"Hast du kein Talent, landest du in einer Rockband."
Andrew (Miles Teller) ist ein talentierter 19-jähriger Schlagzeuger, der unbedingt in die angesehene Studioband von Fletcher (J.K. Simmons) aufgenommen werden möchte. Tatsächlich gelingt ihm dies nach mehrmaligem Vorspielen. Fletcher treibt die Gruppe aber mit erbarmungslosen Mitteln voran, um Höchstleistungen aus den Studenten herauszuprügeln und hat dabei immer wieder Andrew im Visier. Neben körperlichen Leiden greift dies auch beständig seine Psyche an.
Das unscheinbare Musikerdrama "Whiplash" gilt als eine Überraschung des Filmjahres 2014. So wird der inbegriffene, gnadenlose Drill eines Lehrers gegenüber eines Schülers mit Stanley Kubrick's "Full Metal Jacket" gleichgesetzt. Abseits dessen bietet der Film aber dennoch wenig, was dem Spannungsaufbau dienlich wäre.
Die Geschichte ist wenig innovativ. Sie stellt die beiden Protagonisten in den Mittelpunkt, handelt eine Romanze nebenbei ab und wechselt immer wieder zwischen Trainingssequenzen von Andrew allein und der ganzen Gruppe hin und her. Ein wenig erinnert das an die Vorgehensweise von Sportler-Dramen. Nur, dass "Whiplash" sich mit einem sperrigen Thema abfinden muss und nur wenige, plötzliche Spannungsbögen erschafft.
Das Finale hat es dafür in sich und punktet mit mehreren Wendungen. Umso tragischer ist daher auch das allzu abrupte Ende, welches Fragen offen und das Publikum ohne Absacker zurück lässt.
Gelungen sind die häufigen Stimmungswechsel, erzeugt durch die unberechenbare Figur Fletcher. "Whiplash" erschafft mit diesen Szenen enormen Druck und eine ungewohnte Intensität, die auch gerne mal Grenzen überschreitet. Nicht ganz nachvollziehbar sind daher auch die Verhaltensweisen von Andrew. Ohnehin nur oberflächlich charakterisiert, wird diese eigentlich fokussierte Figur nie wirklich greifbar, wodurch der Zugang zum Film häufig gestört ist.
J.K. Simmons, bekannt aus der "Spider-Man"-Reihe, hat seine Rolle voll im Griff und präsentiert sie mit beinahe gruseliger Unberechenbarkeit. Miles Teller ("Project X") schwindet neben ihm ein wenig, überzeugt aber dennoch mit einer charismatischen Präsenz.
"Whiplash" hätte sicher mehr Aufmerksamkeit verdient, denn in seinen besten Szenen ist das Drama enorm wirkungsvoll. Jedoch stören zahlreiche Details den Spannungsaufbau. Dazu zählt eine unvollständige Figurenzeichnung, Grenzüberschreitungen und eine fehlende Bindung zum Publikum. Was "Whiplash" versucht hat "Black Swan" bereits besser vollbracht. Hier muss aber jeder selbst entscheiden, ob er Jazz-Musik oder Horrorelemente bevorzugt. Der Rezensent neigt zu Letzterem.
6 / 10