Review

kurz angerissen*

Irgendwie möchte man bezweifeln, dass einen Mr. Moto Gewissensbisse dabei plagen, wenn er die Identität eines Mörders annimmt, um so einem anderen Mörder zur Flucht aus dem Gefängnis zu verhelfen. Auch als stoppelbärtiger Verbrecher im Overall geht Peter Lorre wieder völlig in seinem absurden Erscheinungsbild auf und schert sich nicht darum, dass er dabei einem aufgebrachten Al Capone ähnelt, den man gerade enteignet hat und der sich nun seine rechtmäßige Macht zurückzuholen gedenkt. Dass er schließlich einen Großteil seines neuen Falls als unterwürfiger Diener getarnt verbringt und sich an der Bar auch mal ohne Gegenwehr herumschubsen lässt (unter anderem von Regisseur Norman Foster in einem Cameo), gehört zur Wandlungsfähigkeit des Charakters, den er als strategisches Instrument einsetzt, um den latenten Rassismus seiner Mitspieler gegen sie zu richten, egal, ob es sich dabei um einen einfachen Zollbeamten oder einen verschlagenen Bösewicht handelt. Diese Taktik wird sogar über die innerfilmische Handlung hinaus an der Realität angewandt: In einer Szene gegen Ende setzt Lorre nämlich zum Höhepunkt seiner Scharade an, indem er mit Verweis auf das „entartete“ Kunstverständnis der Nazis sogar als konservativer deutscher Kunstkritiker in Erscheinung tritt, der sich auf einer Vernissage völlig daneben benimmt.

Ungeachtet der wieder einmal abenteuerlichen Eskapaden des Hauptdarstellers ist „Mr. Moto und der Kronleuchter“ eigentlich ein recht elegant aufgezogener Fall, dessen Ausstattung mit der Exotik des Dschungel-Vorgängers nicht mehr viel gemein hat. Spielbestimmend ist vielmehr der Low-Key-Stil der Kriminalfilme jener Zeit, was Lorre letztendlich aber nur noch mehr Gelegenheit gibt, sein raffiniertes Verwirrspiel zu arrangieren und sich dabei im Halbdunkel zu verstecken.

Wem also die Ermittlungen von Bogart und Welles zu dröge sind, der bekommt im fünften Moto-Fall eine abwechslungsreiche, schwer unterhaltsame Alternative geboten. Spätestens, wenn sich Lorres Stuntdouble mit waghalsigen Hechtsprüngen seinen Weg zur Aufhängung des Kronleuchters bahnt, steht fest: Vor seinen früheren Einsätzen muss sich dieser nicht verstecken.



*weitere Informationen: siehe Profil

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