Die Vögel ist ein außergewöhnlicher und vielschichtiger Film von Alfred Hitchcock. Ihn rein als Horrorfilm anzusehen, geht wohl an der Sache dabei. „Die Vögel" hat durchaus Elemente eines Horrorfilms, doch wird noch viel mehr geboten.
Ein Mann auf der Suche nach ein paar „Liebesvögel" trifft eine Frau in einer Tierhandlung. Die Frau spielt dem Mann einen Streich. Er gefällt ihr und so fährt sie ihm nach Bodega Bay. Ein idyllischer Ort an der kalifornischen Küste. Der Mann, Mitch Brenner (Rod Taylor) ein kühler Strafverteidiger. Die Frau , Melanie Daniels (Tipi Hedren), die verzogene Tochter eines Medienzaren die die Klatschspalten füllt. Bodega Bay selbst ist ein ruhiger Ort, doch mit der Ruhe ist es nun vorbei, den nach und nach greifen Möwen, Spatzen, Krähen und anderes Geflügel Menschen an.
Wenn man den Beginn von „die Vögel" betrachtet, so glaubt man fast wieder eine typische romantische Komödie vor sich zu haben. Erst langsam steigert sich der Horror. Die Szenen mit den Vögeln sind wirklich unheimlich und waren damals Stand der Technik. Bluescreen Verfahren und andere Techniken waren Anfang der 60er Jahre noch in den Kinderschuhen. Trotzdem hat es Hitchcock geschafft (ganz ohne Computergrafik!) die Angriffe der Vögel realistisch darzustellen. So war dieser Film für Jahrzehnte hinaus tonangebend in Sachen Technik und Special Effekts. Natürlich funktioniert „die Vögel" auch als Horrorfilm. Wenn sich Melanie auf die Bank vor der Schule setzt und hinter ihr eine Krähe nach der anderen Platz nimmt. Grusselig und beklemmend kann man das Ganze ruhig nennen. Ausgehackte Augen, Angriffe auf Telefonzellen, Attacken auf Kinder, Blut und Leichen, sind einfach unheimlich und schockierend. Die Szene in der Menschen in einem Haus verzweifelt nach einen Unterschlupf suchen, und man das Klopfen und den Angriff der Vögel hört bleibt einfach im Gedächtnis.
Der wahre Horror scheinen aber die Beziehungen der Menschen in diesem Film zu sein. Eine Witwe die Angst alleine zu sein und sich an ihre Kinder klammert. Eine Tochter die ihre Mutter hasst und ein leichtes Leben führt und nur so oberflächliche Arbeiten gegen die Langeweile erledigt. Ein Strafverteidiger der Kriminellen hilft und scheinbar nicht fähig zu sein Gefühle auszudrücken. Der schwarze Humor kommt auch nicht zu kurz, wenn Mitch von einem Mann erzählt der seine Frau umbrachte weil sie ihn während eines Fußballspiel störte (Glatter Freispruch oder? :-)).
Wenn aus dem Radio tönt dass ein Einsatz des Militärs beraten wird, eine Ornithologin erklärt so ein Angriff wissenschaftlich gar nicht möglich ist und die Menschheit chancenlos in so einen Krieg wäre, dann weiß der Zuschauer dass die Helden des Films auf sich alleine gestellt sind. Der Vogelangriff ist eine Naturkatastrophe für die es keine Erklärung gibt, auch der Film liefert keine. Das alleine macht den Film schon leicht unheimlich. Dass dieser Film die Leute im Kino beeindruckt und schockiert hat kann man sich durchaus vorstellen. Das Ende? Eine apokalyptische Welt voller Vögel die auf den nächsten Angriff wartet. Vielleicht hat der Betrunkene im Lokal ja doch recht: Das ist das Ende der Welt!
Ob man „die Vögel" jetzt als Horrorfilm, Katastrophenfilm, Drama oder anders klassifizieren will, „die Vögel" unterhält. Was als leichte Komödie mit lustigen Kanarienvögeln beginnt, wird zu einem Horrordrama mit lauter aggressiven Vögel. Für diesen Film gibt es eine Vielzahl von Interpretationen und jede Menge interessanter Details. So ist dieser Film nun mal beeindruckend und schockierend zugleich. Nichts für leichte Gemüter, da „die Vögel" doch leicht verstörend wirkt und im Gedächtnis haften bleibt.