Review

Britannien zur Zeit der Kreuzzüge: König Arthur wird von Gott, der von der Unterwürfigkeit der Menschen genervt ist, beauftragt den Heiligen Gral zu suchen.
Mit den Rittern der Tafelrunde macht er sich auf den Weg ohne zu wissen, wo er seine Suche beginnen soll.

Mit DIE RITTER DER KOKOSNUSS gelingt Monty Python die Kultivierung des Absurden: So erfährt der Zuschauer, dass das sportliche Resultat 'Remis' schon im Mittelalter existent war, dass zu jener Zeit die allgemeine Konjunkturkrise auch Gebrauchtbuschverkäufern nicht verschonte, dass das Defizit von Pferden zumindest für den Hörsinn durch das Gegeneinanderschlagen von Kokosnusshälften kaschiert wurde, dass sich Zeitgenossen mit der Vorliebe für ein phonetisch unangenehmes Wort mit Gebüschen besänftigen ließen. Man bezeugt die bestechende Logik, mit der im Mittelalter die Deklaration zur Hexe gerechtfertigt wurde und den über alle Maßen ernsthaften Konflikt zwischen Briten und Franzosen, dem vor allem von Letzeren mit der Kunst hoher Diplomatie begenet wurde. Man erfährt weiterhin, dass selbst im 'Dunklen Zeitalter' aufklärerisch gedacht wurde, so entbehrt ein Bewohner gegenüber König Arthur den erwarteten Respekt, weil er, beflügelt von demokratischen und kommunistischen Vorstellungen, dessen Herrschaft als despotische Usurpation und damit als nicht legitim erachtet. Außerdem wird der Zuschauer über nymphomane Burgbewohnerinnen, den Generationenkonflikt zur damaligen Zeit, die von der heutigen Vorstellung abweichenden Gestalt von blutrünstigen Bestien unterrichtet und erfährt ferner Einzelheiten über die Handhabung militärischer Mittel, die man dem Mittelalter bisher nicht zuordnete.

Ein sehr auffälliges und unablässig verwendetes Stilmittel des Filmes sind die Verfremdungseffekte. Die Methoden, derer sich Monty Python hier bedient, sind die Verdeutlichung der Tatsache, dass es sich um einen Film handelt sowie der Einbau atmosphärisch störender Einflüsse durch Requisiten der heutigen Zeit. Die Intention des Begründers des Verfremdungseffektes, Bertolt Brecht, war es, eine Distanz zum Publikum herzustellen und den Zuschauer dazu zu nötigen, über das Gesehene zu reflektieren und seine eigenen Vorstellungen und Werte zu überprüfen. Bei einem Film dieser Art jedoch, kommt es wohl eher auf die absurde und die - lapidar gesagt - komische Wirkung der Effekte an, vor allem weil hier der gesellschaftskritische Ansatz nicht so dominant ist.

Eine Sache, die als störend empfunden werden kann, ist der zähflüssige Stil und der fragmenthafte Aufbau, der den zweiten Spielfilm der Gruppe an die zuvor
produzierte Serie MONTY PYTHONS FLYING CIRCUS erinnern lässt. Man hat den Eindruck, als sei die Suche nach dem Heiligen Gral eine Alibigeschichte, ein
bloßes Argument, um die zweifellos guten Ideen in einen zu rechtfertigenden Zusammenhang zu bringen. Ein Mangel, der bei Monty Pythons quintessenziellem Meisterwerk DAS LEBEN DES BRIAN nicht mehr in dieser Form auftaucht.

DIE RITTER DER KOKOSNUSS ist ein herrlich blasphemischer und sarkastischer Affront gegen den 'guten' Geschmack, dem aber als einziger Makel eine unausgegorene Erzählstruktur anhaftet, die man aber mit viel Phantasie und Verständnis für künstlerische Freiheit als Stilmittel auslegen kann.

Details
Ähnliche Filme