"Ich habe immer von so einem Abenteuer geträumt."
Jim Hawkins ist seit seiner Kindheit fasziniert von der Legende des Weltraumpiraten Flint. Dieser soll über Jahre Schiffe überfallen und die erbeuteten Schätze auf einem fernen Planeten versteckt haben.
Als Jugendlicher ist Jim mangels einer väterlichen Figur impulsiv und aufbrausend. Das Gasthaus, in dem er und seine Mutter arbeiten, sieht er als seine persönliche Endstation an. Dann aber kommt Jim unverhofft an eine Kugel, die eine holographische Schatzkarte enthält. Überzeugt, dass es sich hier um den Schatzplaneten handelt heuern Jim und der langjährige, hundeähnliche Gast Dr. Doppler auf einem Weltraumschiff unter Führung des katzenähnlichen Captain Amelia an. Da auch Jim sich auf dem Schiff nützlich machen soll wird er direkt in die Küche versetzt, wo ihn der Cyborg John Silver unter seine Fittiche nimmt. Nach anfänglicher Skepsis freunden sich die beiden an.
Wenn es um Verfilmungen von Robert Louis Stevenson's wendungsreichen Jugendroman "Die Schatzinsel" geht, gilt von den über 20 Varianten der vierteilige Fernsehfilm aus dem Jahre 1966 als die gelungenste Variante. Zahlreiche Regisseure haben sich auch später an der Geschichte versucht und sind überwiegend gescheitert.
Disney geht ein wenig anders vor. "Der Schatzplanet" strafft die Handlung nicht nur auf ca. 90 Minuten, sie wurde auch dem Meer entrissen und ins Weltall portiert. Und trotz diesem harten Eingriff funktioniert der sehr abenteuerliche Zeichentrickfilm recht gut.
Fanatische Puristen werden sicherlich aufschreien. Wie kann man eine so durchdachte, klassische und bodenständige Geschichte nur so seinem Szenario entreißen? Der Witz ist: Trotz der Modernisierung ist "Der Schatzplanet" im Kern noch genau das, was "Die Schatzinsel" ausmachte. Es ist eine Geschichte über eine charakterlich fehlende Vater-Sohn Beziehung, gegenseitigen Respekt und ein Kräftemessen bei einer Schatzsuche.
Dass die Handlung auch noch in andere Bahnen gelenkt wird und das Thema Familie ganz groß geschrieben wird, ist sicherlich ein Kritikpunkt, den sich Disney schon allzu oft anhängen lassen musste. Dafür muss man sich diesmal nicht mit einer Romanze und ausufernden musikalischen Einlagen herumquälen.
Die Figuren sind schnell sympathisch, gerade, weil sie tierischer Herkunft sind oder angenehm überdrehte Charakterzüge haben. Der Protagonist selbst ist bewusst menschlich und somit ein schneller Identifikationsmagnet. Leider mangelt es den Figuren an einer tiefgründigen Zeichnung. Dennoch funktioniert das spätere Tauziehen zwischen Protagonist und Antagonist überwiegend gut. Nur das Ende ist, etwas im Gegensatz zum Roman, doch extrem geschönt.
Neben seiner düsteren, abenteuerlichen Stimmung ist es immer wieder der gelungene Witz, der "Der Schatzplanet" angenehm auflockert. Neben Situationskomik und diversen Running Gags heben auch so manche Dialoge den Spaß an.
Flotte Kamerafahrten durch futuristische Settings und mittels zukünftiger Transportmöglichkeiten machen den Zeichentrickfilm sehr temporeich. Die eingestreute Action wechselt sich optimal mit ruhigen, weltenbeschreibenden Sequenzen ab. Die Figuren sind leicht kantig gezeichnet während Hintergründe und Effekte überwiegend digitaler Herkunft sind und bombastische Kulissen erschaffen.
Sicher ist "Der Schatzplanet" nicht Disney's bester Zeichentrickfilm, aber vor der Ablösung zur kompletten Animation aus dem Rechner sicherlich der abenteuerlichste. Die Umsetzung des Jugendromans und Anpassung an ein Science-Fiction Setting ist gelungen, ohne, dass der Geist der Vorlage verloren geht. Nur die überhastete Erzählweise, Kitsch und Klischees stören den guten Eindruck ein Stück.
8 / 10