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Gebratener Kabeljau mit Kakaobohnensplittern auf Wirsing-Pastinaken-Püree: Für einen Hobbykoch benötigt es annähernd zwei Stunden, dieses Rezept umzusetzen, nach zehn Minuten ist der Fisch indes verspeist. Ähnlich verhält es sich mit dem Streifen von Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Jon Favreau, dessen leichtfüßiger Stoff definitiv Lust aufs Kochen macht. Die Sättigung hält allerdings nicht lange an.

Chefkoch Carl Casper (Favreau) wird in seiner kulinarischen Kreativität eingeschränkt, erhält daraufhin vom Restaurantkritiker und Blogger (Oliver Platt) einen massiven Dämpfer und wirft im Restaurant schließlich das Handtuch. Um neu durchzustarten, besorgt er sich einen Food Truck und reist durch halb USA, was für Carl gleichzeitig eine Chance darstellt, seinem entfremdeten Sohn Percy (Emjay Anthony) wieder etwas näher zu kommen...

Food Porn ist kein wirklich schöner Begriff und dennoch, - der Streifen liefert eine Ode ans Essen, egal ob Gourmet oder Fastfood. Favreau ist die Leidenschaft in nahezu jeder Szene anzumerken, in der er sich um die Vorbereitung diverser Speisen kümmert oder auch mal beherzt in die Popcorntüte greift, während er mit Percy über den Wochenmarkt schlendert.
Die Vater/Sohn - Beziehung steht von vornherein im Vordergrund und bildet den wesentlichen Teil der Erzählung, während es am Rande darum geht, beruflich zu sich selbst zu finden und diesbezüglich mit Mut zum Risiko zu den Wurzeln zurückzukehren.

Das sympathische Gespann um Casper rückt früh in den Fokus und da darf es auch schon mal eklatante Defizite gegenüber sozialen Netzwerken geben, was für Sohn Percy eine taugliche Basis darstellt, sich später im Dienst für Casper zu etablieren. Das wirkt zuweilen etwas arg konstruiert, manchmal beinahe kindgerecht, da es zwischenzeitlich an jeglichen Konflikten mangelt und kaum Reibungspunkte auszumachen sind. Daraus resultiert eine gewisse Vorhersehbarkeit, was sich überwiegend im letzten Drittel und besonders in den letzten Minuten mit einer zu aufgesetzten, übers Knie gebrochenen Auflösung manifestiert.

Der guten Laune gegenüber kulinarischen Entdeckungen tut dies jedoch keinen Abbruch, denn wenn das Gespann während der Reise mit dem Imbisswagen in Texas Halt macht, um ein spezielles Barbecue zu kosten, unterstreicht dies den Grundgedanken eines jeden Hobbykochs oder Küchenchefs: Lasse dich von lokalen Besonderheiten inspirieren, genieße das Besondere und erfreue dich gleichermaßen an der Einfachheit einer leckeren Grundlage, denn selbst Toastbrot mit Butter und Käse kann mithilfe kleiner Kniffe zum Festessen werden.

Zwar fehlt es dem charmanten Treiben hin und wieder an treffsicheren Gags und hochkarätige Nebendarsteller wie Dustin Hoffman, Scarlett Johansson oder Robert Downey Jr. werden beinahe verheizt, doch demgegenüber punktet der gutgelaunte Score mit einigen Cubana Sounds, die variable Kamera weiß zu gefallen und zudem trägt die Erzählung, trotz schlichter Dramaturgie und vereinfachten Konfliktlösungen das Herz am rechten Fleck.
Zum reinen Entspannen und Wohlfühlen sehr gut geeignet, für anspruchsvolle Gemüter kommt der Streifen indes zu glatt gebügelt und naiv daher.
7 von 10

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