Review

kurz angerissen*


Als Abschluss einer flotten Serie von acht einstündigen Filmen binnen drei Jahren warf die 20th Century Fox noch einen finalen Auftritt des exzentrischen Jiu-Jitsu-Detektivs Mr. Kentaro Moto auf den Markt. Darin möchte der Titelheld eigentlich endlich mal Urlaub machen, wird aber durch einen mysteriösen Dieb namens Metaxa daran gehindert, weil der es auf ein wertvolles Museumsstück abgesehen hat, das in einem Museum in San Francisco ausgestellt werden soll. Ob Moto wusste, dass er seinen langersehnten Urlaub zwar nicht während der Handlung, aber bald darauf bekommen würde – und dass er deutlich länger dauern würde als geahnt?

„Mr. Moto und sein Lockvogel“ ist nach Veröffentlichungsdatum geordnet der letzte Film der achtteiligen Reihe, wurde aber noch vor „Mr. Moto und die geheimnisvolle Insel“ gedreht. Weil jedoch Herbert Leeds auf der Insel die Regie übernahm, ist es zumindest für Stammregisseur Norman Foster der wahrhaft letzte von insgesamt sechs Einsätzen. Und in Sachen Action, Tempo und Unterhaltung lässt er sich nicht lumpen, liefert er doch eine seiner temporeichsten Arbeiten. Der Plot ist ständig in Bewegung, es gibt Verfolgungsjagden per Auto in Kombination aus waghalsigen On-Set-Stunts und getricksten Nahaufnahmen mit Rückprojektion, es werden in ungewöhnlichen Kamerawinkeln Fluchtwege über Häuserdächer eingefangen und natürlich wird auch mit akrobatischen Zweikämpfen und erheiternden Sidekicks wieder nicht gespart. Der Streifen ist reich an interessanten Sets, die ähnlich wie bei dem anderen „letzten Moto“ einem Best Of der markantesten Schauplätze gleichkommen, begonnen mit einem Passagierschiff, das den Bogen zum ersten Eintrag in die Serie schlägt. Das stets im Akt befindliche Treiben des Diebs mit ungeklärter Identität lässt Freunde des gepflegten Whodunit mal vom aufregenden Whodoesit kosten, das zu manch stimmungsvollem Augenblick führt, etwa wenn der Maskierte draußen im Regen hockt und mit einer Waffe auf Mr. Moto zielt, der sich soeben in seinem warmen Zimmer in Sicherheit wähnt.

Eine gewisse Müdigkeit trotz aller oberflächlichen Schauwerte dennoch zu spüren. Obgleich das Tempo bei den ersten Filmen vielleicht etwas weniger hoch war, so strahlte die Auswahl der Sets, der Aufbau der Dialoge und die Aufbereitung der Kriminalfälle zu Beginn der Reihe mehr Sorgfalt und mehr Besonderes aus. Peter Lorre selbst war Profi genug, sich mögliche Routinen nicht ansehen zu lassen, er ist und bleibt auch im achten Teil eine Wucht und bringt immer noch die nötige Größe in die Rolle, damit der Zuschauer nicht nur einen ungarisch-amerikanischen Darsteller in der Haut eines Japaners akzeptiert, sondern auch alle Begleitumstände, die ein derartiger Umgang mit Stereotypen mit sich bringt (vom Blackfacing, das diesmal in einer Szene bei einer Nebenfigur zu sehen ist, bis zur erprobten Sekundär-Identität des Mr. Moto als einfältiger Klischee-Asiate wie aus einem Lucky-Luke-Comic). Aber es bleibt nicht unbemerkt, dass sich Twists und Marotten längst wiederholen. Man kann sie als liebgewonnene Eigenschaften der Franchise immer noch begrüßen, der für das vollständige Gelingen der Moto-Rezeptur so wichtige Überraschungseffekt ist aber verpufft.

Selbst wenn die Realität Hollywood nicht kurze Zeit später eingeholt hätte und eine japanische Hauptfigur in einem amerikanischen Film untragbar geworden wäre, wer weiß, wie lange Lorre überhaupt noch zur Verfügung gestanden hätte. Mit Penny Singleton, die von 1938 bis 1950 immerhin 28 Filme lang als Hausfrau Blondie auftrat und übrigens ebenso wie Mr. Moto einen Film mit dem Titel „...Takes a Vacation“ mit ihrer Präsenz beehrte (und zwar im gleichen Jahr... hatten die Beiden etwa einen gemeinsamen Urlaub geplant?), wäre er aufgrund anderer Verpflichtungen wohl kaum gleichgezogen. Vermutlich ist es gut so. Heute, mehr als 80 Jahre später, kann man alle Teile reuelos am Stück schauen, ohne dass die leichten Abnutzungserscheinungen dem Unterhaltungswert wirklich etwas anhaben könnten.



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