Alfred Hitchcocks "Die Vögel" ist ein Klassiker der Filmgeschichte, der seine Qualitäten allerdings erst gegen Ende aufleben lässt. Bekanntermaßen kommen die älteren Horrorfilme erst sehr allmählich in Fahrt, doch hier ist die Vorgeschichte einfach zu lang geraten, sodass es fast eine Stunde dauert, bis sich Suspense aufbaut. Würde man das allgemeine cineastische Wissen um diesen Film und seinen schon andeutenden Titel einmal außer Acht lassen, könnte man denken, sich hier in einem Liebesfilm zu befinden. Darauf scheint die Storyline nämlich anfangs hinauszuzielen. Dazu kommen dann auch noch Themen wie die Angst vor der Einsamkeit und die Eifersucht der Mutter. Das einzige Zeichen, dass hier etwas Mysteriöses im Gange ist, setzt Hitchcock zunächst nur mit einer kleinen Attacke einer Möwe auf die mit einem Boot auf einem Gewässer fahrende Hauptprotagonistin, die man zunächst nur als Zufall abstempeln könnte.
Geschickt macht Hitchcock dann später mit Hühnern, die nicht fressen wollen, weitere Andeutungen bis man wegen anderen Angriffen von Vögeln mit Sicherheit sagen kann, dass die Federviecher hier durchdrehen. Weiterhin versucht der Altmeister mit Diskussionen der verängstigten Bewohner über die unerklärlichen Ereignisse den Zuschauer weiter zu verunsichern. Mit dem Finale kann Hitchcock dann endlich sein ganzes inszenatorisches Können unter Beweis stellen.
Die Trickeffekte sind heut zu Tage eigentlich relativ durchschaubar, sodass man deutlich erkennt, dass man beim Auto- oder Bootfahren beispielsweise die Akteure größtenteils "trocken" agieren ließ und Hintergrundbilder dann ihr Übriges taten. Auch bei den Vogelattacken scheint es, als hat man die Vögel teilweise nachträglich als Vordergrund ins Bild eingefügt. Aber für damalige Verhältnisse war es schon hervorragend und deshalb sollte man an den Effekten auch nicht so viel kritisieren.
Ebenfalls auffallend in Hitchcocks Inszenierung ist auch die Akustik. Auf die Verwendung von Filmmusik verzichtete er fast komplett und setzt stattdessen nur das Vogelgekrächze als auffallendes Geräusch ein, was besonders zum Schluss eine sehr schöne Atmosphäre erzeugt. Die Darsteller hingegen setzen dafür keineswegs Maßstäbe. Wogegen die Figur der verwöhnten Melanie Daniels noch einen sympathischen Eindruck macht, wird der Charakter des Mitch Brenner doch etwas steif dargestellt.
Fazit: Der leider nicht mehr ganz zeitgemäße, extrem zähe Aufbau der eigentlichen Geschichte, ein unangebrachtes offenes Ende sowie zusammengefasst nur mittelmäßige Darstellerleistungen trüben den Gesamteindruck des wegweisenden Horrorthrillers von Alfred Hitchcock.