Soul Food for Film Soul
2014 surfte Jon Favreau durchaus noch auf der „Iron Man“-Welle und durfte erstmal machen, was er wollte. Und das war „Chef“ - ein lockerleichter „Ess- und Vater- und Midlifecrisis-Film“ für Seele, Herz und Magen, in dem ein einstiger Starkoch seinen einschnürenden Job schmeißt, einen Foodtruck in Miami hochzieht, zurück zu seinen Wurzeln kehrt und dabei die Beziehung zu seinem kleinen Sohn, sein angekratztes Selbstbewusstsein und alte Leidenschaften wieder aufbaut…
Essen als Leidenschaft
„Chef“ kann nicht alles perfekt. Ganz und gar nicht. Er ist kein ausgewachsenes Drama, nichtmal ein halbwüchsiges. Er hat mich leider auch nicht wirklich oder regelmäßig zum Lachen gebracht. Manche Nebenfiguren wirken sogar comichaft überzogen bis nervig. Doch eine Sache kann und schafft „Chef“ einfach sensationell: er macht Hunger! Sein Essen sieht klasse aus, es ist heiss und fettig, es wird mit Seele und Können gemacht, das spürt man. Egal ob im Sternerestaurant oder im Food Truck. Bei einer Sichtung sollte der Kühlschrank definitiv nicht leer sein. Oder der Magen. Oder das Paypal-Konto um Essen zu bestellen. Denn während und nach „Chef“ hatte ich Kohldampf wie selten. Und das ist auch eine rare Filmqualität. Dazu ein paar reggaeton'ige und soulige Tunes, dazu Favreau selbst als Sympathieträger, dazu Werbung für Miami. Fertig ist wohl einer der appetitlichsten Filme, die Hollywood je auf den Teller gebracht hat. Mit einer süßen Vater-Sohn-Entwicklung, erstaunlich wenig eigentlicher Geschichte, einiger Klischees und jummy Snacks. Das macht ihn noch nicht zur ausgewachsenen Kinomahlzeit oder zu einem „Tampopo“ - aber er zergeht doch irgendwie erstaunlich fluffig auf der Zunge und die Zeit verfliegt, obwohl sie geschichtlich kaum gefüllt scheint. Respekt! Leer und lecker.
Fazit: ein bisschen dramatisch, ein bisschen lustig, ein bisschen tragisch, ein bisschen locker, ein bisschen sonnig und vor allem sehr, sehr, sehr hungrigmachend. Danach knurrt jeder Magen - nur das Herz ist erstmal satt…