Bahnbrechender und trotz Alterserscheinungen heute noch spannender Hitchcock-Film, der sich als wegweisend für den Tierhorrorfilm erwies.
In einer Zoohandlung in San Francisco laufen sich Mitch Brenner (Rod Taylor) und Melanie Daniels (Tippi Hedren) zum ersten Mal über den Weg. Er ist Anwalt, sie Tochter eines reichen Verlegers, er bodenständig, sie hat schon kleinere Skandale verursacht. Die plänkeln etwas miteinander rum, doch Mitch behält in diesem Gespräch klar die Lufthoheit, was Melanie nicht auf sich sitzen lassen will. Doch damit knallt uns Hitchcock schon mal zwei sehr pfiffige Hauptfiguren vor den Latz, die auch für die damalige Zeit recht modern wirken.
Doch Melanie erfährt, dass Mitch Liebesvögel für den Geburtstag seiner kleinen Schwester haben wollte, diese aber nicht vorrätig waren. Um ihn zu ärgern, will ausgerechnet sie ihm diese schenken, muss dafür jedoch nach Bodega Bay in Nordkalifornien fahren, wo Mitchs Familie wohnt. Doch das ist es ihr wert – und außerdem macht sich schnell schon die unterschwellige Anziehung zwischen den beiden Hauptfiguren bemerkbar, wie sich auch bei Screwball Comedies aus dieser Zeit immer sehr beliebt war. Doch Hitchcock macht aus „Die Vögel“ keine Romanze, sondern gibt dies eher als schmückendes Beiwerk dazu.
Melanie schafft es nicht, die Vögel unbemerkt abzuliefern und wird von Mitch zum Bleiben aufgefordert – was sie gar nicht so ungern annimmt. Doch bald verfliegt die Partystimmung im Hause Brenner: Unerklärliche Attacken von an sich harmlosen Vögeln wie Hühnern oder Möwen häufen sich…
Wie wegweisend Hitchcocks Film war, kann man an den zahlreichen Tierhorrorfilmen sehen, die danach kamen und mal mehr, mal weniger in Mode waren. Doch einer der Gründe, warum „Die Vögel“ seinen Klassikerstatus besitzt, dürfte wohl die Tatsache sein, dass man im Gegensatz zu vielen anderen Genrefilmen keinen aufgesetzten Erklärungsversuch für die Tierangriffe gibt. Die Vögel greifen einfach an und man kann das Ganze mehr oder weniger tiefgründig interpretieren.
Doch auch darüber hinaus funktioniert der Film auf dem Hitchcock-typischen Spannungsniveau: Die Angriffe der Vögel werden immer heftiger und die Charaktere müssen immer einfallsreicher taktieren, um den Biestern zu entkommen. Trotz kleiner Subplots (Mitch und Melanies Verhältnis zueinander, Mitchs besitzergreifende Mutter usw.) verliert Hitchcock zudem nie den Hauptaspekt, die Vogel-Attacken aus den Augen, und webt die Subplots dennoch in seine sehr dichte Geschichte ein. Auch die Charaktere sind besser entwickelt als in den meisten anderen Tierhorrorfilmen, nur etwas mehr Tiefgang wäre an dieser Stelle doch drin gewesen.
Die Tricks sind ziemlich gut, vor allem wenn man das Alter des Films bedenkt. Sicherlich sieht man teilweise, dass die Vögel nur reingemalt sind, aber die Szenen wirken doch nie gekünstelt. Zudem beweist Hitchcock optischen Einfallsreichtum: Als ein Vogel eine brennende Tankstelle überfliegt, erinnert die Einstellung an Luftangriffe aus Kriegsfilmen usw. Nur das Ende das Films ist etwas sehr simpel geraten und auch wenn man hier wieder viel reininterpretieren kann: Es wirkt leicht unlogisch, wenn man das Verhalten der Vögel am Ende und davor vergleicht.
Rod Taylor und Tippi Hedren geben ein charismatisches Protagonistenpaar ab und spielen recht überzeugend, auch wenn man dem Film ab und zu anmerkt, dass die Schauspielkunst damals noch nicht so ausgeprägt war wie heutzutage. Doch die Leistungen sind dennoch alles andere als schlecht, zumal man auch keine heutigen Maßstäbe anlegen sollte.
So ist „Die Vögel“ auch heutzutage immer noch ein sehr unterhaltsamer Klassiker des Spannungskinos, auch wenn das Ende nicht so ganz passen mag und das Tempo nicht so hoch ist wie in heutigen Filmen.