Review
von Leimbacher-Mario
Cronenberg fickt Hollywood
Kaum einer kann Satire (oder fast Groteske) so grausam, geschickt & fies wie David Cronenberg. Der für seine Bodyhorror-Meilensteine bekannte Meister, schießt mit "Maps To The Stars" so scharf gegen das ach so böse, versaute & hässliche Hollywood, wie lange keiner mehr. Wenn es einer kann, darf & sollte, dann Herr C. aus Kanada.
In der bitterbösen Tinseltown-Satire, reist eine durch Brandnarben entstellte junge Frau zurück zu ihrer Familie nach Hollywood, nur um festzustellen, dass der faule Strudel schon längst nicht mehr zu retten ist. Hollywood wurde schon oft auf die Schippe genommen - so trocken, bösartig & gelungen jedoch nur ganz selten. Keiner seiner üblichen Schocker, fast gänzlich ohne Gewalt auskommend, doch im Endeffekt psychisch ein Tiefschlag. Kein Wunder, dass weite Teile Hollywoods den Film & den Regisseur spätestens nach dieser öffentlichen Schelte nicht mehr riechen konnten.
Das Hollywood ein rottige Tomate ist, wurde oft behauptet & ist schon mehr Fakt als Fiktion. Doch wie genüsslich & gruselig hier ein Spiegel vorgehalten wird, ist köstlich. Vorgetragen von edlen Performances, die perfide Charaktere nie zu sehr der Lächerlichkeit preisgeben, ist der Film ein groteskes Ensemblepiece, wie es nur Cronenberg (oder vielleicht noch Verhoeven) kann. Desillusionierend, gefühlskalt & ohne Erbarmen. Zu gemein für Preise, zu verkopft für Erfolg, zu gemixt für einstimmige Lobeshymnen. Doch dem Genrefan mit schwarzem Humor läuft hier ein Schmankerl über den Weg, welches man auf den ersten Blick gar nicht mal als solches erwartet oder entdeckt.
Mit der Zeit wirkt der Film wunderschön schmerzhaft nach & fasziniert mit blutigen Nadelstichen in Richtung Hollywoods Schönen & Reichen. Und Leeren & Dummen & Kranken & Schlechten. Da blühen sogar sonst auf mich wenig Eindruck schindende Leute wie Pattinson oder Wasikowska erfreulich auf. Etwas mehr Härte, Grusel oder (Body-)Schock hätten dem Ganzen wohl noch die Krone aufgesetzt, doch vielleicht sogar etwas von seinem unterschwellig diabolischen Augenzwinkern genommen. Man kann also zufrieden sein mit dieser aggressiven Abrechnung.
Fazit: Land der Alpträume - ich wüsste gerne, wie nah Cronenberg der Wahrheit der verfaulten Traumfabrik wirklich kommt. Entlarvend, gruselig & glänzend unmenschlich. Ein cooler Giftstachel der sitzt!