Seltsamerweise drehte Ernest Dickerson nach höher budgetierten Filmen wie „Bulletproof – Kugelsicher“ oder „Ritter der Dämonen“ mit „Ambushed – Dunkle Rituale“ einen kleinen B-Actionthriller.
Jim Natter (William Sadler) und sein Sohn Eric (Jeremy Elliot) wollen sich mit Geschäftspartnern Jims treffen. Jim ist einer der Führer des modernen Klu Klux Klans, der hier einen neuen Deal abwickeln will. Doch die Geschäftspartner stellen sich als Auftragsmörder heraus, die ihn kaltblütig erschießen. Der 12jährige Eric beobachtet die Tat vom Rücksitz des Wagens aus. Mit den bekannten Schauspielern, von denen es in „Ambushed“ erstaunlich viele gibt, verhält es sich wie in „Sterben – aber richtig“: Auch mit hohem Bekanntheitsgrad kann man recht schnell das Zeitliche segnen, wie das frühe Ausscheiden des „Stirb langsam 2“ Schurken Sadler zeigt.
Genauso alt wie Eric wäre der Sohn von Detective Jerry Robinson (Courtney B. Vance), wenn er noch leben würde. Robinson untersucht den Mord an Natter und findet auch den zurückgelassenen Eric. Dieser schockt den schwarzen Detective doch mit White Power Parolen und schweigt sich auch in Schutzhaft beharrlich aus. Das Thema Rassismus ist ein heißes Eisen, welches Dickersons Südstaatenfilm anpackt, doch allzu viel inhaltliche Tiefe in diesem Punkt sollte man allerdings nicht erwarten.
Zusammen mit drei Kollegen soll Jerry den Jungen überführen, aber die vier Polizisten und ihr Schützling geraten in einen Hinterhalt. Zu allem Überfluss stellt sich einer von ihnen auch noch als Verräter heraus. Eric und Jerry können dem Hinterhalt entkommen, allerdings drehen die Verräter die Sache so, dass es aussieht als habe Jerry den Jungen entführt und stecke hinter dem Überfall. Von Polizei und Verbrechern gejagt müssen sich die beiden zusammenraufen, obwohl sie sich hassen...
„Ambushed“ ist ein wirklich solider B-Actionthriller, wobei die Handlung kaum Blumentöpfe gewinnt. Vor allem die Wendungen der Story sind vorhersehbar (der geschulte Filmfan erkennt den wahren Drahtzieher relativ früh), auch wenn die Spannung es insgesamt auf ein solides Maß bringt. Originell kann man das Plotkonstrukt auch kaum nennen; lediglich der Rassenhasshintergrund kann neue Aspekte bringen.
Und gerade in diesem Punkt erweist sich „Ambushed“ dann auch als bemüht. Zwar wirkt er neben vergleichbaren Filmen wie Alan Parkers tollem „Mississippi Burning“ eher blass, aber dennoch wird mit viel Elan an Vorurteilen gerüttelt. Vor allem die Darstellung von Jungschauspieler Jeremy Elliot kann punkten, da er das langsame Aufwachen des zum Rassenhass erzogenen Kindes glaubwürdig verkörpert. Trotzdem bleibt am Ende nur die oberflächliche Botschaft gegen den Rassismus; über dessen Ursachen oder ähnliches wird nicht diskutiert.
Ganz ohne Action geht es natürlich nicht, auch wenn die Masse nicht allzu groß ist. Geboten werden einige Shoot-Outs mit recht ordentlicher Choreographie und relativ geringem Blutgehalt. Warum der Film Mit FSK 18 bewertet wurde, ist mir unklar, aber bei B-Filmen werden ja fast immer übertrieben hohe Freigaben erteilt. Dem Actionfan sind die Shoot-Outs ein netter Appetithappen, auch wenn Art und Locations nichts umwerfend Neues biete.
Jeremy Elliot und Courteney B. Vance spielen für einen B-Film verdammt gut und können auf ganzer Linie punkten. Auch Virginia Madsen als weibliche Hauptrolle macht eine gute Figur sowie Robert Patrick als weiterer Klu Klux Klan Führer. In kleineren Rollen sind der bereits erwähnte William Sadler, Bill Nunn und William Forsythe zu sehen.
Unterhaltsamer B-Actionthriller mit bemühtem Hintergrund. Hätte man an den Punkten Action, Tiefgang und Story noch ein wenig verbessert, würde „Ambushed“ über die Qualitätsstufe solide hinauskommen.