Der nicht episodische Episodenfilm
König Arthur (Graham Chapman) streunt durch das alte England, um Leute für seine Tafelrunde aufzutreiben. Sir Bedevere the Wise (Terry Jones), Sir Lancelot the Brave (John Cleese), Sir Galahad the Pure (Michael Palin), Sir Robin the Not-Quite-So-Brave-as-Sir-Lancelot (Eric Idle) und Sir Not-Appearing-in-this-Film (ehm …) schliessen sich ihm an. Dann plötzlich taucht Gott auf und gibt Arthur eine Aufgabe: Er soll den Heiligen Gral auftreiben. So macht sich die Truppe auf eine abenteuerlich-abstruse Reise.
Monty Python and the Holy Grail (1975) ist der erste Spielfilm der legendären Comedy-Truppe Monty Python, der nicht episodisch aufgebaut ist. Zumindest scheinbar. Die beiden Mitglieder Terry Gilliam und Terry Jones übernahmen die Regie. Gilliam sass zum zweiten Mal auf dem Regiestuhl, Jones zum ersten Mal überhaupt. Leider merkt man dem Film die Unerfahrenheit an allen Ecken und Enden an. Er ist ungeschliffen und chaotisch. Die Rahmenhandlung um den Heiligen Gral ist eine blosse Entschuldigung für die einzelnen Szenen, die mal mehr, mal weniger amüsant sind.
Das Drehbuch versucht seine Ziellosigkeit auf Biegen und Brechen mit Selbstreflexion zu vertuschen. Gilliam und Jones überschütten uns mit einer Kaskade von Meta-Witzen. Ganz lustig ist es, wenn zu Beginn überlange Intro-Credits auf die Schippe genommen werden. Bemüht wird’s, wenn die Regisseure in der Mitte des Films in folgende Szenen schneiden und noch unbekannte Figuren sagen lassen: »Jetzt macht schon vorwärts!« Auch wenn ein Darsteller behauptet, ein Schloss in der Ferne sei ja nur eine Attrappe, entlockt das höchstens ein müdes Lächeln.
Zugegeben: Man muss schon ein besonders griesgrämiger Geselle sein, um bei Monty Python nicht zu lachen. Einige Perlen des schwarzen Humors finden sich in diesem Film. So etwa den Dunklen Ritter, der seine Niederlage nicht eingestehen will, selbst nachdem er alle Gliedmassen verloren hat. Ein Klassiker sind die Rätsel vor der Todesbrücke, die überraschend banal ausfallen – und dem mysteriösen Fragesteller selbst zum Verhängnis werden. Mein persönlicher Liebling ist die Szene, in der ein einfacher Dörfler König Arthur mit linksautonomen Ideen vollfaselt: »Come and see the violence inherent in the system! Do you see him repressing me?« So sieht intelligenter und vielschichtiger Humor aus.
Aber dieses Niveau erreicht Monty Python and the Holy Grail nur selten. Bedauerlich viele Szenen laufen sich in schriller Absurdität tot. Zum Beispiel die Gesangseinlage im Schloss Camelot, die noch nicht einmal eine Pointe hat. Andere Witze dauern schlicht zu lange; etwa wenn dumme Wachen ihre Befehle nicht verstehen. Nach 30 Sekunden hat man’s kapiert, aber das Drehbuch will immer noch einen drauf setzen. Unnötig. In nur wenigen Stellen setzt sich der Film tiefer mit der damaligen Zeit und Arthurs Legende auseinandersetzen. Der Seitenhieb auf die Hexenverbrennung gilt nicht; der fällt reichlich plump aus. Dafür darf man über einige Fantasy-Klischees lachen. Der Auftritt von Tim the Enchanter (John Cleese) ist köstlich. Nach dem Motto: Wenn ich schon ein Magier bin, dann muss es ordentlich krachen!
Man möge mir verzeihen, dass ich nur einzelne Szenen aufliste. Der Film ist derart zerstückelt, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt. Auf eine besonders schlechte findet sich immer auch eine besonders gelungene Szene. Unterm Strich kommt dennoch ein unbefriedigendes Stück Film heraus. Holy Grail bildet keine Einheit. Im Zeitalter von YouTube kann man die Highlights bequem online nachschauen; den Steifen selbst braucht’s dafür nicht. Komödiantisch ist die Angelegenheit »hit or miss«, filmisch eher eine Panne.
4/10