„In China essen sie Hunde 2“ lautet der Schriftzug, den ich unter „Old men in new cars“ erblicken durfte. Zunächst stellte das einen Dämpfer für mich dar, da ich den ersten Teil noch immer nicht zu Gesicht bekommen habe und ungern zweite Teile vor ersten anschaue. Nachforschungen ergaben jedoch, dass es sich mehr um ein Prequel zum angesprochenen Film handelt als um eine Fortsetzung. Prompt konnte die Stimmung wieder auf ein hohes Level gebracht und der Streifen ohne Bedenken angeschaut werden.
Alles fängt damit an, dass Harald (Kim Bodnia) nach dem ein oder anderen Jahr Sitzen endlich wieder aus dem Knast kommt. Daraufhin kehrt er zurück zu seinem Restaurant, wo er seine alten Kumpanen Martin (Nikolaj Lie Kaas, der mir aus „Dänische Delikatessen“ noch in sehr angenehmer Erinnerung geblieben ist) und Peter (Tomas Villum Jensen) findet und direkt zur Sau machen muss, da diese in seiner Abwesenheit ungewollte Änderungen vorgenommen haben. Als wäre seine Situation nicht unangenehm genug, ist ihm auch noch die ansässige Balkanmafia auf den Fersen, da er dieser den ein oder anderen Dollar schuldet. Hinzu kommt, dass sein Ziehvater Monk (Jens Okking) schwerkrank im Krankenhaus liegt und nur durch eine neue Leber gerettet werden kann. Außerdem will er vor seinem wahrscheinlichen Ableben seinen unehelichen Sohn Luvig (Torkel Petersson) endlich einmal zu Gesicht bekommen, der überflüssiger Weise seit Jahren im Knast hockt. Da stellen sich Harald also zahlreiche Probleme, die er mit seinen Untertanen Martin und Peter meistern muss. Diese wollten eigentlich aus dem illegalen Geschäft aussteigen, doch jedes Mal, wenn Harald seine gebieterische Art raushängen lässt, ziehen die beiden den Schwanz ein. Die bisher erwähnten Charaktere sind bis auf Monk, der nicht oft in Szene gesetzt wird, wundervoll gezeichnet. Da ist der strenge Harald, der seine Emotionen und Aktionen schwerlich unter Kontrolle halten kann, der begeisterungsfähige und gleichzeitig naive Peter sowie der chronisch skeptisch und lustlos erscheinende Martin. Schließlich kommt Ludvig hinzu, der ähnlich wie Harald Schwierigkeiten damit hat, seine Wut zu kontrollieren, was sich gerade gegenüber Frauen als eminentes Problem herausstellt. Die Story wirkt wundervoll an den Haaren herbei gezogen und ist an manchen Stellen einfach nur unrealistisch. Anders Thomas Jensen, der Drehbuchautor, nutzt das allerdings gekonnt als humoristische Unterstützung und das wird meiner Meinung nach zu Unrecht gelegentlich kritisiert. Bestes Beispiel ist eine Verfolgungsjagd, die mit einem gigantischen Unfall im Theater endet. In der nächsten Szene sitzen alle unbeschadet in ihrem Versteck, als wäre nichts gewesen. Fragen werden dazu keine mehr gestellt, und wie sie der Polizei entfliehen konnten, bleibt im Dunklen. Bezüglich der Story darf man schlichtweg nicht viele Fragen stellen, sondern sollte ihre unwiderstehliche Abstrusität einfach genießen.
Der Film lebt vor allem von seinen Charakteren bzw. deren Eigenarten. Sie werden über die gesamte Dauer des Werkes immer wieder in den Vordergrund gestellt und können so unzählige Lacher produzieren. Dazu gehören nicht nur die bereits erwähnten Eigenarten der Akteure, sondern beispielsweise die Mitleid erregende Geschichte um Vuk (Brian Patterson). Dieser gehört entfernt zur Balkanmafia und verbringt scheinbar den gesamten Film damit, das Licht in Haralds Restaurant zu reparieren. Dabei verfolgt ihn enormes Pech und vor allem die unkontrollierte Wut Haralds, die am Ende des Films dermaßen auf die Spitze getrieben wird, dass ich einen Lachanfall unmöglich unterdrücken konnte (Stichwort Kleiderständer). Allen Schauspielern gelingt es dabei, in ihrer Comichaftigkeit authentisch zu wirken und zu begeistern.
Auf jeden Fall kann sich „In China essen sie Hunde 2“ oder „Old men in new cars“ problemlos in die Reihe der überzeugenden Skurrilofilme aus Skandinavien einordnen, die sicherlich Geschmackssache sind, aber Fans zu absolut hochwertigen dauerhaften Lachergüssen verhelfen können. Ich habe mich zu einem dieser Fans entwickelt, da mein Humor ziemlich gut getroffen wird. Das war beispielsweise schon bei „Dänische Delikatessen“ so und wird hoffentlich noch bei dem ein oder anderen so sein. Auszeichnen tut sich diese Art Film zum Beispiel durch seine Witzdichte und seine merkwürdige Art des zwischenmenschlichen Umgangs, der vielleicht in Skandinavien eher der Realität entspricht? Bewusst stelle ich hier ein Fragezeichen hin, da ich das nicht weiß. Bei asiatischen Filmen ist bekanntlich auch immer ein ganz eigener Flair zu spüren, der mir meistens weniger gut gefällt. Ganz im Gegensatz zum skandinavischen.
Fazit: „Old men in new cars“ ist mehr Prequel als Fortsetzung. Scheißegal was es ist: Die Charaktere, deren Eigenarten und die damit verbundenen Scherze zünden unglaublich gut. Die Story ist maßlos überzogen und fern jeder Realität, das ist aber ganz bewusst so gehalten. Einzig die Flugzeugszene und der etwas unsympathische Charakter der Mille führen bei mir zu einem Punkt Abzug. 9 Punkte also. Euer
Don