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A long time ago…

Ist es nun wirklich schon 7 Jahre her, dass der TV-Serie „Veronica Mars“ aufgrund zu schlechter Quoten ein viel zu früher Tod beschieden wurde? Ein Blick in die Archive bestätigt: Es ist in der Tat lange Zeit her, dass die smarte Teenager-Detektivin mich und Millionen weitere Fans weltweit mit ihrem Spürsinn und ihrer spitzen Zunge begeisterte.

… we used to be friends…

Was nach dem Serienende geblieben ist, ist eine Freundschaft der breiten Fanbasis, den „Marshmallows“, gegenüber der Serie, die ungebrochen die Jahre überlebte und ihresgleichen sucht.

… But I haven't thought of you lately at all…

Die Fans haben „ihre“ Veronica ganz und gar nicht vergessen… So war es, nachdem Serienschöpfer Rob Thomas zur Finanzierung des Leinwand-Abenteuers von Veronica Mars eine kickstarter-Kampagne startete, nicht wirklich verwunderlich, dass die angepeilte Summe von 2 Millionen US-Dollar binnen eines Tages geknackt wurde. Die „Marshmallows“ taten das, was die Warner Studios nicht wollten: Sie gaben Rob Thomas und seiner Crew das Vertrauen und die nötigen finanziellen Mittel, um die südkalifornische Kleinstadt Neptune noch einmal Schauplatz eines Falls der Detektivin Veronica Mars werden zu lassen.

Wir machen also gemeinsam mit Veronica Mars (Kristen Bell) einen Zeitsprung um genau 9 Jahre. 9 Jahre sind vergangen, seitdem sie ihrer Heimatstadt Neptune den Rücken gekehrt hat und begonnen hat, die Karriere-Leiter zu erklimmen. Die Rückkehr nach Neptune, die eigentlich mit dem 10jährigen Klassentreffen der Neptune High in Kürze anstehen würde und die sie ursprünglich vermeiden wollte, kann sie nur schwer umgehen: Popsternchen Carrie Bishop (Andrea Estella) ist ermordet worden und der Mordverdächtige ist Veronicas Ex-Freund Logan Echolls (Jason Dohring). Zunächst nur zur Hilfe eilend, um Logan bei der Auswahl eines geeigneten Verteidigers zu unterstützen, findet sich Veronica schnell wieder in ihren alten Verhaltensmustern wieder und beginnt, ihre eigenen Ermittlungen zu führen…

„Just when I thought I was out… They pull me back in…“

Dieses Zitat aus „Der Pate III“, das Veronica bereits in Staffel 2 der Serie bemühte, trifft auch hier auf die Situation unserer Titelheldin zu. Unverhofft kommt sie wieder in das Business des Investigierens. Popkulturelle Referenzen waren ohnehin eine der dauerhaften Bestandteile der Serie und auch in der Leinwand-Adaption des Serienstoffs geizen die Drehbuchautoren Rob Thomas und Diane Ruggiero nicht mit Zitaten und Anspielungen auf Klassiker der TV-Serien- und Kinogeschichte. Dies ist eine Kontinuität im Konzept „Veronica Mars“, die Cineasten, Serienjunkies, aber vor allen Dingen die Fans der Serie erfreut. Noch erfreulicher ist, dass nahezu der gesamte Stamm-Cast der Serie für den Kinofilm verpflichtet wurde. Wir begegnen also neben unserer Titelheldin und Logan Echolls auch den alt bekannten Gesichtern wie Veronicas Vater Keith (Enrico Colantoni) sowie ihren Wegbegleitern aus High-School- und College-Zeiten Wallace Fennel (Percy Daggs III), Cindy „Mac“ Mackenzie (Tina Majorino), Eli „Weevil“ Navarro (Francis Capra) und Dick Casablancas (Ryan Hansen).

Man kann sich durchaus vorstellen, dass nicht nur in der Filmhandlung ein Klassentreffen stattfand; auch am Set muss für alle Beteiligten die Atmosphäre eines Klassentreffens bestanden haben, bei dem man sich nach langer Zeit endlich wieder sieht und in Erinnerungen schwelgen kann. In Anbetracht der Lockerheit und der Spielfreude aller Darsteller wird deutlich, dass die Stimmung während des gesamten Drehs hervorragend gewesen sein muss. Ein Faktor, der dem gesamten Erscheinungsbild von „Veronica Mars“ zu Gute kommt.

Rob Thomas gelingt dabei die Gratwanderung, die Vorgeschichte aus der TV-Serie anzureißen, um Neulingen im „Mars-Universum“ eine ordentliche Basis für den Einstieg in den Film zu verschaffen (verrät dabei jedoch nur so viel, dass es Neulingen auch nach dem Film noch zumutbar ist, die Serie für sich zu entdecken) und dennoch gleichzeitig für die Fans Referenzen an die Geschehnisse aus den drei Serienstaffeln einzustreuen.

A long time ago, we used to be friends

Generell muss, wenngleich der Einstieg in die Kleinstadt Neptune auch ohne Serienkenntnisse direkt über den Film gelingen kann, gesagt werden, dass wir es im Falle von „Veronica Mars“ mit einem Film zu tun haben, der in vielerlei Hinsicht primär auf die Fanbasis ausgerichtet ist. So bekommt der „unkundige“ Filmfan einen mehr oder weniger klassischen Whodunit-Plot geliefert, der sich – kritisch betrachtet – nur unwesentlich von 08/15-Krimis unterscheidet. Gegenüber anderen Vertretern des Genres kann „Veronica Mars“ jedoch durch sympathische Charaktere und sehr viel Wortwitz punkten. Fans der Serie dürfen sich als Teil dieses besonderen „Klassentreffens“ sehen, alte Freunde treffen und in Erinnerungen an die guten, alten Zeiten an der Neptune High schwelgen. In jedem Fall ist Rob Thomas mit „Veronica Mars“ eine würdige Adaption des hervorragenden Serien-Stoffs und ein guter, humorvoller Vertreter des Krimi-Genres gelungen. Mit aufgesetzter Fanbrille 8,5/10 Marshmallows, ohne Fanbrille noch weiterhin gute 7/10. Go, Pirates!

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