Review

Staffel 1

"Was war in diesem Sarg?"

Auf dem  New Yorker Flughafen landet eine Maschine aus Berlin zu der jeglicher Kontakt abgebrochen ist. Die meisten Fenster der Maschine sind nicht einsehbar. Es besteht keine Sicherheit, ob es sich um einen terroristischen Anschlag handelt oder eine tödliche Seuche ausgebrochen ist.
Epidemiologe Ephraim Goodweather (Corey Stoll) steckt gerade in einer Scheidungsverhandlung, als er zu dem Vorfall geladen wird. Seine Kollegen Nora Martinez (Mía Maestro) und Jim Kent (Sean Astin) sind bereits vor Ort. Im Inneren der Maschine sind die meisten Passagiere tot vor. Nur bei Vieren zeigen sich überraschenderweise Lebenszeichen. In Quarantäne werden bei den Patienten zunächst keine Hinweise auf einen Krankheitserreger gefunden.
Eine mysteriöse, an einen Sarg erinnernde Fracht wirft ebenso Fragen auf, wie der Pfandleiher Abraham Setrakian (David Bradley), der am Flughafen erscheint und vor bösen Mächten warnt.

Regisseur Guillermo del Toro ("Pan's Labyrinth", "Hellboy"-Reihe) stand längere Zeit für fantastische Geschichten und groteske Figuren. Nach "Pacific Rim" hat er etwas von seiner Präsenz verloren. Doch mit "The Strain" steht eine vielversprechende Horror-Serie auf Basis des Romans "Die Saat" an, die den Vampir nach zahlreichen verkitschten Varianten wieder annähernd so interpretiert, wie ursprünglich gedacht: Als blutsaugendes Monster.

Der Beginn der Geschichte ähnelt eher einer Mysteryserie. Eine unheimliche Atmosphäre wird durch düstere Bilder aufgebaut und die Handlung entwickelt sich schleichend. Merkwürdige Ereignisse werfen Fragen auf. Allzu lange bleiben diese aber nicht offen. Für gewöhnlich gibt es bereits in der folgenden Episode eine Antwort auf offene Handlungsstränge. Somit wird schnell klar, dass es nicht der klassische Vampir ist, der in der Serie sein Unwesen treibt. Der parasitäre Befall durch einen Wurm ist der Auslöser, dass die betroffenen Figuren nach und nach dem Blutrausch erliegen.
Im Verlauf der Geschichte fokussiert sich die Handlung um eine bestimmte Anzahl an Figuren und erzählt deren Erlebnisse in getrennten Erzählsträngen, die auf Dauer zusammen führen. Sprünge in die Vergangenheit unterbrechen das Geschehen in der Gegenwart und strecken die Serie in die Länge. Zahlreiche unlogische und nicht nachvollziehbare Handlungen der Figuren wirken unglaubwürdig.

Die Ausgangssituation wirkt innovativ, das Drumherum jedoch weniger. So leidet die Hauptfigur unter familiären Verstrickungen, die allzu verbraucht sind und die Spannung häufig drücken. Auch klischeehafte Nebenfiguren bremsen die Geschichte immer wieder aus sowie Tätigkeiten, die nicht nachvollziehbar sind. Die Glaubwürdigkeit steht mehrfach im Kreuzfeuer. Dennoch bemüht sich "The Strain" manch eine Figur ambivalent zu halten und somit konkurrierenden Serien nachzuziehen. Somit steigert sie die erste Staffel erzählerisch mit steigender Episodenzahl und endet offen.

Die heftigen Gewaltszenen zu Beginn erfahren keinerlei Steigerung, wirken auf Dauer sogar eher einseitig. Überwiegend ist "The Strain" darauf aus zu ekeln und nicht zu schockieren. Die digitalen Effekte sind ordentlich aber nicht wegweisend. Eingängige Melodien, die zur Atmosphäre beitragen, fehlen hier gänzlich.

Der Cast besteht aus Schauspielern, die bislang in Nebenrollen ihre Erfahrungen sammelten. Dies merkt man Corey Stoll ("House of Cards", "Ant-Man"), David Bradley ("Harry Potter"-Reihe), Mía Maestro ("Poseidon") sowie Jonathan Hyde ("Die Mumie"). Ihre Leistungen sind zwar gut, sie brauchen aber einige Zeit, bis sie eingespielt wirken.
Der wandlungsfähige Sean Astin ("Der Herr der Ringe"- Reihe, "Die Goonies") wird leider zu keinem Zeitpunkt gefordert.

Während die erste Folge noch Erwartungen schürt, enttäuscht "The Strain" schon mit der zweiten. Erzählerische Wiederholungen lassen die Handlung auf der Stelle treten und ausgefallener Horror ist doch eher die Ausnahme. Das Kreaturendesign ist stimmig und vereinzelte Folgen sind wirklich gut. Die meisten halten die Handlung aber nur auf. Die erheblich stärkere Konkurrenz im Bereich der Horrorserien bietet eine größere Dynamik und mehr Innovation. Dadurch steht "The Strain" nochmals schlechter da.

5 / 10

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