Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ – 1963 veröffentlicht und als einer der großen Horrorklassiker geltend. Mitunter beschleicht mich aber das Gefühl, dass der Film größer geredet wird, als er eigentlich ist; und das bestimmt nicht nur, weil „Tierhorror“ nicht unbedingt mein favorisiertes Subgenre ist. Zweifelsohne haben Hitchcock und sein Team Großes geleistet, was die Effekte mit ganzen Schwärmen lebendiger Vögel betrifft – daran ändert auch die Durchschaubarkeit vieler Einstellungen aus heutiger Sicht nichts. Der Aufwand war ernorm und das Ergebnis kann sich nach wie vor sehen lassen. Es ist vielmehr das Drehbuch, das mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet, denn bei allen Interpretationsmöglichkeiten erschließen sich mir Sinn und Zweck des ausufernden romantischen Geplänkels zwischen Melanie und Mitch nicht wirklich, das im Stile einer romantischen Komödie beginnt und nach und nach immer mehr dramatische Züge annimmt, trotz allen gewünschten Tiefgangs mit all seinen Nebenschauplätzen und charakterlichen Unzulänglichkeiten der Protagonisten aber schablonenhaft bleibt und „Die Vögel“ auf eine Spielzeit aufbläht, die dem Film meines Erachtens nicht gut tut. Vereinzelte Suspense- und Schockmomente mit wirkungsvollen Make-Up-Effekten lockern die „Beziehungskiste mit Ladehemmung“ angenehm auf, zu oft und vor allem zu langwierig fällt die Handlung aber immer wieder in zähe Dialoge und Belanglosigkeiten zurück. Erst im Finale beweist Hitchcock dann endlich sein Talent für die Erzeugung hochatmosphärischer Szenen, knisternder Spannung und wahnwitzigen Terrors, der für die überlange Einleitung entschädigt. Durch den fast völligen Verzicht auf Filmmusik zugunsten einer bedrohlichen Geräuschkulisse erfährt „Die Vögel“ einen unwohligen Realismus und das offene, prä-apokalyptisch anmutende Ende mag auf den einen oder anderen unbefriedigend wirken, verleiht dem Werk aber ernsthafte Tiefe und Hoffnungslosigkeit. Fazit: Sicherlich wegweisendes, mehrschichtiges Werk, bei dem aber nicht alle Handlungsstränge überzeugen – bis sich Hitchcock endlich auf seine Stärken besinnt. In jedem Falle aber immer noch besser als manch lauer Tierhorror-Nachahmer.