Ein überbewerteter Klassiker revisited...
Nachdem ich diesen Film viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, habe ich mir nun die (technisch sehr gute) amerikanische DVD besorgt und mich auf einen spannenden Klassiker des Tierhorrors gefreut.
Gesehen habe ich ein eher langweiliges Familiendrama mit einigen Horrorelementen...was mich wirklich irritiert hat, wenn ich die öffentliche Wahrnehmung und Bewertung des Films als Maßstab nehme. Irgendwie scheint die kritische Distanz zu 'Meisterwerken' abzunehmen, wenn ein (meiner persönlichen Meinung nach mächtig überschätzter) Regisseur erst einmal in den Pantheon der Filmkunst erhoben wird...
Insgesamt stören mich an diesem so hochgelobten Film so einige Dinge, die ich einmal erläutern will:
- die Schauspieler sind bestenfalls Durchschnitt und schaffen es bei mir in keiner Sekunde, so etwas wie Sympathie für ihre Figuren zu entwickeln, Annie einmal ausgenommen; der Rest sind schablonenhafte 08/15-Abziehbildchen (woher wir das kennen, dazu später mehr)
- die Inszenierung ist schwerfällig, die Exposition des Films mit 50 MInuten und damit fast der Hälfte (!) der Laufzeit viel zu lang; es wird kein Spannungsbogen aufgebaut, und wenn doch mal so etwas wie Spannung aufkommt, wird sie nicht lange aufrechterhalten. Wenn das Federvieh endlich mal zum Angriff bläst, ist auch sofort schon wieder Schluß mit Lustig, und man wird wieder mit erschütternd einfältigen Dialogen (zumindestens in der OF) bombardiert
- der absolute Knaller aber ist das Drehbuch: so einen Murks habe ich nicht einmal in den miesesten Slasher-Filmchen der 80er vorgesetzt bekommen. Wenn man denn diesen (nicht sonderlich intelligenten) Vertretern des Horrorfilms vorwirft, die Story reiche nicht einmal für 5 Minuten und die Protagonisten seien einfach nur noch behämmert, was macht man denn dann mit den Figuren aus diesem Film? Einfach nur mal zwei von vielen Beispielen: als Melanie (die dämlicherweise alleine auf den piepmatzverseuchten Dachboden steigt) dort allerlei gefiederte Unholde vorfindet, will sie wieder durch die Tür. Guter Plan. Nur leider lehnt sie sich GEGEN DIE TÜR, WÄHREND SIE VERSUCHT SIE ZU ÖFFNEN. Das ist natürlich genauso clever, wie die Idee, während eines Angriffs (!) aus der Deckung eines sicheren Hauses (!!) auf die Straße (!!!) und dann nicht etwa wieder in dieses Haus zurück, sondern in eine Telefonzelle (!!!!) zu flüchten. Ach ja, was sie auf der Straße eigentlich wollte, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben. Bei solche Aktionen sehen die Dumpfbacken aus 'Freitag der 13.' aus wie kommende Nobelpreisträger.
Auch wenn dieser Film sicherlich den Weg für den modernen Tierhorror geebnet hat, so nimmt er auch schon einige Formeln des 'modernen' Slasher-Films vorweg - und zwar nicht die interessanten. Lustigerweise geschieht dies durch den Regisseur, dessen Werke immer so gerne als Gegenbeispiel zu diesen ach so minderwertigen Produkten der Unterhaltungsindustrie zitiert werden.
Fazit: Mr. Hitchcock, das haben Sie gemacht? Interessant...
3/10 Punkten