gleich in den ersten Minuten des Prologs panisch durch die Gänge irren und einen Großteil der Staffel als bedrohlicher Super-Infizierter verbringen darf.

Insgesamt in vielen Details also verbesserungswürdig, überzeugt "Helix" aber mit unverbrauchtem Eis-Setting und stellt Aussicht auf eine zweite Staffel mit hohem Abwechslungsgrad.
(5.5/10)


Season 2

Grundsätzlich keine blöde Idee, das eisige Setting der ersten Staffel zu verlassen und die Viren diesmal in tropischer Umgebung wüten zu lassen. Begonnen mit dem zum Treibhaus umfunktionierten Vorspann (mit unverändert ironischem Bossa-Nova-Jingle) beweist man diesbezüglich den notwendigen Mut, um die Anleihen an „The Thing“ nicht überstrapazieren zu müssen und etwas frischen Wind ins Produktionsdesign zu bringen. Die Insel bringt leichtes „Lost“-Flair ins Spiel und die von Pusteln übersäten Infizierten einen Hauch von „The Walking Dead“ - in beiden Fällen findet jedoch keine Raubzug bei den bekannteren Marken statt, die Assoziationen gehen vielmehr vom Zuschauer aus, der automatisch mit den Mustern der Referenzserien abgleicht.

Geholfen hat es nicht, die SyFy-Produktion wurde nach dem zweiten Jahr eingestellt, obwohl das Cliffhanger-Ende vermuten lässt, dass man gerne noch eine Runde drangehangen hätte. Doch die Absetzung geschah nicht ganz zu Unrecht: Hatte „Helix“ von Beginn an schon mit Längen zu kämpfen, breiten sich diese in den neuen zwölf Episoden weiter aus und nehmen störende Eigenschaften an. Schuld ist vor allem ein wirrer Main Plot, der sich über zwei Zeitebenen erstreckt und das klassische SciFi-Element der Unsterblichkeit mühsam mit dem Aufhänger um bakterielle Erreger zu verknüpfen versucht. Gemeinsam mit dem „Wicker Man“-artigen Inselkult – sogar Honigbienen spielen wieder eine Rolle – entsteht ein krudes Gemisch, dem das nicht immer ganz glückliche Casting noch zusätzlich Stöcke zwischen die Beine wirft: Zwar verfügt man nun über den charismatischen Steven Weber als ominösen Sektenführer, andere Neuzugänge hinterlassen aber weniger positiven Eindruck und diejenigen, die es aus der ersten Staffel in die zweite geschafft haben, erweisen sich erschreckend oft als entbehrlich, bis in die Hauptrollen hinein.

Schöner wäre es gewesen, man hätte einfach die Krankheit walten lassen und sich im Stil von Virus-Filmen wie „Outbreak“ mit den direkten Auswirkungen beschäftigt, anstatt sie mythisch aufzublasen – das erinnert dann doch zu sehr an billige TV-Produktionen der frühen Neunziger, nur diesmal eben mit der erfreulichen Zeitersparnis, nur dreizehn Mal 40 Minuten durcharbeiten zu müssen anstatt gleich zwei Dutzend mal.
(4/10)

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