Review

Gesamtbesprechung

Ein Roboter, der für seinen Besitzer all den lästigen Alltagskram erledigen kann und dazu noch wie ein Mensch aussieht und sich auch so bewegt? In der Realität bis jetzt noch reine Utopie, sind eben diese humanoiden Roboter im Anime CHOBITS längst allgegenwärtig. Jeder der was auf sich hält und auch über die nötige Menge Kleingeld verfügt, besitzt solch einen „Persocom“ genannten Computer. Diejenigen ohne Geld brauchen halt irgendwie Glück, um auch an einen zu gelangen, so wie Hideki Motosuwa. Nach einem abendlichen Supermarktbesuch findet er einen kaputten Persocom neben ein paar Mülltonnen... Klar, dass Hideki nicht lange zögert und ihn mit nach Hause nimmt. Doch irgendwas scheint mit diesem Modell nicht zu stimmen, denn alles was Hidekis Fund in Gestalt eines hübschen Mädchens von sich gibt, ist ein zaghaftes "Chii!"...

Wie so viele Anime, findet auch Chobits seinen Ursprung in einer gleichnamigen Manga-Reihe. Diese wurde von CLAMP erdacht, einer Gruppe Mangaka, die ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern besteht und die neben Chobits auch so einige andere recht bekannte Sachen auf dem Kerbholz haben: Magic Knight Rayearth, Angelic Layer, xxxHolic, Tsubasa, um nur mal ein paar zu nennen. Während diese aufgezählten Werke eher in die Fantasy-Schiene passen, haben die Mädels von CLAMP Chobits als Romantic-Comedy konzipiert, wobei der Comedy-Anteil für meinen Geschmack leicht überwiegt. Da Chii offensichtlich ein besonderes Exemplar der Persocom-Serie ist, muss Hideki ihr anfänglich alles beibringen. Chii selbst orientiert sich dabei wie ein Kleinkind an ihrem Mentor und macht ihm so gut wie alles nach, was ungemein niedlich und komisch anzuschauen ist. Die anderen Gags bestehen meist aus eher harmlosen erotischen Anspielungen, die in der Regel ein gewisses Niveau halten können und nur selten danebengehen beziehungsweise zu schlüpfrig werden.

Im Laufe der Serie wird recht schnell klar, dass die Persocom nicht einfach nur schnöde, mit coolen Funktionen ausgestattete High-End-Rechner im attraktiven Design sind. Für viele ihrer Besitzer sind sie quasi Partnerersatz, oder sorgen zumindest indirekt dafür, dass der Wunsch nach einer „normalen“ Liebesbeziehung deutlich abnimmt. Die Ursachen dafür bleiben den Interpretationen des Zuschauers überlassen. Eines scheint jedoch sicher: Ein gewöhnlicher Persocom könnte seinen Besitzer niemals aus eigenem Ermessen verletzen. Er spult nur Programme ab, mögen sie auch noch so real erscheinen. Doch je lebensechter diese sind, desto größer auch die Gefahr, sich von den Persönlichkeit suggerierenden Softwareroutinen blenden zu lassen. Möglicherweise gibt man sich deshalb leichter einer illusorischen, weil einseitigen Persocom-Liebe hin, als die Nachteile einer realen Beziehung in Kauf zu nehmen.

Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn Chii in „ihren“ Büchern liest. Hierbei kann man viel über ihre Motivation und ihrem Verhalten Hideki gegenüber erfahren und die Entwicklung am Ende der Serie wird leichter nachvollziehbar. Der Anime wechselt in diesen Momenten den Zeichenstil komplett, setzt auf eine Art Kinderbuch-Optik. Diese visuelle Abwechslung passt sehr gut in das Gesamtbild von Chobits, gibt er doch Chiis Wesen und die Situation, in der sie sich gerade befindet, mit diesem ungewöhnlichen Stilmittel perfekt wieder.

Die deutsche Synchro wurde von vielen Anime-Fans verteufelt, in den meisten Fällen auch zu recht. Der Cast der deutschen Sprecher ist denkbar schlecht ausgefallen. Dabei kann man diesen nicht mal mangelndes Engagement vorwerfen, es ist vielmehr so, dass ihre Stimmen schlicht und einfach nicht zu den entsprechenden Rollen passen. Bei all dem Gezeter wird aber eins vergessen: Chiis deutsche Synchronisation steht dem japanischen Original in nichts nach! Die schwierige Sprechrolle, in der nicht bloß einmal eine ganze Palette von Emotionen durch ein einziges Wort zum Ausdruck gebracht werden muss, wird von der Sprecherin (Barbara Seifert) bravourös gelöst. Das kann die anderen Fehlgriffe zumindest etwas abmildern. Soundtrack-seitig konnten mich nur die Endings überzeugen, das fröhliche „Raison d'être“ (gesungen von Rie Tanaka, Chiis Stimme im Original) animiert regelrecht zum Mitpfeifen… Und Achtung! Bei Chobits gibt’s wieder eines dieser "gefährlichen", einsilbigen Pseudowörter. Wer schon bei „Nyuu!“ (Elfenlied) oder auch "Gao!" (AIR) schwach geworden ist, dem wird es bei Chobits ähnlich ergehen. Der Effekt ist verblüffend, eigentlich sollte spätestens nach dem dritten "Chii!" auch beim letzten (männlichen) Zuschauer der Beschützerinstinkt aktiviert worden sein, was wiederum für eine passable Identifikation mit dem männlichen Hauptpart Hideki sorgt.

Über die wenigen Schwächen (manchmal zieht sich die Story etwas in die Länge, der ein oder andere Gag, der danebenging), die der Anime sich leistet, kann man ohne weiteres hinwegsehen, und das ist größten Teils einer zum Niederknien süßen Titelheldin zu verdanken. Um zum Abschluss zu kommen: für diejenigen, die Rom-Com Anime mögen ist Chobits Pflicht. Punkt.

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