Review

Gesamtbesprechung

Einer Animé-Serie, die im Nachmittagsprogramm von RTL2 läuft, ist man ab einem bestimmten Alter ja eher abgeneigt, was sich bei Inuyasha jedoch keinesfalls bestätigen kann. Denn was im Fernsehen zwischen diverse Animé-Serien für die Kleinsten gepresst wurde, fiel natürlich kläglich der berechnenden Verstümmelungsschere zum Opfer, um der Serie einem breiteren Publikum, respektive allen Kindern einer ganzen Nation, zugänglich zu machen. Worüber die eigentlichen Anhänger von Inuyasha nur die Nase rümpfen können.

Erfunden von der Manga-Zeichnerin Rumiko Takahashi wurde die Geschichte Inuyashas bald von der gleichnamigen Animé-Serie adaptiert und in mehr als 160 Episoden erzählt.

Inuyasha, der titelgebende Held der Serie, ist ein Halbdämon, der im mittelalterlichen Japan den einen Wunsch hat: mit Hilfe des "Juwels der vier Seelen" ein vollwertiger Dämon zu werden. Als er das Juwel jedoch aus einem Tempel stehlen will, rechnet er nicht mit der Priesterin Kikyo—seine große Liebe—, die ihn von diesem Vorhaben abhalten will und ihn nach einem wilden Kampf für die nächsten 500 Jahre mit einem Pfeil an einen Baum heftet—bis irgendwann in unserer heutigen Zeit das Schulmädchen Kagome rein zufällig durch einen Brunnen zurück in die Epoche der kriegerischen Staaten reist, und Inuyasha aus seiner Gefangenschaft befreit. Als Kagome aus Versehen schließlich das Juwel der vier Seelen zerstört, verstreuen sich dessen Splitter übers ganze Land. Ihre Aufgabe ist es nun mit Inuyashas Hilfe die Splitter zurückzubekommen, denn jeder Dämon, der auch nur einen einzigen Splitter dieses heiligen Juwels findet, verstärkt seine Kräfte und kann das Land unsicher und gefährlich machen.

Nach und nach bekommen Inuyasha und Kagome einige Splitter zurück, was nicht zuletzt durch brenzlige Kämpfe geschieht, und während sich Kagome und Inuyasha, trotz ständiger Streits, langsam zueinander hingezogen fühlen und sich weitere Hauptpersonen wie der Mönch Miroku, die Dämonenjägerin Sango oder der Fuchsdämon Shippo zu ihnen gesellen, ruhen auch die Dämonen nicht. Und dann gibt es da noch den Oberfiesling Naraku, der das Juwel mit allen Mitteln haben will.

Die Juwelensuche, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Serie zieht und den Haupterzählstrang von Inuyasha ausmacht, ist bei Weitem nicht alles, mit dem sich das Animé beschäftigt. Weitere Erzählfäden wie die einstige Liebe zwischen Inuyasha und Kikyo, deren Seelenwanderung in Kagomes Körper und späterer (allerdings seelenlosen) Wiederbelebung, die Geschichte von Inuyashas Halbbruder, dem bösen wie edlen Dämonen Sesshomaru, und der ständige Konflikt, in dem die Hauptpersonen mit sich selbst oder aber mit anderen Personen oder Flüchen stehen, machen Inuyasha zu einer überaus sehenswerten Animé-Serie. So leidet z.B. der Mönch Miraku, der buchstäblich hinter jeder Frau im Land her ist, unter einem schwarzen Loch in seiner Hand, mit dem er besonders unliebsame Zeitgenossen aus dem Leben befördern kann, das aber ebenso sehr eines Tages seine eigene Existenz auslöschen soll. Dann gibt es die beiden Schwerter Tessaiga und Tenseiga, wobei das eine—Tessaiga—das Inuyasha besitzt, töten und ganz besondere Kräfte freisetzen kann, während Tenseiga, das Sesshomaru besitzt, hingegen Leben retten kann. Was sich anfangs als geradlinige, einfach gestrickte Story präsentiert, wird bald schon weitaus komplizierter und weiß durch einige geniale Ideen zu gefallen.

Auch die Charakterdarstellungen der einzelnen Personen ist überaus gelungen. Selbst (Halb-)Dämonen, die ja allesamt als böse gelten, haben durchaus gute und freundliche Eigenschaften, wie z.B. gut bei Shippo oder aber auch, nach einer langfristigen Wandlung, Inuyasha selbst zu erkennen. So ist es für die kleineren Zuschauer nicht unbedingt nachzuvollziehen, wer denn nun gut und wer böse ist, da auch die Bösen öfters mal auch etwas Gutes haben. Sämtliche Hauptersonen in Inuyasha haben einen hohen Wiedererkennungswert, was sowohl das unterschiedliche Aussehen als auch ihre Charaktere, die sich im Laufe der Serie weiterentwickeln, betrifft. Konflikte, die diese unterschiedlichen Denkweisen der Hauptfiguren nach sich ziehen, werden gern mit einer Portion Humor dargestellt. So wird in Inuyasha oft gestritten und gefiest, was mitunter nerven kann, insgesamt aber die oft düstere Atmosphäre der Serie ein wenig auflockert und auf alle Fälle gut tut. Der Humor ist allerdings meistens eher kindisch und kindliche Figuren wie Shippo tun dann ihr übriges, dass Inuyasha gern vorschnell als Kinderserie abgestempelt wird.

Inuyasha verarbeitet geschickt das Leben unserer heutigen Zeit (auch wenn die Szenen, in denen Kagome in der heimatlichen Großstadt lebt, relativ selten sind) mit den Mythen und Ritualen des japanischen Mittelalters und würzt das Ganze mit einer großen Portion Fantasie und Humor. So sind z.B. auch Figuren wie Inuyasha oder Shippo an Figuren der japanischen Mythologie angelehnt und auch Elemente wie Wiederbelebung oder ruhelose Geister kommen nicht von ungefähr.

Selbst wenn einige Folgen von Inuyasha lediglich als Lückenfüller dienen, so bleibt die Serie insgesamt spannend und flott und nimmt sich immer so viel Zeit, wie sie für die Darstellung eines Konflikts, der sich in nahezu jeder Folge selbstverständlich auf das Erwerben eines weiteren Juwelensplitters konzentriert, braucht. Insgesamt ist Inuyasha nur selten langweilig und wenn es so manches Mal ziemlich kindisch wirkt, so weiß die Serie doch mit ihrer oftmals düsteren, bedrohlichen Atmosphäre und einem konstanten Spannungsbogen auch die Älteren zu überzeugen. Reinschauen lohnt sich!

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