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Schon seit er ein kleiner Junge ist, interessiert sich Ian (Michael Pitt) für menschliche Augen - seither fotografierte er hunderte Augenpaare von Familienangehörigen, Freunden und Bekannten. Mittlerweile ist er erwachsen und studiert Molekularbiologie, und natürlich spielen Augen auch hier eine wichtige Rolle in seiner täglichen Laborarbeit: Er würde gerne nachweisen, daß bei einigen der blinden Würmer in seinen Petrischalen eine Sehfähigkeit herzustellen sei - anhand eines bestimmten Gens, das er in einer langen Testreihe herauszufinden gedenkt. Aber ansonsten hat Ian, ein unauffälliger Brillenträger Anfang 20, eigentlich keine Probleme: Auf einer Verbindungsparty lernt er die flippige Sofi (Astrid Bergès-Frisbey), die eine Strumpfhose mit Augenausschnitten über das Gesicht gezogen hat, kennen und ist von ihr begeistert - nachdem er ihre Augen mit der stets mitgeführten Kamera hat abknipsen dürfen, reicht es immerhin noch für einen Schnellfick am Klo. Ian verliebt sich Hals über Kopf in Sofi und zieht schon bald aus seiner Studenten-WG zu ihr - eine etwas schräge Beziehung, denn Sofi ist ziemlich das genaue Gegenteil von Ian, glaubt an Reinkarnation und hat für wissenschaftliche Beweise und die Evolutionstheorie wenig übrig. Dafür machen die Laboruntersuchungen an den Würmern Fortschritte: Ians neue Assistentin Karen (Brit Marling) gelingt der Nachweis des gesuchten Gens - doch als er Sofi mit ins Labor schleppt, ist diese vollkommen desinteressiert. Als das Pärchen abends in einem Lift steckenbleibt, gelingt es Ian über das Kabinendach herauszuklettern, Sofi dagegen werden vom herabsausenden Lift die Beine amputiert und sie stirbt.
7 Jahre später hat Ian, inzwischen ein anerkannter Biologe, die wesentlich besser zu ihm passende Karen geheiratet und das Paar erwartet Nachwuchs - aber irgendetwas stimmt nicht mit dem Säugling: es hat mit dessen Augen zu tun...

Anhand dieser Einleitung, die etwa die ersten 30 Minuten des Films skizziert, mag der geneigte Zuseher schon erahnen, daß dieses sehr spezielle Thema mit den Augen nur für einen äußerst beschränkten Kreis des Publikums interessant sein könnte - es ist jedoch noch der bessere Teil dieses langweiligen Dramas, das weder Spannung noch Entwicklung kennt und im weiteren Verlauf immer mehr in Belanglosigkeiten versinkt. Was sich Regisseur Mike Cahill dabei gedacht hat, bleibt rätselhaft: Sollte es sich um eine filmische Debatte zwischen eher (sehr zart) religiös angehauchten Positionen (wie der von Sofi) oder (zunächst) streng wissenschaftlich argumentierenden Personen (wie Ian und seiner Frau) handeln, wurde das Ziel klar verfehlt, denn besonders Erstere kommt viel zu diffus und vage herüber: "Wiedergeburt" als Floskel einer das Leben genießenden französischen Austauschstudentin, die noch dazu viel zu früh stirbt, ist hier bestenfalls eine nebensächliche Schwärmerei und für einen Diskurs schlicht ungeeignet.

Während Trauer und Erinnerung zunächst keine Rolle im Leben des jungen Wissenschaftlers zu spielen scheinen (ein filmdramatisch sowieso unerklärlich harter Schnitt nach dem tödlichen Liftunfall) kommt das Thema Sofi erst wieder viele Jahre später auf, als in einer Augen-Datenbank Übereinstimmungen von Ians Sohn mit einem anderen der dort hinterlegten Datensätze auftauchen - dabei sollten sich die Augen eines jeden Menschen (ähnlich wie Fingerabdrücke) eigentlich unterscheiden. Diese den bald eingeschlafenen Zuschauer noch mehr einlullende Erkenntnis versetzt Ian jedoch in Hochstimmung und er forscht nach dem Ursprung des identischen Augenpaares, was ihn schnurstracks nach Indien führt. Dort plakatiert er das nämliche Augenpaar und entdeckt mit dem nur einem miserablen Filmdrehbuch eigenen Glück auch dessen Besitzerin - ein kleines Waisenkind. Wirklich nett - für wen auch immer, für mich nicht.

Ein als Liebesfilm begonnener Streifen mit pseudo-wissenschaftlichem Ansatz, der danach völlig baden geht und ohne größere Konklusion bleibt - reine Zeitverschwendung. 2 Punkte.

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