kurz angerissen*
Als die Silhouette des nahenden Zweiten Weltkriegs am Horizont auftauchte, legte sich ihr Schatten auf die Filmindustrie nieder und machte auch um die abenteuerliche Detektivreihe mit Peter Lorre keinen Bogen. In „Mr. Moto und die Flotte“ bestimmen jedenfalls politische Manöver den Kurs der Handlung: Frankreich und England sollen gegeneinander aufgebracht werden, denn die Übungen der Royal Navy mit der französischen Flotte werden von Unbekannten sabotiert. Das ist doch ein Fall für... Teru Shimada?
Dass auf einmal der japanisch-amerikanische Schauspieler, der Jahrzehnte später im Bond-Streifen „Man lebt nur zweimal“ mitspielte, ins Bild rückt und sich anstelle von Lorre als Mr. Moto ausgibt, ist dabei viel weniger verwirrend als die undurchsichtige Verschwörung, auf der das Drehbuch seinen Fall aufbaut. Verkleidungen und Verwirrspiele, wenn auch diesmal mit einer vermeintlichen Neubesetzung auf die Spitze getrieben, gehören eben zum Job eines Handkanten-Detektivs dazu, wie Lorre in einer späteren Szene seufzend feststellt und damit seine vorangegangenen fünf Fälle reflektiert. Doch die Komplexität des neuesten Falls ist ungewöhnlich. Eine unsichtbare feindliche Organisation, deren Herkunft völlig unklar ist, zwielichtige Gestalten, die einer nach dem anderen aus dem Boden sprießen und als krönende Ablenkung ein Bauchredner (Ricardo Cortez), der sinnbildlich für die Unmenge an falschen Fährten steht, von denen einige in Sackgassen enden und andere wieder zum Anfang führen.
Beruhigend, dass Mr. Moto, also das Original, dennoch stets den Kopf über Wasser zu halten weiß und das Puzzle aufwändig, aber gekonnt erneut in nur wenig mehr als einer Stunde löst, wobei er dem Zuschauer das finale Puzzlestück, Schelm der er ist, vorenthält. Es mag in der Vergangenheit aufregendere Einsätze und im Sinne des Entertainments spannendere Geschichten gegeben haben, doch Lorre und sein Stuntman werden zumindest wieder auf ganzer Linie gefordert. Nach dem etwas hüftsteifen Vorgänger ist wieder mehr Körpereinsatz gefragt und auch die grauen Zellen müssen angestrengt werden. Lorre tangiert all das selbstverständlich kaum; ob nun als abgeklärter Moto oder als naiv-höflicher Mr. Kiroki, ohne Mühe stiehlt er jedem Konterpart die Show, selbst wenn der Puppen zum Sprechen bringen kann.