Review

Für die Qualität eines guten Slashers sprechen nicht nur kreative Ableben, sondern ein möglichst intensives Mitfiebern mit den Überlebenskämpfern. Wenn es drei Autoren jedoch hinbekommen, sämtliche Protagonisten als Charakterschweine zu entpuppen, um danach mutlos dahinsiechen zu lassen, darf man kaum mehr auf die Gunst der Genrefreunde hoffen.

Kennedy und Ryan wollen nächste Woche heiraten, also steht der gemeinsame Junggesellenabschied in einer abgelegenen Hütte in den Wäldern Kanadas an. Noch feiern die sechs Freunde ausgelassen, doch schon bald kommen dunkle Geheimnisse ans Tageslicht, während ein Unbekannter die Jagd auf die Anwesenden einläutet...

Der Einstieg verläuft recht schleppend und lediglich der düstere Hinterwäldler und Hausverwalter und einige tote Vögel auf der Veranda lassen sich als dunkle Vorzeichen deuten. Danach wird breit und lang gefeiert, es werden Zwiegespräche geführt und nach und nach macht sich jeder komplett unsympathisch: Einer ist ein Kleinkrimineller mit finanziellen Problemen, zwei gehen fremd, ein weiterer macht unpassende Streiche, während die Braut viel zu besessen von der eigenen Hochzeit ist und gar nicht mitbekommt, wer um sie herum falsch spielt. Da wundert es schon ein wenig, dass das Paar Benson und Benson nicht nur die Hauptrollen einnimmt, sondern sich ihre eigenen Charaktere so unpassend ins Drehbuch gekleistert hat.

Es dauert letztlich rund 50 Minuten, bis es mit den Ableben losgeht und auch diesbezüglich macht sich rasch Ernüchterung breit, da die meisten Morde außerhalb der Kameralinse stattfinden und bis auf Platzwunden, Stichverletzungen und abgehackte Fingerkuppen nichts weiter auszumachen ist. Einzig das Whodunit hält einigermaßen bei Laune, da es im letzten Drittel zu mehreren Twists kommt und der Verdacht alle paar Minuten umschwenkt.
Allzu viel Logik steckt im Endeffekt nicht hinter dem Motiv und zudem wird die Einstiegsszene reichlich ad absurdum geführt, doch immerhin bleibt es nicht beim Verdächtigen, dem man bereits nach zehn Minuten alle Gesetzesbrüche unterjubeln würde.

Darstellerisch sind keine wirklich bekannten Gesichter auszumachen, dennoch wird halbwegs passabel performt und auch sonst ist handwerklich kaum ein auffälliges Manko auszumachen. Allenfalls der Score hätte etwas mehr antreiben können, während die Ausstattung ebenfalls nur zweckdienlich ausfällt, da neben der hübsch gelegenen Waldhütte nicht viel mehr benötigt wurde.

Genrefans müssen ergo viel Geduld mitbringen, bis sich überhaupt mal etwas in dem Wäldchen ereignet und auch dann verläuft die Chose vergleichsweise blutarm und wenig kreativ, während allenfalls ein paar Wendungen bei Laune halten.
Demnach beileibe kein Genrehighlight und nur etwas für eingefleischte Fans, die ohnehin jeden Beitrag mitnehmen.
Knapp
4 von 10

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