Michael Pitt spielt einen Molekularbiologen, der das menschliche Auge erforscht und besonders an einer rationalen Erklärung der Evolution des Organs interessiert ist. Der Glaube an Übersinnliches liegt ihm fern, wenngleich er seine große Liebe unter besonderen Umständen kennenlernt und durch einige glückliche Zufälle wiederfindet. Sie verstirbt dann aber durch einen Unfall. Jahre später ist der Wissenschaftler glücklich verheiratet und sieht sich mit der Frage konfrontiert, ob nicht doch irgendetwas von seiner alten Liebe überlebt haben könnte.
Nach „Another Earth“ ist „I Origins“ der zweite Film, bei dem Mike Cahill als Regisseur, Autor und Produzent fungiert. Und erneut handelt es sich bei seinem Werk, das auf dem Sundance Filmfestival gespielt wurde, um einen innovativen Autorenfilm, der sich durchaus von der ansonsten gezeigten Durchschnittsware wohlwollend abhebt.
„I Origins“ ist zwar mitunter etwas behäbig erzählt, dabei stellenweise langatmig, aber nicht langweilig, sondern vielmehr nachdenklich und emotional. Man erhält einige Einblicke in die Forschungen des Wissenschaftlers, der sich besonders für Augen interessiert und sie erforscht, letztendlich aber vor allem die Existenz eines Gottes zu wiederlegen versucht. Er freut sich schließlich wie ein Kind, als er zeigen kann, dass das menschliche Auge evolutionär auch ohne das Eingreifen eines Schöpfers entstanden sein kann und damit ein beliebtes Argument des Kreationismus zu widerlegen vermag. Dennoch verliebt er sich in eine junge Ausländerin, die weit weniger kühl und rational ist als er, vielleicht sogar etwas naiv bzw. kindisch. Von Anfang an gewinnt man den Eindruck, dass seine Laborpartnerin eigentlich viel besser zu ihm passen müsste.
Es ist diese Ambivalenz, die den Protagonisten so interessant macht, er erlebt zahlreiche Zufälle, schwere Schicksalsschläge und einige nicht rational erklärbare Ereignisse, will diese aber nicht wirklich wahrhaben. Als schließlich das Augenpaar seiner toten Frau bei einem Iris-Scan in Indien entdeckt wird, muss seine neue Frau ihn förmlich zwingen, nach Indien zu reisen. Dort werden seine Grundsätze, seine obersten Maximen, dann auf eine harte Probe gestellt. Die Geschichte ist so durchaus vielschichtig und lässt Raum für Interpretationen, sie ist emotional ohne dramatisch allzu sehr überhöht zu werden. Cahill ist hier also durchaus eine zeigenswerte Geschichte gelungen, die immer wieder überraschende Wendungen einschlägt, ohne den roten Faden aus den Augen zu verlieren. Das Ende, vielleicht etwas zu kitschig inszeniert, rundet den Film dann gelungen ab.
Der unaufgeregte Erzählstil lässt dabei Raum für Emotionen und eigene Interpretationen und passt damit zum insgesamt sehr nachdenklichen Film. Er bremst den Film aber auch ein wenig aus und sorgt für eine etwas langatmige erste Filmhälfte, bis das Geschehen dann nach dem Tod der jungen Frau an Fahrt gewinnt. Am Anfang hätte Cahill das Geschehen durchaus ein wenig beschleunigen können, in der zweiten Filmhälfte ist sein ruhiger Erzählstil dann aber durchaus passend. Der Rest ist solides Handwerk und ebenso routinierte Schauspielerei, wenngleich echte Glanzleistungen ausbleiben.
Fazit:
„I Origins“ überzeugt mit einer vielschichtigen und innovativen Story, womit er sich durchaus von diversen 0815-Produktionen abzuheben vermag. Aufgrund des unaufgeregten Erzählstils, der Raum für Gedanken und Emotionen lässt, nimmt das Geschehen leider etwas zu langsam an Fahrt auf, dafür entschädigt dann aber die überaus gelungene zweite Filmhälfte. Durchaus sehenswert.
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