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„A.T.F.“ behandelt das an sich recht interessante Thema der militanten Sekten in den USA, lässt aber viel Potential ungenutzt.
Das bekannteste Ereignis im Zusammenhang mit der Geschichte des A.T.F. (Alcohol, Tobacco & Firearms) ist wie in der Realität das Desaster von Waco, bei dem vier A.T.F.-Agenten erschossen wurden und jede Menge Zivilisten in einem Brand umkamen. Die Chefin des A.T.F., Maggie Hale (Kathy Baker), muss sich dafür vor einem Untersuchungsausschuss verantworten und auch die Team-Mitglieder sind schockiert, da alle bisherigen Operationen glatt liefen. Die Beleuchtung der Waco-Tragödie ist an sich ganz interessant, aber oberflächlich.
Zu den an dem Waco-Zwischenfall beteiligten Agenten gehört auch Robyn O'Brien (Amy Brenneman), deren Bruder bei dem Desaster erschossen wurde. Sie ist verzweifelt, zerstreitet sich mit ihrer Chefin und geht mörderische Wagnisse entgegen der Befehle ihrer Vorgesetzten ein, was ihren Stand im A.T.F. schwächt, auch wenn sie für ihre Team-Kameraden eine Heldin ist. Außer der Tatsache, dass es dieses mal eine Frau ist, werden die verzweifelter-Cop-Klischees á la Martin Riggs in „Lethal Weapon“ variiert.

Doch in dieser prekären Lage stoßen ausgerechnet Robyn und ihr Partner Reeve (Vincent Angell) auf eine neue militante Sekte, die Waffen herstellt und hortet. Da die beiden einen kleinen Fisch als Informanten zwangsrekrutieren und so Kontakt herstellen können, wird ihnen widerwillig der Fall übergeben. Mit dem gespannten Klima und der Gefahr eines zweiten Desasters á la Waco versuchen die beiden, die Sekte ohne Blutvergießen festzusetzen...
Das Thema ist an sich interessant und der Film besitzt auch ein gebührendes Maß an Respekt dem Waco-Desaster gegenüber. So werden auch nicht alle Sektierer und Miliz-Angehörigen als gewissenlose Killer, sondern als Menschen dargestellt. Die Story besitzt auch einige recht spannende Momente, die wirklich gut sind. Doch leider bleibt „A.T.F.“ immer auf TV-Niveau (ist auch eine TV-Produktionen) und kommt nicht über diese Standards hinaus. So ist der Plot mit Not auf die richtige Spielfilmlänge gebracht und zwischen einzelnen spannenden Momenten herrscht Langeweile.
Auch die Subplots wie z.B. das selbstmörderische Verhalten Robyns oder die Liebesbeziehung zwischen ihr und Reeve sind nichts weiter als Standard, die den Film nicht wirklich würzen. Die Regie ist jedoch relativ gut und kann den Film optisch auf ganz nettem TV-Niveau präsentieren, so dass es nicht so viel Leerlauf gibt.

Um über den TV-Durchschnitt hinauszukommen fehlt „A.T.F.“ vor allem eines Action: Abgesehen von der Waco-Rückblende am Anfang und dem minimalen Hauch eines Showdowns herrscht hier absolute Action-Ebbe und die wenigen Actionszenen sind auch nur Standard, der nicht begeistern kann. Dabei wäre vor allem gegen Ende mehr Action möglich gewesen, die den schemenhaften Thrillerplot doch deutlich aufgepeppt hätte.
Die Schauspieler sind allesamt Nobodies, von denen man den ein oder anderen allerdings vom Gesicht her schon mal woanders gesehen hat. Die Darsteller agieren dem Niveau des Films angemessen: Absoluter Durchschnitt, wie man es von TV-Produktionen fast schon erwartet.

„A.T.F.“ ist ein durchschnittlicher Thriller, der seine Sekten- und Spezialeinheiten-Thematik nicht ideal ausnutzt und mehr Action bräuchte.

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