Ich hab den Film gesehn...
Ist das so wichtig, daß es gleich dick und fett in die Überschrift gehört?
JA!
Weil nämlich so ziemlich alles, was mich an der TV-Serie gestört hat, nur im Vergleich zum Film schlecht ist. Wer den Film vorher nicht gesehen hat, wird die Serie vermutlich ganz anders sehen.
Also, liebe Leser, ihr seid gewarnt: Es folgt die Rezension eines Kritikers, der ein Fan des alten Originals ist .
Wofür gibt es die 5 Punkte? Weil nicht alles mißlungen ist. Die Serie ist durchaus kein Totalausfall. Wenn man die Mängel nicht allzu schwer nimmt, kann man sich durchaus damit amüsieren.
Positiv: Action, Sex, Gewalt und knackige Vampirkämpfe. Dazu die Musik, die zwar nicht ganz das Original erreicht, aber immerhin fast. Die Serie weiß also durchaus zu unterhalten und man muß sich durchaus nicht überwinden, bis zum Ende zu gucken.
Jetzt das Negative - sorry, es wird eine laaange Liste:
Negativ:
1. Es ist eine Serie - 10 Folgen je 45 Minuten. Dabei war die Handlung in einem Kinofilm passend untergebracht. Um die über 7 Stunden zu füllen, haben die Drehbuchschreiber unzählige neue Handlungsfäden reingemurkst, die einfach überflüssig sind - lang, langatmig, langweilig, zieht sich wie Kaugummi.
2. Ständig tauchen Szenen und Zitate aus dem Tarantino/Rodriguez-Universum auf. Das ist wohl geistreich gemeint, aber mir gehen diese ständigen schlaumeiernden Insiderwitze einfach nur auf die Nerven. Bestenfalls taugen sie für ein Schlefaz-Trinkspiel: Wer ein Zitat entdeckt, darf einen Bloody Mary trinken.
3. Aber am schlimmsten sind die Schauspieler, die einfach nicht das Niveau des Originals erreichen:
- Die Gecko-Brüder: Im Film mit Clooney und Tarantino perfekt besetzt. Von ihren Serien-Pendants interessieren mich nicht mal die Namen. Und Tarantino als Richie Gecko war so schön offensichtlich durchgeknallt. Um die geistigen Verirrungen seines Serien-Gegenstücks auszuloten, fehlt mir einfach die Geduld.
- Der Priester: Harvey Keitel hat einfach Stil, sein Priester brauchte sich als "Supporting Actor" hinter dem Gecko-Duo nicht zu verstecken. Dagegen wirkt die Serien-Version wie Platz fünf eines Look-Alike-Contests - gewollt und nicht gekonnt.
- Der Türsteher/Marktschreier: Im Original Cheech Marin, der hat so was einfach drauf. Der Suppenkasper, den die Serie da auf die Bretter stellt, ist nicht mal eine Karikatur des Originals.
- Santanico Pandemonium: Die Ober-Stripperin und Ober-Vampirin. Salma Hayek war in der Rolle nicht nur sexy, sondern auch glaubhaft. Ihre Serien-Version ist einfach "blass". Dazu der Versuch, diesen Charakter zum Mittelpunkt einer Vampir-Verschwörung zu machen? Da war die Film-Version einfach interessanter und rätselhafter, weil sie mehr Fragen offen gelassen hat.
- "Sex-Machine" (wer das Original gesehen hat, kennt ihn): War im Film nicht unbedingt ein Oskar-Anwärter. Aber warum wird er in der Serie von Gary Busey gespielt? Und warum sieht der auf einmal so jung aus? Erklärung: Es ist Jake Busey, der Sohnemann - und man sieht's ihm an. Für meinen Geschmack einfach fehlbesetzt.
- Die Priester-Tochter: Im Film von Juliette Lewis gespielt. In der Serie im Prinzip das gleiche, nur "in frech" - unsympathisch..
- Der Priester Sohn: Daraus hat die Serie tatsächlich was gemacht, so was wie eine Charakter-Entwicklung. Hat mir besser gefallen, als der nichtssagende moppelige Chinese aus dem Film - wozu allerdings auch nicht allzuviel gehört.
Fazit: Was bleibt am Ende? Für mich auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Denn die Serie hat mich dazu gebracht, den Original-Film noch mal anzuschauen. Und der macht um Längen mehr Spaß, als diese überflüssige ausgewalzte Nacherzählung.